Ein paar Monate ist es erst her, da haben sich die zwei Impulsgeber des Förderprogramms, Dr. Marie-Theres Thiell, Vorstandsvorsitzende der ELMŰ-ELMÁSZ-Gruppe und CEO der Innogy Hungaria Kft., und Dr. Jörg Dötsch, Beauftragter des Rektors für Wirtschaftskontakte, über die Perspektiven des noch neuen Studiengangs „Management and Leadership“ der Andrássy-Universiät unterhalten. Schnell wurde klar, dass Leadership eines der zentralen Themen ist, das für viele Unternehmen noch immer eine Herausforderung darstellt – besonders wenn es darum geht, weibliche Führungskräfte heranzubilden.

Junge Frauen, die über Führungspotential verfügen, müssen auf praktische Weise gefördert werden, darüber waren sich beide Initiatoren einig. Um auf die Herausforderungen eines schnelllebigen, digitalisierten Arbeitsmarktes vorbereitet und damit zukunftsfähig sein zu können, müssen Nachwuchsführungskräfte rechtzeitig ausgebildet werden. Schnell war also die Idee geboren, diese beiden Aspekte „Diversität“ und „Digitalisierung“ miteinander zu verknüpfen und jungen Studentinnen des Studiengangs „Management and Leadership“ eine Förderung zu ermöglichen.

Partnerunternehmen kommen für Studiengebühren auf und bieten individuelle Praktika an

Diese Idee stieß auch bei anderen auf offene Türen: So erklärten sich die Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer sowie die Deutsche Botschaft Budapest dazu bereit, die Schirmherrschaft über dieses Projekt zu übernehmen. Zusammen mit der Andrássy-Universität als Träger des Förderprogrammes konnten in kürzester Zeit, in weniger als zwei Monaten, sechs Unternehmen als Partner gewonnen werden: Budapest Airport, Phoenix Hungaria Holding, innogy Hungaria, Mercedes-Benz Manufacturing Hungary, Porsche Hungaria und Siemens.

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Die Vertreter der Partnerunternehmen und Träger des Förderprogramms (von links): Gábor Tóth (Siemens), Csaba Kiss (Porsche Hungaria), Dr. Marie-Theres Thiell (Innogy), Wolfgang Wallisch (Phoenix-Group), Dr. András Masát (AUB), Dr. Jörg Dötsch (AUB), Jost Lammers (Budapest Airport) und Gábor Kiss (Mercedes-Benz Manufacturing Hungary).

Diese Unternehmen erklärten sich bereit, für die Studiengebühren einer durch die Universität vermittelten Studentin aufzukommen, ihr ein individuelles Praktikumsprogramm zu erstellen und während der Förderung einen Mentor zur Seite zu stellen. Im Gegenzug versichert die Andrássy-Universität unter anderem, dem Thema „Digitalisierung“ einen besonderen Stellenwert im Studienplan beizumessen und eine erhöhte Sichtbarkeit der Partnerunternehmen durch gezieltes Marketing sicherzustellen. So soll das Förderprogramm bald auf verschiedenen Kanälen beworben werden, damit Studieninteressierte rechtzeitig von dieser Möglichkeit erfahren.

Dem Fachkräftemangel gemeinsam begegnen

Um dem Start des Förderprogramms einen angemessenen Rahmen zu verschaffen und die Idee auch vertraglich festzuhalten, unterzeichneten die Vertreter der Partnerunternehmen sowie die Schirmherren am Dienstag in der Andrássy-Universität die Kooperationsverträge. Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Masát, für den dies „ein besonderer Moment“ sei, betonte in seiner Ansprache, dass die Andrássy-Universität den Unternehmen gerne ein Partner sein möchte, um dem Fachkräftemangel durch Bildungszuwachs gemeinsam zu begegnen. Ihm liege dabei vor allem die Förderung von Diversität am Herzen, die Universität werde aber auch ihr Bestes tun, um der zunehmenden Bedeutung der Digitalisierung Rechnung zu tragen. Er verriet zudem, dass er am selben Tag die neue österreichische Botschafterin empfangen habe und diese großes Intersse an dem Konzept des Förderprogramms gezeigt habe. Somit sei es nicht ausgeschlossen, dass sich in Zukunft noch Unternehmen aus anderen Ländern beteiligen werden, da das Projekt „ein offenes Unterfangen“ sei.

