Zsa Zsa Gabor wurde am 6. Februar 1917 als Sári Gábor in Budapest geboren. Als Sári als zweite von drei Töchtern das Licht der Welt erblickte, gehörte Ungarn noch der Österreich-Ungarischen Doppelmonarchie an. Ihre Vorliebe für Glanz und Gloria zeigte sich später nicht nur durch ihren extravaganten und glamourösen Lebensstil. Auch bei der Wahl ihres letzten Ehemannes bewies sie einen Hang zum europäischen Hochadel: 1986 heiratete sie den Adoptivsohn von Marie Auguste Prinzessin von Anhalt, Prinz Frédéric von Anhalt. Vorgemacht hatte es ihre Mutter, die nach der Scheidung des Vaters ebenfalls einen Adligen heiratete, den vermeintlich ungarischen Grafen Edmund de Szigethy.

Kindheit in einer Budapester Luxusvilla

Doch schon während ihrer Kindheit in Ungarn lebte Sári, die nach der berühmten ungarischen Schauspielerin Sári Fedák benannt wurde, ein Leben in Wohlstand. So wie in besseren Kreisen üblich, verfügte die Familie über eigene Bedienstete und verbrachte exklusive Urlaube im Ausland. In einem der vornehmsten Viertel von Budapest, auf dem Rosenhügel im 2. Bezirk, besaß die Familie eine Luxusvilla. Das Elternhaus der großen Hollywood-Diva befindet sich in der Pusztaszeri út 24/A und wurde nach der Wende sogar als Botschaft genutzt – derzeit steht es leer und zum Verkauf. Zu ihrer Kindheit in Budapest befragt, sagte sie 1958 der New York Post: „Wir hatten bereits damals einen Mercedes-Benz. Es war einer der ersten in Budapest...“.

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Stolz posieren Zsa Zsa, ihre Schwester Éva und die Eltern in einem der ersten Mercedes-Benz der Stadt.Ihr Vater Vilmos Gábor (geboren Farkas Miklós Grün) war Unternehmer und ungarischer Garde-Offizier, die Mutter wurde als Janka Tilleman geboren und erlangte später als Jolie Gábor in Hollywood Ruhm – an der Seite ihrer drei Töchter: Éva, Sári und Magda. Doch bevor sich die exzentrische Mutter in Amerika einen Namen machte, unterhielt die Erbin eines Diamantenhandels, in der Kigyó utca ein eigenes Kleider- und Schmuckgeschäft. Obwohl beide Elternteile Juden und Mitglieder der Großen Synagoge in der Dohány utca waren, praktizierten alle drei Töchter den katholischen Glauben. Auf die Erziehung und Bildung ihrer Töchter legten die Eltern besonders großen Wert.

Die ehemalige „Miss Hungary“

Sári – die sich als Kind selbst den Spitznamen „Zsazsa“ gab – kam Anfang der 1930er Jahre nach Luzern in ein Internat. Während ihres Aufenthaltes in der Schweiz wurde sie von dem Operntenor Richard Tauber entdeckt. Nachdem Zsa Zsa eine Ausbildung an der Wiener Musikakademie absolviert hatte, debütierte sie in der Operette „Der singende Traum“. Auch Jahre später, als die Diva längst in Hollywood lebte, beherrschte sie Deutsch noch immer fließend – wenn auch mit einem charmanten österreichischen Akzent. Neben ihrem Gesangstalent fiel die junge Zsa Zsa auch durch ihr Aussehen auf. Im Alter von 19 Jahren gewann sie den landesweiten Schönheitswettbewerb und durfte sich 1936 mit dem Titel „Miss Hungary“ schmücken.

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Bereits früh zeigte Zsa Zsa auch ein Interesse an etwas, das sie ihr Leben lang begleiten und bekannt machen sollte: die Ehemänner. Ihren ersten Ehemann, den türkischen Diplomaten Burhan Asaf Belge lernte sie Ende der 30er Jahre in Budapest kennen und hielt, für damalige Zeiten sehr ungewöhnlich, um seine Hand an. Nachdem die Ehe 1941 geschieden wurde, entschloss sich Zsa Zsa dazu, ihrer älteren Schwester Éva nach Hollywood zu folgen. Im selben Jahr ließen sich auch die Eltern scheiden. Der Mutter Jolie gelang es 1944, aus dem mittlerweile von Nationalsozialisten besetzten Ungarn, zu fliehen. Sie reiste ihren Töchtern nach und begann in Amerika ein neues Leben.

Zsa Zsa goes Hollywood

Als Zsa Zsa Gabor nach Hollywood kam, galt dort noch immer das Sprichwort „Ungar sein ist nicht genug". In den 30er Jahren hing dieser Spruch als Tafel an der Wand eines der bedeutendsten Filmstudios. Dies verwundert nicht – wurden doch zwei der großen amerikanischen Filmproduktions- und Verleihfirmen vor dem 2. Weltkrieg von ungarischen Emigranten gegründet. Zahlreiche ungarischstämmige Filmstars, wie Tony Curtis oder Béla Lugosi, prägten die Anfangsjahre der amerikanischen Traumfabrik.

