Das Team des ungarischen Dining Guide konnte Fausto Arrighi nun dazu überreden, bei der diesjährigen Wahl des besten ungarischen Restaurants mitzuwirken. Wenige Stunden vor der Volkswagen Dining Guide Gala sprach er mit der Budapester Zeitung über die ungarischen Produkte, sein ungarisches Lieblingsgericht und seine Prognose für die Fine-Dining-Kultur im Land.


Herr Arrighi, wie konnte Sie das Team des Volkswagen-Dining-Guide davon überzeugen, nach Ungarn zu kommen und hier die besten Restaurants zu testen?

Das war sehr interessant, weil man erst verstehen muss, wie die gastronomische Szene eines jeweiligen Landes ist, bevor man sich darauf einlässt. Man muss sich also einen Überblick über die regionale Gastronomie verschaffen. Und als ich die Einladung erhalten habe, habe ich ein wenig nachgedacht und mich dann dazu entschlossen, nach Ungarn zu kommen. Diese Einladung stellt eine große Ehre für mich dar.


Und nun, nachdem Sie das Essen der besten ungarischen Restaurants gekostet haben, was ist Ihr Eindruck von der ungarischen Küche?

Die ungarische Küche zeichnet sich durch sehr einfache und traditionelle Rezepte aus. Die modernen Restaurants finde ich sehr interessant, weil die verwendeten Produkte oftmals sehr einfach und ursprünglich sind, also typisch für Ungarn, und das Ergebnis dennoch sehr avantgardistisch ist.


Also eignen sich die ungarischen Produkte gut dazu, um zu modernen Gerichten verarbeitet zu werden?

Meiner Meinung nach findet derzeit eine Revolution der Rezepte in Ungarn statt, denn die moderne Küche zeichnet sich eher durch leichte Speisen aus und ist weniger fettig, wie die traditionellen Gerichte. Insofern ja, die Produkte eignen sich sehr gut, sie müssen nur anders verarbeitet werden als bisher.


Sie waren bereits einige Male in Ungarn und haben schon viele Restaurants getestet. War es Ihnen möglich, Ihre lange Liste zu beenden oder werden Sie wiederkommen?

Nun ja, sagen wir es so: Ich habe die interessantesten Restaurants getestet, aber es gibt einfach zu viele. Außerdem habe ich auch versucht, auch gute Restaurants außerhalb von Budapest, in ruralen Gebieten, zu besuchen. Dort ist die Vielfalt auch sehr groß und ganz anders als in der Stadt.


Nachdem Sie so vieles, modernes und traditionelles probiert haben, was ist Ihr Favorit der ungarischen Küche?

Was mir gefallen hat, das sind die leicht säuerlichen Speisen in Ungarn, weil sich diese von anderen Speisen in Europa sehr unterscheiden und daher sehr besonderes sind. Manches war mir persönlich zu sauer, aber durchaus interessant. Von den typischen Gerichten gefällt mir außerdem der Gulasch sehr, vor allem wenn er ein wenig leichter zubereitet wird.


Sie haben sich in Ihrer Karriere besonders mit der italienischen Küche beschäftigt. In Italien verfügt die Fine-Dining-Szene natürlich über eine lange Tradition. Denken Sie, dass auch Ungarn auf dem Weg ist, eine immer gehobenere Gastronomie zu entwickeln?

Natürlich besteht ein Unterschied, in Italien gibt es eine lange Geschichte der gehobenen Esskultur, die in Ungarn gerade noch in den Kinderschuhen steckt. In einigen Jahren wird man bestimmt auch hier eine ähnliche Qualität wie in Italien finden, aber momentan sehe ich doch noch große Unterschiede. Dennoch, Ungarn ist auf dem besten Weg dorthin.


Heute Abend werden die besten ungarischen Restaurants in verschiedenen Kategorien gekürt. Was bedeutet Ihnen der heutige Abend?

Ich bin seit 36 Jahren für den Guide Michelin weltweit tätig und der heutige Abend stellt das Ergebnis einer einjährigen, intensiven Arbeit dar. Der neue Guide ist das Werk einer tollen Kooperation und Zusammenarbeit zwischen dem ungarischen Team und mir. Natürlich ist es besonders für die Küchen-Chefs spannend, die gebannt darauf warten, ob sich ihre harte Arbeit ausgezahlt hat und zu sehen, ob sie im Vergleich zum letzten Jahr besser geworden sind.

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