Die Zuckerherstellung blickt hier auf eine lange Tradition zurück. Neben der einzigen Zuckerfabrik Ungarns befindet sich hier auch eine Zuckermanufaktur. Aufgrund seiner Erfahrung als Direktor der Zuckerfabrik in Kaposvár, gründete der gebürtige Österreicher Dr. Karl Schultes Ende der 90er-Jahre die Zuckermanufaktur und nannte sie 1. Magyar Cukor Manufaktúra. Sein Anspruch und Ehrgeiz sollten sich auszahlen. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich aus der einst kleinen Garagenfirma, einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Nach und nach wuchs nicht nur die Anzahl der Mitarbeiter und Lagerräume, sondern auch die Auswahl und Vielfalt der Zuckerprodukte.

Heute verpackt die Zuckermanufaktur nicht nur den herkömmlichen Kristallzucker unter eigenem Label und auch für andere Unternehmen, sondern spezialisiert sich zunehmend auf Zuckerspezialitäten und alternative Süßungsmittel. Die Produktpalette reicht von Kandiszucker, Vanillezucker, Fruchtzucker, Braunem Zucker über Rohrrohrzucker bis hin zu Erythrit und Xylit. Während Xylit aus der Natur, hauptsächlich aus Birken- oder Buchenholz gewonnen wird und besonders für Diabetiker geeignet ist, besticht Erythrit durch seinen niedrigen Kaloriengehalt, kaum Eigengeschmack und ist zudem nicht schädlich für die Zähne. Wer der Gesundheit wegen nach Alternativen zum herkömmlichen Zucker sucht, dem bietet die 1. Magyar Cukor Manufaktura also eine ganze Reihe an Spezialitäten an.

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In den Produktions- und Verpackungshallen werden die großen Zuckersäcke unter anderem in 1-Kilo-Pakete und handliche Zuckersticks verpackt.

Betritt man die Firmenräume der 1. Magyar Cukor Manufaktúra, strömt einem der süße Duft von Zucker bereits im Empfangsraum entgegen. Eine Süße, die verpflichtet. Noch süßer geht es dann nur noch in den Produktions- und Lagerhallen des Unternehmens zu. Dort wird unter anderem der Kristallzucker in großen Maschinen gemahlen und zu Puderzucker verarbeitet.

Die Budapester Zeitung schaute sich in der Zuckermanufaktur einmal genauer um und sprach mit Geschäftsführer Florian Schultes über die Firmengeschichte, den Anbau von Zuckerrüben, alternative Süßungsmittel und Zucker-Quoten. Außerdem verriet der Geschäftsführer in zweiter Generation, was die Firma für die Mitarbeiterzufriedenheit und so auch für die Stabilität in der Region tut.


Herr Schultes, Sie arbeiten seit einigen Jahren im Unternehmen Ihres Vaters und sind mittlerweile auch der Geschäftsführer der 1. Magyar Cukor Manufaktura. Seit wann genau?

Seit Beginn dieses Jahres, im Januar fand der formale Wechsel der Geschäftsführung statt. Ich bin aber schon seit August 2014 im Unternehmen tätig und war zunächst Handelsbevollmächtigter und Stellvertreter meines Vaters.


Ihr Vater hat die Zuckermanufaktur hier in Kaposvár gegründet. Wie kam es dazu? Was können Sie uns über die Entstehungsgeschichte erzählen?

Mein Vater hat seine berufliche Laufbahn in Österreich begonnen und ist dann für eine Stelle bei der Firma Agrana nach Kaposvár gekommen. Die Agrana hat damals die hiesige Zuckerfabrik gekauft und mein Vater war dann als Direktor der Firma tätig. 1997 hat er sich dann dazu entschieden, ein eigenes Unternehmen in Kaposvár zu gründen, weil hier für die Zuckerindustrie sehr viele Standortvorteile gegeben sind. Man hat hier bereits eine qualifizierte Belegschaft und eine gewisse Tradition, was die Zuckerwirtschaft betrifft.

In der Zuckerindustrie selbst war er bereits seit den 70er-Jahren tätig. Die Familie meines Vaters stammt aus einem kleinen Dorf in Niederösterreich, wo es eine Zuckerfabrik gab. Dort war die Familie Schultes schon seit einigen Generationen in der Zuckerindustrie tätig.

