Lange scheint es Stefan Osnowski nie an einem Ort zu halten, der 46-jährige Künstler hat unter anderem in Hamburg, Lagos, Lissabon und Budapest gelebt und gearbeitet. Es ist dieses ständige „Unterwegssein“, das ihm die Existenz der „Unorte“ deutlich machte. „Ich habe eine Zeit lang in Lagos, Portugal, gelebt“, erzählt Osnowski, „und war beeindruckt von den zwei komplett unterschiedlichen Lebensphasen, die dieser Ort zu bieten hat“. Im Sommer sei es brechend voll, laut, chaotisch und schnell und man habe das Gefühl, einfach weg zu wollen, im Winter jedoch sei alles wie ausgestorben, still und einsam. „Die Dualität des Lebens war ausschlaggebend für meine Holzschnitte“, so der Künstler. Aktuell sind mehrere seiner Drucke im Rahmen der Ausstellung „Passage“ im Showroom „Resident Art Budapest“ zu sehen.

Traditionelle Technik trifft auf moderne Motive

Traditionelle Techniken wie Lithografie oder Holzschnitt sind im Kunstbetrieb heute eher selten anzutreffen. Das macht Osnowskis Werke zu einer Besonderheit. Des Weiteren beeindrucken die Drucke durch ihre Größe, denn normalerweise ist diese Technik nur in viel kleinerer Fassung umsetzbar. Außerdem verbindet der Künstler die althergebrachte Technik mit einem vollkommen neuen Ansatz: Seine Schnitte bestehen aus horizontal übereinander gelagerten Streifen. Das Relief dieser Streifen kreiert im Druck ein breites Spektrum an Tonwerten, so setzt sich Streifen für Streifen ein Bild zusammen, das in seiner Optik an das Bildrauschen alter Heimvideos erinnert. Die Arbeit an den Holzschnitten fordert von Osnowski viel Zeit und Geduld. Für die Fertigstellung seiner vierteiligen Serie „Passagem“, die in der aktuellen Ausstellung zu sehen ist, benötigte der Künstler beispielsweise ein halbes Jahr.

Rapidität versus Langwierigkeit

In seinen Werken schafft Osnowski einen Kontrast zwischen der Schnelligkeit und Unbedeutsamkeit der Motive, die nur den Hauch eines Moments verkörpern, und dem langwierigen Entstehungsprozess des Holzschnitts. „Das, was mich so fasziniert, ist dieser kleine Moment, den ich unendlich ausdehne“, so der Künstler. Seine Arbeit beginnt mit einfachen Momentaufnahmen. „Die Motive fange ich meist mit meinem iPhone ein.“ Seiner zweiteiligen Serie „Zug“ diente etwa ein Foto, aufgenommen aus dem Fenster eines fahrenden Schnellzuges, als Grundlage. „Es sind diese Motive, die immer nur an uns vorbeirauschen“, erklärt Osnowski, Familienvater und Kunstlehrer an der Deutschen Schule Budapest, „die mich inspirieren“. Sich selbst sieht er nicht unbedingt als Schöpfer, sondern lediglich als einen Beobachter, der versucht, Dinge wahrzunehmen und festzuhalten. Die kreative Phase ist längst beendet, wenn das physische Arbeiten beginnt. In dieser Phase erfordere es höchste Konzentration, betont Osnowski, „Für meine Serie „Passagem“ habe ich mich drei Wochen in ein einsames Haus im Alentejo, Portugal, zurückgezogen. Da gab es Tage, an denen ich nicht ein einziges Wort gesprochen habe.“

„Passage“ von Stefan Osnowski wird noch bis zum 28. April im Showroom der „Resident Art Budapest“ in der Andrássy út 33 ausgestellt.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13 bis 18 Uhr

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