Für den populistischen Nationalisten ist immer seine Nation die erste. (...) Die andere Nation soll bloß froh sein, dass sie nicht die allerletzte ist. (...)

Ob Amerikas Führung wohl (...) deshalb „America first“ verkündete, damit das sämtliche Zwerge ebenfalls für ihre jeweiligen Nationen deklarieren können? Ob Trump Amerika wohl deshalb an der ersten Stelle sehen will, damit auch Ungarn an der ersten Stelle der Welt steht? Die Erfahrungen der Jahrhunderte zeigten: Wenn die Großmächte aus nationalistischen Motiven mit Waffen in den Krieg ziehen oder Kalte Kriege führen, Finanz- oder Handelskriege gegeneinander austragen, dann ziehen die Kleinen immer den Kürzeren. (...) Die beiden Weltkriege waren für Ungarn eine Lektion: Wenn seine Landesgrenzen von den Großmächten mit Gewalt gezogen werden, kommt dabei für Ungarn nichts Gutes heraus. (...)

America first – und nach mir die Sintflut

In der nationalistisch-populistischen Ordnung sind die betroffenen Seiten davon überzeugt, dass die Gleichung der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen aufgeht. Es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. (...) Wenn Amerika mit seinen Verbündeten neue Handelsverträge oder militärische Verträge schließen will, dann macht es Verträge, die für ihn von Vorteil sind (...). Trump sagte schon klar und deutlich: Es gibt kein Gratis-Essen. (...) Wenn du mit Amerika Handel treiben möchtest, (...) werden all deine Waren strafverzollt, deine Unternehmen werden benachteiligt. (...) Alle amerikanischen Unternehmen, die ihre Investitionen nicht in den Vereinigten Staaten durchführen, (...) werden von der Trump-Administration abgestraft. (...)

Gouverneur von Pennsylvania oder doch Ministerpräsident von Ungarn?

Orbáns Ungarn muss sein Militär-Budget auf zwei Prozent des BIPs anheben. Die Export-Großunternehmen der Fahrzeugbranche in Ungarn, von denen wir einseitig abhängig sind, also die Deutschen und Japaner, gehören genau zu jenen, die mit Trumps Handelspolitik auf Konfrontationskurs stehen. Du wirst dich entscheiden müssen, (...) welche der beiden Seiten Arbeitsplätze und Einkommen sichern und zum Wirtschaftswachstum des Landes beitragen. Du verherrlichst Trump aus einem winzigen, zerbrechlichen Land (...). Du wirst dich entscheiden müssen, ob du nun der Gouverneur von Pennsylvania oder der Ministerpräsident von Ungarn bist!

Willst du wirklich wissen, wie Trump mit kleineren Ländern umgeht? Sieh dir nur Mexiko an, das er dazu nötigt, seine eigene Grenzschließung zu finanzieren! (...) Ob der ungarische Ministerpräsident wohl in Washington und in Moskau ungarische und europäische Interessen vertritt – oder gar amerikanische und russische Interessen in Ungarn und in Europa?

Neue Weltordnung: die Politik der Kräfte

In der mit 2017 beginnenden neuen Weltordnung wird die Politik der Kräfte das Entscheidende sein. (...) Als sich Truman im Februar 1947 für eine Aufhalte-Politik gegenüber der Sowjetunion entschloss – wozu sich später auch alle anderen künftigen amerikanischen Präsidenten gegenüber den verschiedensten Ländern der Welt verpflichteten –, setzte eine Reihe von Kriegen ein. Aufgrund der Niederlage in Vietnam und des wirtschaftlichen Raumverlusts entschied sich Nixon 1969 zuerst für den Rückzug und dann 1971 für einen Finanz- und Handelskrieg gegenüber seinen Verbündeten. Carter sprach sich im Januar 1980 für eine erneute interventionistische Politik aus, welche von Reagan vervollständigt wurde. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab es in der neuen amerikanischen Weltordnung keinen Grund, um Druck zu machen. Doch auf die Wirkung des 11. September 2001 startete George W. Bush einen weltweiten Kriegszug. Dessen Ergebnis waren zwei verlorene Kriege und eine schwere Weltwirtschaftskrise. (...) Trump möchte die weltweiten Finanzverhältnisse und Handelsbeziehungen durch seine Kraft als Großmacht neu ordnen. Dabei verfolgt er die Nixon-Strategie: Zuerst schlagen, dann verhandeln. (...)

Das Zwei-Wochen-Amerika Trumps Hand in Hand mit Ungarn?

Trump und sein engeres Team versuchten das weltpolitische beziehungsweise weltwirtschaftliche Feld einseitig binnen zwei Wochen umzuordnen. Die Verbündeten von gestern sind heute schon Gegner. (...) Über das innenpolitische Chaos hinaus wissen wir noch nicht, was es von Seiten des Terrorismus bedeutet, dass Amerika erneut zum großen Satan mutierte. Obamas Amerika konnte sich einst noch mit viel Mühe und Schweiß von der Rolle des Hauptziels, des globalen Feindes befreien, Trump schaffte es jedoch, sowohl die Schiiten als auch die Sunniten gleichzeitig gegen sich zu vereinen und gegen Amerika aufzubringen. (...)

Ungarn steht zu Trumps Amerika? Alle politischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen Ungarns sprechen für das Gegenteil. (...) Der erste Mann Amerikas wird keinen lausigen Dollarcent für uns ausgeben. Er wird uns nicht beschützen. Auf Twitter wird er uns irgendwann einmal schöne Grüße ausrichten. Die Unterschrift wird dann lauten: „die oberste Macht“.


Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 9. Februar in der links-liberalen Wochenzeitung 168 óra.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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