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Geschäftsführer Florian Schultes: „Es ist uns wichtig, dass wenn man schon Zucker konsumiert, man ein bewusstes Gefühl dafür entwickelt, etwas Besonderes zu genießen.“

Der Zucker liegt Ihnen also praktisch im Blut.

Ja, definitiv.


Ihr Vater hat Ende der 90er-Jahre das Potential dieses Standortes erkannt und in dieses Unternehmen investiert. Ist er alleiniger Teilhaber?

Nein, mittlerweile nicht mehr. Einerseits ist seine Frau, Éva Horváth, eine sehr wichtige Figur für das Unternehmen und auch Teilhaberin. Sie hat gemeinsam mit meinem Vater den Grundstein für das Unternehmen gelegt. Der andere wichtige Partner ist Pfeifer&Langen, ein großer Zuckerproduzent aus Deutschland mit Sitz in Köln. Er ist seit 2001 mit an Bord. Diese Partnerschaft ist sehr wichtig für uns, weil es mit Pfeifer&Langen möglich war, größere Investitionen zu tätigen. Wir sind sehr glücklich, dass wir mit so einem potenten Partner zusammenarbeiten können.


Wie ist das Unternehmen seit der Gründung gewachsen? Mit wie vielen Mitarbeitern haben sie begonnen und wie viele beschäftigen Sie heute?

Wir haben als Garagenfirma begonnen, mit einer Maschine, drei Beschäftigten und ganz kleinen Mengen an Zucker, nur für lokale Abnehmer. Mittlerweile sind wir im ungarischen Zuckergeschäft sehr bedeutend, ich würde uns im Ranking als Nummer zwei in Ungarn einordnen. Marktführer in ganz Mittel- und Südosteuropa ist nach wie vor die Firma Agrana. Aber gleich danach kommen in Ungarn wir. Wir beschäftigen heute im Durchschnitt etwa 60 Mitarbeiter. Darüber hinaus arbeiten wir jetzt mit mehreren Verpackungsmaschinen, um eine große, variantenreiche Produktpalette anbieten zu können. Wir haben hier in Kaposvár einige Lagerhallen gebaut, um unseren Abnehmern eine geeignete Lagerkapazität zu ermöglichen. Seit der Gründung vor fast 20 Jahren hat sich also einiges getan, aus der ehemals kleinen Garagenfirma hat sich ein erfolgreiches Unternehmen entwickelt.


In welchen Bereichen sind Ihre Mitarbeiter abgesehen von der Produktion noch tätig?

Unsere Mitarbeiter arbeiten einerseits in der Verwaltung, im Verkauf und der Buchhaltung. Und dann gibt es natürlich den Produktionsbereich, der am arbeitsintensivsten ist. Das heißt, wir machen die Verpackungen für den Zucker, den wir nach Ungarn bringen. Darunter auch für unsere Zuckerspezialitäten. Wir mahlen den Zucker und machen daraus dann Puderzucker. Es gibt einige weitere Fertigungsschritte, um dann daraus diverse Zuckerspezialitäten herzustellen. Wir exportieren einige Produkte zwar auch ins Ausland, aber der größte Teil bleibt in Ungarn.

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Dass man Torten auch mit alternativen Süßungsmitteln (hier zum Beispiel mit „ERITRIT“) zubereiten kann, das beweist diese Schoko-Frucht-Torte.

Welche Supermarktketten haben Ihre Produkte im Sortiment?

Hauptsächlich die ausländischen, zu unseren Hauptkunden zählen Penny, Lidl, Spar, Auchan und Tesco. Wenn Sie einen dieser Supermärkte gehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dort eine ganze Produktpalette von uns zu finden. Zunächst einmal unsere 1-Kilo-Pakete an Kristallzucker, der unter der Marke Diamant angeboten wird. Diamant wird von Pfeifer&Langen vertrieben und hat hier in Ungarn neben Kristallzucker auch Puderzucker und Rohrohrzucker im Sortiment. Hier in Kaposvár verpacken wir auch den Zucker, der von manchen Supermarktketten unter ihrem eigenen Label vertrieben wird. Darüber hinaus findet man dort etwa unter unserer Eigenmarke „Cukormanufaktúra“ unseren Puderzucker, den Vaniellezucker, unseren unraffinierten Rohrzucker und ganz wichtig, man findet dort auch unsere alternativen Süßstoffe.


Um welche alternativen Süßstoffe handelt es sich dabei?

Wir verpacken und vertreiben im Moment Xylit und Erythrit. Xylit ist ein Zuckerersatzstoff, der sehr interessant ist, weil er ein Süßstoff mit besonderen Eigenschaften ist. Er ist zum Beispiel nicht schädlich für die Zähne und hat 40 Prozent weniger Kalorien. Somit ist er natürlich auch für Menschen geeignet, die aus gesundheitlichen Gründen weniger Zucker zu sich nehmen dürfen. Dieser Süßstoff ist eigentlich schon seit einiger Zeit weit verbreitet in Europa, weil er etwa zur Süße von Zahnpasta oder Kaugummis verwendet wird. Er hat auch die Besonderheit, dass man ihn beinahe so wie Zucker verwenden kann, weil er kaum Eigengeschmack hat. Außerdem ist er von seiner Kristallin-Form her dem Zucker sehr ähnlich. Wir importieren Xylit und verpacken ihn unter unserem eigenen Label.


In welche Länder exportieren Sie?

Wir exportieren zunächst einmal für unsere Schwesterunternehmen, die auch der Pfeifer&Langen-Gruppe angehören. Derzeit gibt es solche etwa in Slowenien, Rumänien, aber auch nach Deutschland bringen wir einige Verpackungen. Dann exportieren wir vor allem in Länder der Region. So vor allem nach Kroatien, das ein großer Zielmarkt von uns ist. Wir hoffen, dass in Zukunft auch Rumänien eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Wir liefern momentan auch viel Rohrohrzucker nach Tschechien. Das sind unsere Zielmärkte, die wir weiter ausbauen wollen und wo wir Wachstumspotential sehen. Momentan bleiben zwischen 90 und 95 Prozent unseres Absatzes in Ungarn, davon wiederum ist circa zwei Drittel der 1-Kilo-Kristallzucker und Zucker für Industriekunden, die zum Beispiel Zucker in 50-Kilo-Säcken kaufen. Etwa ein Drittel unseres hiesigen Verkaufs besteht aus Zuckerspezialitäten.


Wieviel Zucker wird bei Ihnen weiterverarbeitet? Ist der Zuckerverkauf eigentlich saisonal abhängig?

Wir verkaufen im Durchschnitt in Ungarn zwischen 35.000 und 40.000 Tonnen Zucker im Jahr. Der gesamte Zuckerverbrauch in Ungarn liegt etwa bei 300.000 Tonnen im Jahr. Unsere verkaufsstärksten Zeiten sind, weil wir viel Puderzucker verkaufen, vor allem die Ostersaison und Weihnachten. Das liegt eigentlich auf der Hand, in diesen Zeiten kaufen die Haushalte vermehrt Zucker, weil viel gebacken wird. Das ist auch das, was wir vermitteln wollen. Das Erlebnis, das man gemeinsam mit der Familie etwas genießen kann. Genuss und Tradition sind Werte, die wir vermitteln möchten und für die wir stehen.

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35.000 bis 40.000 Tonnen Zucker verkauft die Zuckermanufaktur jährlich in Ungarn.

Wo werden die Zuckerrüben angebaut, die zu dem Zucker weiterverarbeitet werden, den Sie dann verpacken?

Wir beziehen den Zucker schon in kristalliner Form von unserem Partner Pfeifer&Langen. In Deutschland gibt es drei wichtige Zuckerproduzenten, die Firma Südzucker im Süden, die Firma Nordzucker im Norden und in der Mitte Deutschlands Pfeifer&Langen. Über Europa verstreut gibt es auch zahlreiche kleinere Zuckerfabriken. Die letzte davon in Ungarn ist in Kaposvár und wird von der Firma Magyar Cukor betrieben, die der österreichischen Firma Agrana gehört. Aber die klassischen Zuckerproduktionsgebiete liegen dort, wo es auch gute Rübenanbauflächen gibt. Dafür muss schon viel zusammenspielen, das Klima muss passen, die Erde muss geeignet sein und die Rüben müssen dort gut wachsen. Die wirklich guten Gebiete dafür liegen in Frankreich, den Benelux-Staaten, in Deutschland und in Polen.


