Von welcher Position kamen Sie nach Ungarn?

Ich bin ein absoluter „Mercedes-Mensch“ und habe seit meinem Eintritt bei Daimler im Jahr 1989 bereits viele Stationen durchlaufen. So habe ich etwa den Bau unseres Werkes im US-amerikanischen Tuscaloosa mitgestaltet und von 1995 bis 1998 vor Ort in Tuscaloosa gelebt und gearbeitet. Anschließend war ich für die Lackierung in Sindelfingen verantwortlich. Im Rahmen der Kooperation mit Mitsubishi bin ich danach nach Holland zu einem Mitsubishi-Werk gewechselt, wo ich Qualitätschef war. Anschließend wurde ich Logistikleiter für Powertrain in Stuttgart. Dann wechselte ich, als letzte Station vor Ungarn, in die Mercedes-AMG GmbH nach Affalterbach bei Stuttgart. Dort war ich als COO und zweiter Geschäftsführer tätig.


Wie kam es zur Entscheidung für Ungarn?

Wie so häufig in unseren Positionen wird im Rahmen der Personalplanung geprüft, was die nächste Aufgabe sein könnte. Unter den möglichen Optionen war auch der Standort Kecskemét, zu dem ich bereits eine gewisse Affinität hatte. So war ich 2008 mit dabei, als wir im Parlament unsere Absichtserklärung unterschrieben hatten. Ich war damals auch in Kecskemét gewesen, ohne freilich eine Ahnung davon zu haben, dass ich acht Jahre später das neue Werk leiten sollte.


In welcher Eigenschaft waren Sie 2008 in Ungarn?

Als Verantwortlicher für die Logistik und die Powertrainwerke. Weitere Kontakte gab es später auch über Mercedes-AMG. Für jemanden wie mich, der immer im Produktionsumfeld gearbeitet hat, ist es schon etwas anderes, auf einmal ganzheitlich zu arbeiten und für ein komplettes Werk verantwortlich zu sein. Es ist die erste Fabrik, die ich leite. Ich empfinde es als große Herausforderung. Einen so jungen Standort beim Aufbau zu formen und auf Erfolg zu trimmen, das ist schon toll. Schauen Sie sich die Fabrik nur mal an, hier kommt man jeden Tag mit Stolz und Freude zur Arbeit.

Welche Unterschiede bemerken Sie im Vergleich zu anderen, Ihnen direkt bekannten Mercedes-Benz Werken?

Durch die weltweite Standardisierung sehen die Werke schon sehr ähnlich aus. Man merkt sofort, dass man in einem Mercedes-Benz Werk ist. Den Unterschied machen die Menschen.


Was zeichnet Ihre Kollegen hier in Kecskemét aus?

Beispielsweise eine gewisse „Es geht nicht, gibt's nicht“-Mentalität. Es herrscht eine große Offenheit, neue Dinge auszuprobieren, nicht locker zu lassen, die Ärmel hochzukrempeln und zu sagen: „Wir schaffen das!“. Hier bei uns sagt man: „Lass es uns das doch mal probieren und wenn es nicht funktioniert, dann passen wir es an.“ Man hat mir schon vorher von diesem Kecskeméter Geist erzählt und ich muss sagen: Er existiert tatsächlich. Es wird einem hier wirklich leicht gemacht, Dinge auszuprobieren, zu improvisieren. Manches konnte auch schon institutionalisiert werden.


Zum Beispiel?

Etwa die logistische Materialversorgung der Produktion am Band. Bis vor kurzem gab es noch Hunderte von Regalen an den Wänden. Jetzt machen wir das mit einem sogenannten Warenkorb-System, einem fahrerlosen System und einem Warenkorb, in dem genau das Material für ein bestimmtes Auto enthalten ist. Das ist neu hier in Kecskemét. Voraussichtlich bis Ende des Jahres wird das Konzept komplett umgesetzt. Wenn alles funktioniert, dann wird es auf die gleiche Art und Weise auch an anderen Mercedes-Benz Standorten übernommen. Neu ist auch die bei uns entwickelte Einrichtung von modernen Pausenzonen. Auch das wird vielleicht bald zum Standard in unserem Konzern. Hier habe ich alles an einem Standort, ich treffe alle Entscheidungsträger und alle wichtigen Führungskräfte morgens in der Morgenrunde und muss nur die Treppe herunter und rüber zu ihnen gehen. Mittels der kurzen Kommunikationswege kann man sich schnell abstimmen und Entscheidungen treffen.

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„Was außerdem für diesen Standort spricht und von Vorteil ist, das ist die strategische Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung von Kecskemét, aber auch mit der ungarischen Regierung. Bei allen wichtigen Themen gibt es eine gute Zusammenarbeit, ob es nun um den Infrastrukturausbau geht oder um die Aus- und Weiterbildung."

Wird dieses Innovationspotenzial von der Zentrale auch bewusst genutzt?

Im Kompaktwagen-Produktionsverbund von Mercedes-Benz sind wir sehr international aufgestellt. Das Lead-Werk ist in Rastatt, dann wurde ein zweites Werk in Kecskemét aufgebaut, zwei weitere Werke gibt es in China und in Mexiko, welches ab 2018 produzieren wird. Wir haben einen Produktionsverbund, bei dem wir immer schauen, wo die positiven Dinge sind, die man voneinander übernehmen kann. Rastatt ist natürlich durch die Nähe zur Entwicklung und durch die Erfahrung im Autobau bei Neuanläufen immer der Erfahrungsträger. In diesem Produktionsverbund sind wir immer in der Lage, die Best Practice-Beispiele voneinander zu übernehmen.


Wodurch zeichnet sich Ihre Fabrik noch aus?

Neben der bereits erwähnten tollen Mannschaft zeichnet sich das Werk durch Flexibilität, Effizienz und Qualität aus. Wir haben in relativ kurzer Zeit bewiesen, dass sich unsere Qualität vor keinem anderen Standort zu verstecken braucht. Wir konnten relativ schnell neue Maßstäbe setzen. Was außerdem für diesen Standort spricht und von Vorteil ist, das ist die strategische Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung von Kecskemét, aber auch mit der ungarischen Regierung. Bei allen wichtigen Themen gibt es eine gute Zusammenarbeit, ob es nun um den Infrastrukturausbau geht oder um die Aus- und Weiterbildung.


Sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?

Es gibt zwar immer Dinge, die man verbessern kann, aber im Moment bin ich sehr zufrieden. Hier erlebe ich eine hohe Offenheit und Unterstützung. Auch mit Blick auf das zweite Pkw-Werk am Standort Kecskemét ist das ganz entscheidend.


Wie kam es zu dem zweiten Pkw-Werk?

Zum einen haben wir noch viel Platz auf unserem Grundstück. Es war von Anfang an klar, dass man sich strategisch ein Gelände kauft, das Erweiterungsmöglichkeiten bietet. Es ist zudem infrastrukturell sehr gut eingebunden. Die Diskussion um ein zweites Werk hat es schon lange gegeben. Aber nachdem das Unternehmen ein Erfolgsjahr nach dem nächsten einfährt, die Verkaufszahlen stetig steigen und die wachsende Stückzahl an Autos auch irgendwo gebaut werden muss, hat dies den entscheidenden Anstoß für das zweite Pkw-Werk gegeben. Die räumlichen Voraussetzungen haben uns zu einem starken Kandidaten gemacht, obwohl es natürlich Konkurrenz gab. Für uns sprach unter anderem die Infrastruktur gepaart mit dem guten Ruf, den sich die Mitarbeiter in den letzten Jahren erarbeitet haben. Bei Mercedes-Benz weiß man überall: Die hier in Ungarn können gute Autos bauen. Das alles sprach für uns. Ebenso die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und der Regierung. Und auch die hohe Lebensqualität vor Ort.


Es gab also kein Kopf-an-Kopf-Rennen?

Durch unsere tagtägliche Arbeit, konnten wir aufzeigen, dass Kecskemét bereit ist für mehr. In diesem Jahr war der Vorstand zu Besuch hier. Er hat sich selbst noch einmal davon überzeugen können, wie effizient wir sind und welche Möglichkeiten es hier gibt. Und wie gut die Unterstützung durch Stadt und Regierung funktioniert. Jeder Expat, der von Ungarn nach Deutschland kommt, schwärmt von hier. Deutsche Besucher kommen immer sehr beeindruckt aus der Fabrik. Sie sind begeistert von der Offenheit, die hier herrscht, dem Teamgeist. All das wird als sehr positiv wahrgenommen.


Warum entsteht die neue Fabrik nicht in Deutschland?

Im Jahr 2015 produzierte das Mercedes-Benz Werk Kecskemét rund 180.000 Fahrzeuge. Damit hat der Standort bis zur optimalen Werksgröße noch Raum für Wachstum. Mit jedem Arbeitsplatz, der hier geschaffen wird, wird mindestens ein anderer – wenn nicht sogar mehrere – in Deutschland gesichert oder neu geschaffen. Die Autos müssen schließlich entwickelt werden, es gibt sehr viele Planungstätigkeiten, vieles kommt aus der Zentrale in Deutschland. Sehr viele Leute in Deutschland sind im planerischen und im konstruktiven Bereich beschäftigt. Unser Werk hier ist strategisch also auch für die deutschen Arbeitsplätze eine Absicherung. Es ist wichtig zu betonen, dass das neue Werk auch Arbeitsplätze bei unseren Lieferanten in Ungarn schaffen wird.


Wann wird es für das zweite Pkw-Werk die Grundsteinlegung geben?

Das steht noch nicht fest, aber demnächst wird mit den ersten planerischen Tätigkeiten begonnen. Ich gehe davon aus, dass Ende nächsten Jahres mit der Nivellierung des Geländes begonnen wird und 2018 die tatsächlichen Bauarbeiten losgehen. Es ist geplant, bereits zum Ende der Dekade produzieren zu können. Jetzt ist zunächst einmal die Entscheidung gefallen. Nun muss strategisch geschaut werden, wie das neue Werk aussehen soll, welche Kapazitäten und welche Produkte benötigt werden. Das alles wird bis zum nächsten Jahr feststehen. Wir haben großes Glück, dass hier viele Dinge schneller gehen als in Deutschland. Deshalb ist so ein Bau hier schneller umzusetzen als an anderen Standorten.


Wie sehr sind Sie schon jetzt mit der Planung für das neue Pkw-Werk beschäftigt?

Momentan macht das Projekt nur fünf bis zehn Prozent meiner Arbeitszeit aus. Mein Kerngeschäft ist derzeit ein anderes. Diese Fabrik baut heute pro Jahr rund 180.000 Autos. Wir müssen uns in unserem Kerngeschäft tagtäglich neu beweisen. Die nächste Kompaktwagengeneration ist eine große Herausforderung. Darauf müssen wir uns konzentrieren. Über das neue Pkw-Werk dürfen wir unser ureigenes Geschäft nicht vernachlässigen. Der Großteil meiner Mannschaft muss sich mit dem bestehenden Werk und dem operativen Geschäft beschäftigen, nämlich tagtäglich gute Autos herzustellen. Natürlich werden wir demnächst auch neue Mitarbeiter brauchen.

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In Ungarn herrscht schon jetzt ein großer Mangel an Fachkräften. Wie konnten Sie die Konzernleitung dahingehend beruhigen, dass man die für das neue Pkw-Werk benötigten etwa 2.500 Fachkräfte schon finden wird?

Bis jetzt haben wir trotz allem immer noch die Leute bekommen, die wir gebraucht haben. Der Mercedes-Stern besitzt eine hohe Anziehungskraft und steht in Ungarn gut da. Wir wissen natürlich, dass das Thema Recruiting eine große Aufgabe für uns sein wird und es nicht damit getan sein wird, ein paar Stellenanzeigen zu schalten – diese Zeiten sind vorbei. Wir sind uns mit der Regierung einig, dass man das Thema Fachkräfte nur gemeinsam angehen kann. Wir werden mehr Leute bewegen müssen, hierher zu ziehen, und wir werden mehr fürs Pendeln tun müssen. Wir werden mit der Stadt und den anderen großen Firmen hier vor Ort die entsprechenden Schritte in die Wege leiten.


Werden Sie sich bezüglich neuer Mitarbeiter auch außerhalb von Ungarn umschauen?

Wir sind davon überzeugt, durch die Arbeitsbedingungen und durch die Marke Mercedes-Benz weiterhin attraktiv genug zu sein, um die benötigten Mitarbeiter innerhalb von Ungarn zu finden. Parallel dazu versuchen wir, unseren Mitarbeiter immer mehr zu bieten. Wir werden aber auch unseren Einzugsbereich deutlich erweitern und verschiedene Infrastrukturmaßnahmen prüfen.


Spielt auch die Schaffung von Wohnraum eine Rolle?

Ja, natürlich. Wir haben jetzt mit der Stadt zusammen das erste Projekt abgeschlossen und ein großes Wohnhaus bauen lassen. Die Wohnungen vermieten wir nun zu attraktiven Preisen an unsere Mitarbeiter. Das hat bisher einen sehr guten Anklang gefunden. Wir haben deutlich mehr Bewerbungen als Wohnungen. Solche Dinge sind auch notwendig, um die Attraktivität zu steigern.


Wie viel neuer Wohnraum wird noch entstehen?

Zurzeit arbeiten wir mit der Stadt noch an einem Plan. Aber zu den bereits vorhandenen Wohnungen kommen noch einige dazu. Ob dann daraus ein kleines „Mercedes-Städtchen“ entstehen wird, das müssen wir noch abwarten. Ich selber bin kein großer „Ghetto-Fan“. Aber das alles wird sich in der Diskussion mit der Stadt ergeben. Außerdem wächst die Stadt ja ohnehin wegen der Universität und anderen Firmen, es entsteht also schon per se die Aufgabe, Wohnraum zu schaffen.


Wie sieht es mit Wohnheimen aus?

Ein weiteres Projekt ist ein richtiges Wohnheim, in dem wir Wochenendpendlern die Möglichkeit bieten möchten, hier unter der Woche günstigen Wohnraum zu haben. Aber auch Singles könnte das interessieren. Wir haben aus dem Werk schon sehr viele Bewerbungen erhalten. Auch mit Blick auf das neue Pkw-Werk möchten wir das weiterentwickeln.


Wie hoch ist derzeit Ihre Fluktuationsrate?

Wir liegen zum Glück weit unter dem Durchschnitt. Ich bin überzeugt davon, dass das daran liegt, dass wir wirklich etwas für unsere Mitarbeiter tun. Das wird wertgeschätzt und entsprechend fühlen sie sich dem Werk gegenüber verbunden. Für einen Großteil der jetzigen Mitarbeiter bietet das neue Werk Aufstiegsmöglichkeiten..


Was kann die Regierung bezüglich der Versorgung mit Arbeitskräften tun?

Eine Erhöhung der Pendlerpauschale würde beispielsweise helfen. Ich hoffe, dass das neue Gesetz über die Erhöhung der Pauschale Anfang kommenden Jahres in Kraft tritt. Insgesamt muss die Mobilität erhöht werden. Das versuchen auch wir zu fördern. Sowohl die Stadt als auch der Staat sind sich bewusst darüber, dass die Fachkräftesituation in Ungarn schwieriger geworden ist und dass man etwas für Mobilität tun muss. Anbieten würde sich auch eine Senkung der Lohnnebenkosten, was ja auch die erklärte Absicht des Staates ist.


Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit mit den Hochschulen?

Unsere Hochschule vor Ort ist vor Kurzem zu einer Universität aufgewertet worden. Zum jetzigen Zeitpunkt wird der Campus erweitert, was die Bedeutung der Bildungseinrichtung widerspiegelt. Bisher haben wir bereits 31 duale Hochschulstudenten im Studiengang Ingenieurswissenschaften eingestellt. Wir wollen die Ausbildung von Ingenieuren noch weiter intensivieren.

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Werden Sie auch eigene Lehrstühle einrichten?

Momentan beschränken wir uns auf einzelne Vorlesungen und Vorträge und wir arbeiten bei bestimmen Projekten zusammen. Zum Beispiel bei der Entwicklung von E-Prototypen. Das bezieht sich jetzt zunächst einmal auf die Ingenieurswissenschaften. Wichtig sind uns aber auch die Mitarbeiter in der Produktion. Hier werden wir das Ausbildungsprogramm intensivieren und den Azubis anbieten, von uns übernommen zu werden. In zwölf Kilometer Entfernung gibt es ein eigenes Ausbildungszentrum von Mercedes-Benz. Das möchten wir gerne weiter ausbauen. Auch andere Firmen könnten in dem Ausbildungszentrum die Möglichkeit erhalten, ihre Azubis auszubilden. Das könnte für umliegende Firmen auch interessant werden. Es wäre schön, wenn man hier eine Partnerschaft erreichen könnte. Jemand, der eine gute Ausbildung erhalten hat, kann nämlich genauso gut bei Mercedes-Benz oder einem Zulieferer arbeiten. Wir werden auch das Trainings- und Qualifizierungszentrum neugestalten. Dort werden Schulungen und Qualifizierungen für die neuen Mitarbeiter stattfinden. Die Qualifizierung ist für uns ebenso wichtig wie die Rekrutierung.


Je qualifizierter ein Mitarbeiter ist, umso höher ist sein Marktwert…

Unsere Löhne sind absolut auf dem ungarischen Wettbewerbs-Niveau. Die Firmen in Ungarn müssen aufpassen, dass sie sich bei den Löhnen nicht gegenseitig hochschaukeln. Natürlich muss man wettbewerbsfähige Gehälter zahlen, um für die Leute ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Aber Mitarbeiterbefragungen, die wir regelmäßig durchführen, und auch unsere Erfahrungen zeigen, dass man, um sich als Arbeitgeber zu unterscheiden, noch mehr machen muss. Ich habe das Thema Wohnungsbau bereits angesprochen. Außerdem bieten wir unseren Mitarbeitern sehr vergünstigtes Essen an, von dem wir mehr als die Hälfte des Preises übernehmen. Die Mitarbeiter bekommen ordentliche Arbeitskleidung, wir haben sehr viele Gesundheitsmöglichkeiten und Gesundheitschecks, die von vielen wahrgenommen werden. Außerdem bieten wir kostenlose Sprachstunden und diverse Weiterbildungsmöglichkeiten. