Ach, herrje… Es passiert eine kleine Panne, schon ist sie vor lauter Traurigkeit nicht mehr wiederzuerkennen (…). Dabei spielte sie doch so gern Olympia! (…) Sie hatte schon mit dem ganzen Geld gerechnet. Kein Wunder also, dass sie jetzt den Kopf so tief hängen lässt. Man muss sie doch irgendwie trösten können.

Wenn sich irgendwo eine Tür schließt, wird sich anderswo bestimmt schon eine andere auftun. Die Olympischen Spiele sind zwar verflogen. Die Schwimm-WM ist aber gewissermaßen ein Trostpflaster – sozusagen eine Trost-WM. (…) Die Beute ist zwar nicht mit jener von Olympia zu vergleichen, aber sie reicht zumindest dafür, das Renommee und die Geldbeutel im Freundeskreis wieder etwa aufzubessern. Die Kumpels haben sich nämlich schon beschwert, was denn jetzt nach dieser Olympia-Blamage aus ihnen wird. (…) Und obwohl man sich statt der Tausend-Milliarden bloß mit Hundert zufriedengeben muss, machte sich die Regierung ans Werk.

Unversorgte Kumpels, steigende Kosten: Finde den Fehler!

Es gab schon genug damit zu tun, zumindest diese Hundert [ca. 320 Millionen Euro] lockerzumachen. Denn vor zwei Jahren war der vollständige Rahmen noch bei 14,7 Milliarden [etwa 47,5 Millionen Euro] festgesetzt. Damals zählte das aber nicht, denn alle konzentrierten sich auf den riesigen Honigtopf Olympia – voller unbegrenzter Möglichkeiten der öffentlichen Beschaffung. Wen interessierte schon, wie groß der deutlich kleinere Schwimm-WM-Topf werden würde. (…)

Leider konnte man auch nicht die Inflation als Grund für die vielfach steigenden Kosten angeben, denn niemand würde ihr abnehmen, dass es bei der Anhebung der Renten keine Inflation gibt, dafür bei der Trost-WM schon und zwar eine gewaltige. Man musste den Weg einfach Schritt für Schritt weitergehen. Zuerst verankerte man im Gesetz ganz beiläufig, dass die Donau-Arena an sich schon 25 Milliarden [etwa 80 Millionen Euro] kosten wird. Etwas später war laut der öffentlichen Ausschreibung schon von 38,6 Milliarden [etwa 125 Millionen Euro] die Rede. Noch später schrieb man bereits 43 Milliarden [ca. 139 Millionen Euro], denn auch der Fußball-Kumpel des Ministerpräsidenten, Herr Garancsi, musste versorgt werden, wenn er schon ganz zufällig den Auftrag erhielt. (…)

Von der Preiserhöhung wurde ganz geschickt abgelenkt, indem man in den Schauplänen zuerst einen Prunkpalast anstatt des scheußlichen steinernen Sarges präsentierte. Gerade deshalb wurde die gesamte Trost-WM zu einer sogenannten „außerordentlichen Investition“, denn so braucht man sich nicht um die vielen Genehmigungen zu kümmern und spart sich auch den Ärger wegen gefällter Bäume und der Gebäude, die von den Plänen abweichen. Es ist natürlich ganz und gar nicht in Ordnung, dass sich der Regierungsbeauftragte verplapperte und die pompösen Schaupläne selbst als „Bluff“ bezeichnete. Wozu unnötig das Volk verärgern? Dieses hat eh schon genug Probleme. (…)

Deus vult – sein Wille geschehe!

Auch andere treue Wegbegleiter müssen wegen des geplatzten olympischen Traums getröstet werden: beispielsweise Tibor Kuna, ein Freund von Außenminister Szijjártó. Der begnadete PR-Fachmann (…) interessiert sich nur sehr marginal für materielle Dinge, er ist ein Mann der spirituellen Werte. Er selbst sagte: „Als Christ denke ich, dass alle guten Dinge von Gott kommen.“ In seinem Fall wahrscheinlich auch noch von der staatlichen Glückspiel-AG, mit der er vergangenes Jahr im Rahmen eines 5-Milliarden-Rahmenvertrags [etwa 16 Millionen Euro] ins Geschäft kam – für Marketing- und Kommunikationsaufgaben. Und ganz zufällig gewann er jetzt auch die ausgeschriebenen zwei Milliarden für die Veranstaltungsorganisation der Schwimm-WM. Was für ein Glückspilz!

Aber man darf den Armen doch nicht unverschämt ausnutzen. In diesen zwei Milliarden sind die Eröffnungs- und die Abschlusszeremonie natürlich nicht enthalten. Aber da werden wir wohl keine Cents zählen wollen: Koste es, was es wolle! Die Eröffnungszeremonie kostet zum Beispiel schon alleine 3,5 Milliarden [etwa 11 Millionen Euro]. (…)

Das könnte auf den ersten Blick etwas teuer erscheinen, aber sie sagten doch klar und deutlich: Das zahlt sich aus, denn die Bauobjekte werden alle hierbleiben. Bis auf den riesigen Sprungturm am Batthyány tér, der wird nämlich nach der WM wieder abgebaut. Dabei könnte er doch ein so schönes Symbol neben der Freiheitsstatue darstellen: „Der Sprung in den Abgrund“, – wenn sich schon herausstellen musste, dass er doch nicht eine gute Milliarde kosten wird, sondern gleich drei Milliarden. Also fast geschenkt. (…)

Hoffen wir nur, dass nicht zufällig der Stöpsel im Becken der Schwimm-WM herausgezogen wird! Denn dann wäre auch der ganze Trost dahin. Mir würde das wirklich das Herz brechen. Als hätte die arme, kleine Regierung nicht schon genug gelitten!

Die Autorin ist ehemalige MSZP-Parlamentsabgeordnete.

Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 25. März auf dem Online-Portal der linksliberalen Tagesszeitung Népszava.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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