Wie sieht es in Ungarn aus?

Hier gibt es auch gute Anbaugebiete, allerdings ist es in Ungarn ähnlich wie Österreich so, dass der Zuckerertrag eher im europäischen Mittelfeld liegt. Ein Grund dafür ist, dass das Klima nicht ganz so ideal ist. Der andere Grund ist, dass viele Bauern in Ungarn nicht so gerne Zuckerrüben anbauen. Sie bauen lieber andere Pflanzen an, die ertragreicher sind. Zuckerrüben rentieren sich für sie offensichtlich nicht so sehr, wie etwa Mais oder Weizen.


Das ist also der Grund, weshalb sie den Zucker schon fertig, in kristalliner Form aus Deutschland beziehen?

Nicht nur. Ein weiterer Grund dafür ist die EU-Zucker-Quote. Es gibt das Zucker-Quoten-System, allerdings gibt es das nur noch bis zum 1.10.2017. Das heißt, jedes Land hat eine gewisse Produktionsmenge zugewiesen bekommen. Für Ungarn gibt es eine Quote, diese liegt für die Fabrik hier in Kaposvár bei etwa 100.000 Tonnen Produktion pro Jahr. Das wird sich jetzt ändern, ab Herbst werden diese Quoten freigegeben. Es entsteht insofern ein freier Markt. Es ist aber fraglich, ob damit zu rechnen ist, dass die Zuckerproduzenten in den erwähnten Ländern, wo der Zuckerrübenanbau hoch ist, einen Wettbewerbsvorteil haben werden. Aber wenn man jetzt theoretisch daran denken würde, eine neue Produktion in Ungarn aufzumachen, dann wären die Rahmenbedingungen wahrscheinlich nicht perfekt dafür.


Wie stellen Sie sich auf diesen Wandel ein?

Unser Geschäft ist so ausgerichtet, dass wir als Zuckermanufaktur nicht unbedingt immer dieselben Marktsegmente bedienen wie die großen Zuckerproduzenten in der Region. Wir werden auch in Zukunft nicht versuchen, durch eine Vervielfachung unserer Verkaufsmenge eine andere Marktposition zu erreichen. Das ist auch nicht das Geschäftsfeld, in das wir eintreten wollen. Wir werden aber verstärkt daran arbeiten, unsere Nischen zu finden und in der Kundenstruktur anders zu sein. Oder unser Produktportfolio weiter zu verfeinern. Wir glauben, dass wir in den Nischen, die noch nicht bearbeitet wurden, gut sein können und Wachstumspotential haben.


Gehören zu diesen Nischen auch die Zuckerspezialitäten? Stichwort „Bewusstes Genießen“. Reagieren Sie auf den Trend zu einer gesundheitsbewussteren Lebensweise?

Was man sehen kann, ist, dass der Zuckerkonsum vor allem in Westeuropa langsam, aber stetig zurückgeht. Das ist natürlich darauf zurückzuführen, dass es große Kampagnen gegen den Zuckerkonsum gibt. Meiner Meinung nach sind die Warnungen nicht immer gerechtfertigt, was zur Folge hat, dass die Menschen dem Zucker gegenüber schon übervorsichtig geworden sind. Ganz ohne Zucker kommt der menschliche Organismus nicht aus, allein das Gehirn eines Erwachsenen verbraucht am Tag durchschnittlich 140 Gramm Glukose. Anderseits ist es uns natürlich bewusst, dass ein zu hoher Zuckerkonsum gesundheitsschädlich ist. Es ist aber wichtig, dass wenn man schon Zucker konsumiert, man ein bewusstes Gefühl dafür entwickelt, etwas Besonderes zu genießen. Und dass man damit ein gewisses Genuß-Erlebnis verknüpft. Unsere alternativen Süßungsmittel beweisen, dass sich Genuß und eine bewusste Lebensweise nicht ausschließen. Zucker muss keine Sünde sein. Außerdem verkaufen wir den Zucker hier nicht als bloßen Rohstoff, sondern immer mehr auch als Lifestyle-Produkt. Der Trend zu einer bewussten Lebensweise, wie wir ihn aus Westeuropa kennen, ist meiner Meinung nach mittlerweile auch in Ungarn angekommen.

#Mithilfe von Investionspartnern und dem richtigen Geschäftssinn entwickelte sich die ehemalige Garagenfirma in ein gut laufendes Unternehmen mit mehreren Produktions- und Lagerhallen.


Man kann mit den Spezialitäten aus Ihrer Produktpalette, vor allem Xylit und Erythrit, also auch Süße genießen, ohne sich dabei schlecht zu fühlen?

Durchaus. Besonders Erythrit hat den Vorteil, dass es ähnlich wie Xylit ein kalorienarmer Süßstoff ist, der nicht schädlich für die Zähne ist. Darüber hinaus hat dieser Süßstoff den Vorteil, dass er gut zum Backen geeignet ist. Viele schrecken ja davor zurück, Süßungsmittel zu kaufen, weil sie nicht immer dieselbe Eigenschaft wie Zucker aufweisen und die Erfolge beim Backen bescheiden sind. Mit Erythrit hat man hingegen sehr gute Backerfolge. Man kann ihn definitiv anstelle des Zuckers verwenden, um einen Kuchen oder eine Torte zu backen. Und das gute an diesen Produkten ist, dass man nicht extra in einen Bioladen gehen muss, um ihn zu kaufen, sondern ihn zum Beispiel bei Penny oder Lidl findet.


Bewusste Lebensführung geht ja oft einher mit Nachhaltigkeit. Wie steht Ihre Zuckermanufaktur den Themen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility gegenüber?

Das ist ein Thema, das uns nicht nur wichtig ist, sondern uns auch in die Firmen-DNA eingeschrieben ist. Ich weiß, dass Frau Horváth und mein Vater die Firma vor allem auch deswegen gegründet haben, um etwas in der Region zu bewegen. Um etwas Schwung in die hiesige Wirtschaft zu bringen und um Arbeitsplätze zu schaffen. Vor allem solche Arbeitsplätze, an denen sich die Menschen wohlfühlen und bei denen auch eine gewisse Stabilität herrscht. Unsere Grundphilosophie ist es, ein gutes Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Die Mitarbeiterzufriedenheit ist uns insofern wichtig, als dass wir immer schon versucht haben, höhere Löhne als der Durchschnitt zu zahlen. Deswegen begrüße ich es sehr, dass jetzt in Ungarn die Löhne angehoben werden sollen und auch die Politik in diese Richtung denkt.


Die Region um Kaposvár ist im ungarischen Vergleich eine eher strukturschwache Gegend. Wie schaffen Sie es hier, Mitarbeiter zu finden und zu halten?

Vor allem das Ausland ist sehr verlockend, in Österreich oder Deutschland sind die Löhne einfach viel höher. Beide Länder sind auch nicht so weit, man könnte also praktisch pendeln. Ich bin selbst auch häufig in Wien. Das ist eine große Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Wir versuchen das aber anhand eines guten Arbeitsklimas und einem Gemeinschaftsgefühl auszugleichen. Wir organisieren regelmäßige Firmenausflüge und gemeinsame Aktivitäten. Letztes Jahr zum Beispiel waren wir am Neusiedler See und haben dort ein Wochenende verbracht. Ein Jahr zuvor waren wir in Debrecen und sind dann rüber gefahren nach ins rumänische Oradea (ung: Nagyvárad). Wir veranstalten aber auch verschiedene Feste, im Sommer haben wir ein Firmenfest auf dem Gelände und im Winter eine Weihnachtsfeier. Das sind soziale Dinge, auf die wir großen Wert legen. Unsere Jubilare werden jedes Jahr gefeiert und geehrt. Und da wir großen Wert darauf legen, auf lokaler Ebene etwas zu bewirken, sind wir die offiziellen Sponsoren der Damen-Volleyballmannschaft von Kaposvár.


Kaposvár verfügt ja auch über eine Universität. Wie schwierig ist es, junge Menschen, die von der Universität kommen, in der Stadt zu halten?

Es ist kein ungarisches Spezifikum, dass es schwierig ist, Mitarbeiter zu finden, die wirklich gut zum Unternehmen passen. Neben den sozialen Faktoren, der guten Ausbildung oder den Fremdsprachenkenntnissen spielen andere Faktoren eine noch viel wichtigere Rolle – nämlich die Soft-skills. Ob jemand zu uns ins Team passt, ob sich die Person gut einfügen kann, solche Dinge sind uns fast noch wichtiger. Ich denke, dass wir hier ein gutes Arbeitsklima haben. Wir finden immer einen Weg, tolerant miteinander umzugehen und ein familiäres Umfeld zu schaffen. Neben dem Gehalt, das natürlich auch sehr wichtig ist, trägt der soziale Faktor wesentlich dazu bei, dass man sich mit uns und unseren Produkten identifiziert.

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„Wir wollen solche Arbeitsplätze schaffen, an denen sich die Menschen wohlfühlen.“ – so lautet die Firmenphilosophie, die für Stabilität und Mitarbeiterzufriedenheit sorgen soll.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Meine Pläne für die Zukunft sind zum einen, die Partnerschaft mit Pfeifer&Langen weiterzuentwickeln. Zum anderen eine Struktur für die neuen Gegebenheiten im europäischen Zuckermarkt zu finden, die sowohl unsere Partner als auch uns zufrieden stellt. Ein weiteres Ziel ist es, den Markt, den wir bislang in Ungarn bearbeitet haben, zu halten und dass wir weiter in den Segmenten, in denen wir tätig sind, unsere Kunden in der gewohnten Weise zufrieden stellen. Darüber hinaus wollen wir im Bereich der Zuckerspezialitäten, vor allem bei Puderzucker und Rohrohrzucker, unsere marktführende Position behalten und vielleicht noch weiter ausbauen, damit wir mit diesen Produkten auch in die Märkte der Nachbarländer gehen können. Geografisch interessant sind da natürlich Kroatien und Slowenien. Aber auch in Tschechien, der Slowakei und Rumänien sehen wir gute Wachstumsmärkte. Mit Blick auf die EU-Beitrittsperspektive könnte zukünftig auch Serbien interessant für uns werden.

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Seit 1998 steht die „1. Magyar Cukor Manufaktúra“ in Kaposvár für Tradition und Expertise im Zuckergeschäft.

Hätten Sie´s gewusst?

Wie bei den meisten Genussmitteln beginnt die Geschichte des Zuckers im antiken Morgenland, wo der Saft des Zuckerrohres solange gekocht wurde, bis er fest wurde, um ihn dann als Süßungsmittel zu verwenden. Während der Eroberung Persiens durch Alexander den Grossen waren seine Soldaten dem neuen Süßstoff gegenüber noch zurückhaltend, da ihnen bis dahin nur Honig zum Süßen bekannt war. Zucker aus Zuckerrohr verbreitete sich in Europa ab dem 10. Jahrhundert vor allem durch arabische Händler. Über die Jahre suchten erfindungsreiche Wissenschaftler nach einem Weg, Zucker auch aus anderen, in Europa wachsenden Pflanzen zu gewinnen. Ein deutscher Wissenschaftler sah schließlich großes Potential in einer Pflanze, die zuvor nur wegen ihrer Blätter angebaut wurde und erst später wegen ihrer Knolle: der Zuckerrübe.

Dem Chemiker Andreas Sigismund Marggraf gelang es schließlich, Zuckerrübenkristalle zu extrahieren, die genau so süß waren, wie jene aus Zuckerrohr. Seiner Entdeckung folgte im Jahr 1801 die erste Inbetriebnahme einer Zuckerfabrik in Europa. In der Folge verdrängten Zuckerrüben das Zuckerrohr als Zuckerrohstoff vom europäischen Markt. Gegenwärtig werden in Europa circa 120 Millionen Tonnen Zuckerrüben pro Jahr geerntet, aus denen circa 16 Millionen Tonnen Zucker gewonnen werden.

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