Im zum Fidesz-Oligarchen Andy Vajna gehörenden Fernsehsender TV2 erschien vergangene Woche ein Bericht, laut dem Gábor Vona in seiner Studentenzeit mehrfach an einschlägigen Partys für Homosexuelle teilgenommen habe. Auch das mittlerweile zum Fidesz-Dunstkreis gehörende Nachrichtenportal Origo.hu titelte unlängst: „Terry Black fordert Gábor Vona auf: Gestehe deine geheimen Beziehungen!“ Der Travestiekünstler behauptete in der Sendung Tények, Vona sei zu Beginn der Nullerjahre regelmäßig Gast in Etablissements gewesen, in denen sich Männer miteinander vergnügt hätten.

Black weiter: „Mein Gerechtigkeitssinn lässt es einfach nicht zu, dass ich Gábor Vonas Schweigen weiter hinnehme.“ Demnach sei Vona wöchentlich mehrfach in einer Wohnung im VIII. Bezirk erschienen, in der junge Intellektuelle die Probleme der Welt diskutiert hätten. „Nach den Gesprächen folgte dann der Spaß“, so Black. Hier habe auch er Gábor Vona näher kennengelernt.

Er sei Augen- und Ohrenzeuge gewesen und wüsste mit Sicherheit, dass zwischen 2001 und 2003 der heutige Jobbik-Vorsitzende mehrerer „solcher“ Beziehungen gehabt hätte. Black ginge es dabei nicht um Vonas sexuelle Orientierung an sich, sondern darum, dass Vona als „Person des öffentlichen Lebens, insbesondere, wenn er gegen eben solche Menschen Propaganda verbreitet, auch eingestehen muss, dass er selbst so etwas gemacht hat.“

Fidesz-nahen Medien haben Vona im Fadenkreuz

Gábor Vona nahm unmittelbar danach zu den Behauptungen Stellung. Auf einer Pressekonferenz mit dem Titel „Coming-out, ich bin ein fehlbarer Mensch“ wies der Jobbik-Vorsitzende alle Behauptungen Blacks als Lüge zurück. Vona wörtlich: „Egal, was ich getan habe, Gutes oder Schlechtes, ich habe dafür stets die Verantwortung übernommen. Was ich aber nicht getan habe, dafür werde ich sie auch nicht übernehmen.“ Er plant, nun rechtliche Schritte einzulegen.

Er räumte auch ein, dass er damals sehr wohl an Gesprächsrunden junger Intellektueller teilgenommen habe. Dabei hätte es sich allerdings um die von Viktor Orbán nach der Wahlniederlage 2002 ins Leben gerufenen sogenannten „Bürgerliche Kreise“ gehandelt. In seiner Anwesenheit habe sich nichts von dem abgespielt, was Black jetzt zum Besten gibt. Was sich in diesen Kreisen zugetragen habe, nachdem er noch Hause gegangen sei, entziehe sich jedoch seiner Kenntnis, fügte er noch süffisant hinzu.

Gábor Vona meint indes auch zu wissen, wo die Ursache für die plötzliche Rufmordkampagne liegt. Seit einem Vieraugengespräch des Jobbik-Vorsitzenden vor wenigen Wochen mit Premier Viktor Orbán, bei dem es um die (gescheiterte) Verfassungsänderung und die Einstellung der Ansiedlungsanleihen ging, hätten die Fidesz-nahen Medien mit der Schmutzkampagne gegen ihn begonnen. „Es scheint, als habe ich mit den Ansiedlungsanleihen einen Punkt erwischt, der Orbán sehr wichtig ist“, so Vona.

„Von Frau zu Frau“

In der Zwischenzeit schaltete sich auch Gábor Vonas Frau, Krisztina Vona-Szabó, in die Debatte ein. In einem Facebook-Post wendete sie sich an Anikó Lévai, die Frau von Premier Orbán. Als Frau eines Politikers müsse man viel hinnehmen, so Vona-Szabó, allerdings hätten die von Viktor Orbáns Männern gesteuerten Medien einen neuen Tiefpunkt erreicht. Frau Vona-Szabó wies ebenfalls die Behauptungen entschieden zurück, schließlich seien sie und Gábor Vona zur fraglichen Zeit bereits seit Längerem verlobt gewesen. „Ich verstehe nicht, warum es nicht reicht, meinen Mann politisch anzugehen. Warum muss man zu diesen Mitteln greifen?“ An Anikó Lévai gerichtet schreibt sie weiter: „Als Ehefrau und als Mutter bitte ich Sie: Stoppen Sie Ihren Mann. Es ist klar, dass man auf politischer Ebene keinen Einfluss auf Viktor Orbán nehmen kann. Ich glaube, Sie sind die Letzte, auf die er vielleicht noch hört.“
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