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Hier ist Zsa Zsa Gabor aufgewachsen: Das Elternhaus der Hollywood-Diva im 2. Bezirk von Budapest. (Foto: BZT)

Schnell schafften es auch die Gabor-Schwestern, ihre ersten Filmrollen zu ergattern. Vor allem Éva feierte in den 40er Jahren erste Erfolge als Schauspielerin. Zsa Zsa machte hingegen mit der Wahl ihres zweiten Ehemannes Schlagzeilen in Hollywood: 1942 heiratete sie Conrad Nicholson Hilton, den Gründer der Hilton Hotels. Mit ihm bekam sie ihre einzige Tochter, Constance Francesca Hilton. Diese starb ein Jahr vor ihrer Mutter, am 5. Januar 2015, an einem Herzinfarkt.

Neun Ehen und ein Stern

Nach der Ehe mit dem Hotelier folgten weitere sieben Ehen, die maßgeblich zur Bekanntheit der Zsa Zsa Gabor beitrugen. Ihr luxuriöser Lebensstil und ihre Freizügigkeit im Umgang mit Männern machten sie zu einem Liebling der Klatschblätter und ersten echten „celebrity“ in Hollywood. Zwar spielte sie während ihrer jahrzehntelangen Karriere in mehr als 50 Filmen und Fernsehserien mit, dennoch war die Gabor eher für ihre Ehen und Affären bekannt, als für ihr Schauspieltalent. Über den Umgang mit den Häusern ihrer Ehemänner sagte sie einst: „Ich bin eine wunderbare Haushälterin. Immer, wenn ich einen Mann verlasse, behalte ich sein Haus.“

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1993 bei einem Besuch in Budapest: Zsa Zsa und ihr Prinz Frédéric verlassen das Lugas Restaurant (Foto: Facebook / ZsaZsa Gabor Official)

Den Durchbruch als Schauspielerin erlebte sie 1952 in dem Film „Moulin Rouge“, der das Leben des Malers Henri de Toulouse-Lautrec darstellte – darin spielte sie die Tänzerin Jane Avril. Ihre fast fünf Jahrzehnte anhaltende Präsenz in Filmen und Serien, verschaffte ihr 1958 einen Golden Globe und etwas später einen eigenen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Die letzte Rolle ihres Lebens spielte sie 1996 in der Filmkomödie „Die Brady Family 2“. Danach wurde es still um das einstige Starlet, das zusammen mit ihrem neunten Ehemann, Prinz Frédéric, ein zurückgezogenes Leben in ihrer Villa in Los Angeles führte.

Besuche in der ungarischen Heimat

Die Verbindung zu ihrer Heimat Ungarn hatte „Sári“ jedoch nie gänzlich abgebrochen. Obwohl ihre Schwestern und ihre Mutter mittlerweile auch in Amerika lebten, hielt sie den Kontakt zu der in Ungarn verbliebenen Familie aufrecht. 1968 fertigte der ungarische Fotograf György Lajos eine Fotoreihe der Hollywood-Diva in Ungarn an. In den 80er Jahren entstand hier auch eine Reportage über sie, erstellt von dem Journalisten, Reporter und Träger des renommierten Kossuth-Preises, Tamás Vitray. In den 90-ern besuchte die Hollywood-Schönheit, die noch immer ungarische Staatsbürgerin war, Budapest häufig. „Sie kam mit teuren Geschenken aus Amerika“, erinnert sich ihr Verwandter Marci Gábor gegenüber dem ungarischen Internetportal origo.hu. Der Mitarbeiter beim staatlichen ungarischen Medienbetreiber MTVA ist es auch, der ihre Fanseite auf facebook pflegt und private Einblicke in das Leben seiner berühmten Verwandten liefert.

Der letzte Wunsch: Zurück nach Budapest

Bei einem ihrer letzten Besuche in Budapest begleitete sie 1993 auch ihr Ehemann Prinz Frédéric. Dieser soll nun laut Testament dafür sorgen, dass Zsa Zsa´s letzter Wunsch in Erfüllung geht: Sie wollte neben ihrem Vater Vilmos auf dem Jüdischen Friedhof in der Kozma utca in Budapest beigesetzt werden. Ob die ursprünglich für Ende des Jahres angesetzte Beisetzung in Budapest tatsächlich stattfinden wird, ist derzeit jedoch ungewiss. Zwar hatte der Witwer noch vor Kurzem internationalen Medien gegenüber behauptet, den letzten Wunsch „seiner Zsa Zsa“ erfüllen zu wollen. Doch nun sieht es ganz danach aus, als könne dieses fromme Vorhaben am Geld scheitern. Einem ungarischen Verwandten Zsa Zsa´s nach, sei die Beisetzung in Ungarn zu teuer für Prinz Frédéric von Anhalt. Ob die berühmteste Ungarin Hollywoods in ihre ungarische Heimat zurückkehren und hier ihre letzte Ruhe finden wird, steht also noch in den Sternen. Derweil befindet sich ihre Urne in ihrer Villa in Los Angeles – auf dem Telefontisch.


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