Förderprogramm ist ein „triple-win“

Dies schloss auch Dr. Dötsch nicht aus, der sich derzeit noch in Verhandlungen mit weiteren Unternehmen befindet. Als einer der Initiatoren sieht er die Chance des Förderprogramms vor allem darin, die deutsch-ungarischen Wirtschaftsbeziehungen zu stärken und langfristige Partnerschaften und Kooperationen zu knüpfen. Dieses Format, das potentielle Nachwuchsführungskräfte an die Unternehmen vermitteln wird, richte sich besonders an „Querdenker“, das heißt solche Talente, die Veränderungsprozesse in Unternehmen steuern und damit auch die Digitalisierung vorwärtsbringen können.

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Innogy Hungaria-CEO Dr. Marie-Theres Thiell zusammen mit AUB-Rektor Dr. András Masát bei der Unterzeichnung der Vereinbarung.

Um junge Frauen schon früh mit dem Thema „Digitalisierung“ vertraut zu machen, könne sich der Geschäftsführer der DUIHK, Gabriel A. Brennauer vorstellen, eine „Road-Tour“ durch ungarische Schulen zu organisieren und das Förderprogramm „Diversität und Digitalisierung“ in den 11. und 12. Klassen zu bewerben. Ein wichtiger Aspekt sei hierbei vor allem eine effektive „Branding-Kampagne“, die zum einen die richtige Zielgruppe erreicht, also junge Frauen, und zum anderen auch die Unternehmen als potentielle Arbeitgeber attraktiver macht. Für Brennauer stelle das Förderprogramm einen Fortschritt in der Debatte um den Fachkräftemangel dar, der „nicht nur ‚eine´, sondern ‚die´ Gesellschaft betrifft“. Deshalb sei dieser Fortschritt auch so wichtig, er sei nämlich ein dreifacher. Ein „triple-win“ von dem gleichzeitig die jungen Leute, die Unternehmen und das Land selbst profitierten.

Potential an weiblichen Talenten noch nicht genügend ausgeschöpft

Für ihre besondere Unterstützung wurde auch die Deutsche Botschaft geehrt, die durch die Wirtschaftsreferentin Kristina Stelzer vertreten wurde. Sie hob in ihrer Rede besonders das Potential an weiblichen Talenten hervor, das aus ihrer Sicht in Ungarn noch nicht genügend ausgeschöpft werde. Zwar sei die Erwerbstätigkeitsquote der Frauen im Vergleich zu den letzten Jahren schon gestiegen, aber es bestehe noch immer ein zu großer Unterschied zu den Männern.

Einen Unterschied zwischen Frauen und Männer in Ungarn bemerkte auch Dr. Zoltán Maruzsa, Präsident des ungarischen Bildungsamtes – wenn auch einen gegenteiligen. Denn es sei bemerkenswert, dass der Anteil der weiblichen Studierenden an den ungarischen Universitäten Zweidrittel beträgt. Das Potential werde dort also schon ausgebildet, nun gelte es, sie auch praktisch zu fördern und mit Unternehmen zu vernetzen. Mit der Gründung des neuen Studiengangs „Management and Leadership“ an der Andrássy-Universität sei diese zudem einem Wunsch der ungarischen Regierung nachgekommen, die sich schon länger einen akademischen Ausdruck der deutsch-ungarischen Wirtschaftsbeziehungen gewünscht habe.

Der Beruf sollte zu einem selbstbestimmten Leben befähigen

Während der Unterzeichnung der Kooperationsverträge hatten die Vertreter der Partnerunternehmen sowie die Schirmherren die Möglichkeit, sich zu den individuellen Erwartungen und Zielen des Förderprogrammes zu äußern. Einige, wie etwa Dr. Thiell, boten bereits ihr Mentorat für die ausgewählten Studentinnen an. Als maßgebliche Impulsgeberin dieses Projektes – und als weibliche Führungskraft – war es Dr. Thiell wichtig zu betonen, dass sie den jungen Frauen gerne alles vermitteln möchte, was sie auf ihrem Weg ins Arbeitsleben wissen müssen. Von hilfreichen Tipps und Ratschlägen bis hin zu den Tücken und Fallen des Berufslebens. Sie möchte Perspektiven und Karrierewege für Frauen aufzeigen und ihnen vermitteln, dass „sie einen Beruf oder eine Ausbildung wählen sollten, die sie zu einem selbstbestimmten Leben befähigt“. Frauen müssten in ihren Wert investieren, um später einmal in einer solchen Position zu sein, die es ihnen ermöglicht, unabhängig von ihrer familiären Situation, eigenständig zu sein. Das Förderprogramm „Diversität und Digitalisierung“ bietet dafür einen guten Start.

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