Mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten erhielt die PC, also die politisch korrekte Sprache und Gesinnung, eine recht spektakuläre Ohrfeige, die sie in ihren Grundfesten erschütterte. Auch der islamistische Terrorangriff von Berlin trägt die Botschaft in sich, dass es völlig sinnlos ist, sich noch weiterhin an wahrheitsverleugnende Erklärungen zu klammern. Die blutige Wahrheit, die mit einem LKW in die Menschenmenge des Weihnachtsmarktes fuhr, besiegt ja am Ende doch die deutschen öffentlichen Medien und auch die Presse, die unter allen Umständen hinter der merkelschen Flüchtlingspolitik stehen. Denken wir aber ja nicht, dass die PC schon gleich und automatisch in der Versenkung der Geschichte verschwindet und ihren Platz der wahrheitstreuen Sprache und dem aufrichtigen öffentlichen Dienst übergibt, denn es arbeiten gewaltige Kräfte daran, dass sie auch weiterhin fortbesteht und ungebrochen herrscht. Genau deshalb müssen wir uns einen Überblick verschaffen: 1. Wessen Interessen vertritt sie, 2. welchen geistig-ideologischen Hintergrund hat sie und 3. was ist diese PC in Wirklichkeit?

Das Wesen der PC: Neoliberalismus, Kultur-Marxismus und liberale Demokratie

Fangen wir also an: Welche geistige Munition, welche Ideologien stehen im Hintergrund? Unser Ausgangspunkt ist natürlich der Neoliberalismus, der die übergeordnete Position des Marktes verkündet. Diese Ideologie bezieht sich zwar in erster Linie auf die Wirtschaft, in der Zwischenzeit entwickelte sie sich aber schon zu einer eigenen Gesinnung und Weltsicht, die eine universelle Wirkung anstrebt. Sie wird dabei vom Kultur-Marxismus unterstützt, der eine radikale Veränderung von Gesellschaft und Kultur bewirkte, beziehungsweise auch von der politischen Ideologie der liberalen Demokratie (seit Fukuyama im besonderen Ausmaß gepredigt), die den Schwerpunkt von der Demokratie der Nationalstaaten im klassischen Sinne auf die Rechte des Individuums und der religiösen, sexuellen, ethnischen etc. Minderheiten verlagert.

Der Nährboden des Kultur-Marxismus und der Frankfurter Schule

Die Wurzeln des Kultur-Marxismus finden wir in der Frankfurter Schule, die auf die Zwanzigerjahre zurückgeht, und zu der Denker wie Max Horkheimer, Georg Lukács, Theodor Adorno, Herbert Marcuse und Jürgen Habermas gehören. Ohne in Details zu versinken (auf welche ich in einem anderen Artikel zu sprechen kommen werde), geht es bei dieser Theorie darum, das Individuum in das Zentrum der gesellschaftlichen Verhältnisse zu rücken. Dabei wird dieses fähig, sich von sämtlichen – historisch gewachsenen – institutionellen und normativen „Bindungen“ zu befreien, seien diese die Nation, die Familie, die ethnische Zugehörigkeit, die Religion, die Subkultur, die geschlechtliche Identität etc. Wenn aber das Individuum als Ausgangspunkt dient, dann werden seine Entscheidungen die wichtigsten beziehungsweise seine Identitätswahl die wichtigste, die allerdings von der jeweiligen Mehrheit – in den meisten Fällen vom Staat – gefährdet werden kann, wobei das Individuum und die Minderheiten unterdrückt werden könnten. Genau aus diesem Grund muss man sich für jede als benachteiligt empfundene Minderheit einsetzen beziehungsweise jede Identitätswahl und jeden Identitätswechsel respektieren, seien diese kultureller, religiöser, sexueller oder sonstiger Natur.

Demokratie: liberal oder nicht vorhanden, Mehrheiten irrelevant

Ein anderer großer Tragpfeiler des Neoliberalismus ist die Ideologie der liberalen Demokratie. Tatsache ist, dass die berühmte These von Francis Fukuyama – vom endgültigen Sieg der liberalen Demokratien und somit dem Ende der Geschichte – von niemandem mehr akzeptiert wird. Es wurde jedoch zum Credo des Sprachgebrauchs, dass die Demokratie entweder liberal oder nicht vorhanden ist. Dieser Liberalismus wäre im klassischen Sinn auch in Ordnung, denn er bringt zum Ausdruck, dass die Rechte des Individuums und der Minderheiten in den Demokratien zu beschützen seien. Im neoliberalen Sinn bedeutet dies aber heute schon, dass die gewählte Mehrheit gegenüber den in Minderheit geratenen politischen Gruppierungen und den hinter ihnen stehenden Gruppen keine „Diktatur“ ausüben darf, also im Klartext: Sie darf ihre auf legitime Art erhaltene Macht nicht ausüben. Genau deshalb muss man der vermeintlichen Willkür der Mehrheit entgegentreten.

Andererseits sind im liberalen Sinn auch der Wille und die Meinung von breiten Wählerschichten nicht absolut – also sind es auch nicht die Wahlergebnisse! –, denn auf die immer komplexer werdenden Probleme der Welt kann nur ein enger Expertenkreis – geprägt vom Geiste des Globalismus – die richtige Antwort finden. Man darf also demokratische Verfahren nicht überbewerten.

Stufenweise an die schöne neue Welt gewöhnen – durch die Sprache der politischen Korrektheit

Gegeben sind also der Neoliberalismus, der Kultur-Marxismus und die liberale Demokratie als universelle Ideologie über die Dreiheit von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik (Staat), die dazu berufen ist, die Globalität, die schöne neue Welt der globalen Herrschaft zu begründen. Was bedarf es noch, um dies zu realisieren?

Nichts weiter, als dieser neuen Weltsicht eine allgemeine Akzeptanz zu verschaffen. Die große Mehrheit der Menschen ist aber offensichtlich nicht gewillt, ihren gewohnten nationalen, religiösen, politischen, kulturellen, geschlechtlichen und familiären Rahmen, der über viele Generationen geprägt wurde, im Geiste einer Art des methodologischen Individualismus (Karl Popper) zu verlassen. Genau deshalb muss man sie mit entsprechenden Mitteln dazu zwingen, sich an die neue Denkweise zu gewöhnen – als Ausgangspunkt dafür, dass sie die damit im Einklang stehende neue Weltordnung nach einer gewissen Zeit ebenfalls akzeptiert. Die beste Methode dafür ist die politisch korrekte Sprache.

Die Wahrheit mit maßgeschneiderten Kriterien – die moderne Diktatur

Was ist die PC also in Wirklichkeit? Nichts anderes, als eine gesteuerte, manipulierte Wahrheitsinterpretation. Eine Wahrheitsinterpretation, die nicht von der Realität ausgeht, sondern von bestimmten ideellen Prämissen geprägt ist, durch die die Phänomene unter genau festgelegten Gesichtspunkten betrachtet werden. Und hier befinden wir uns bereits auf dem Terrain einer wahrhaftigen Herrschaft. Denn wenn die Sprache, die wir benutzen, vorgegeben wird – und die Interpretation der Wahrheit ebenfalls –, dann nimmt man uns unsere Freiheit weg. Die Struktur unserer Sprache widerspiegelt nämlich die Struktur der politischen Macht. Und hier geht die PC-Sprache – als verbale und geistige Diktatur – in eine wahrhaftige politische Diktatur über. Ihr Ziel ist die Veränderung der Sichtweise von Massen bezüglich der Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Familie, Kultur etc., so dass eine neue Weltsicht stufenweise für alle natürlich wird.

Ein neues Kapitel bezüglich der Interpretation der Welt aufschlagen

Die PC ist also nichts anderes, als die moderne Diktatur des 21. Jahrhunderts. Für den Widerstand gegen sie wird es allerdings – auf Begriffsebene – nichts helfen, das Gegenteil der PC zu betonen, also trotzig zu sagen, dass wir dem gegenüber die politisch inkorrekte Sprache benutzen werden. Nein: Das Wesentliche ist, dass wir aus dem geistigen Rahmen der Denkweise, den uns die PC aufgestellt hat, radikal, entschlossen und widerspruchslos hinaustreten. Wir müssen also nicht mit der PC kämpfen, wir dürfen nicht von ihr ausgehen und die Dinge zu ihr ins Verhältnis stellen, denn dann stecken wir in ihrer Logik fest; ganz im Gegenteil: Wir müssen ein neues Kapitel bezüglich der Interpretation der Welt aufschlagen.

Deshalb wäre es mein Vorschlag, anstelle der politisch korrekten Sprache die politisch reale Sprache zu etablieren.

Der Autor ist Politologe.

Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 22. Dezember auf dem Online-Portal der konservativen Regierungszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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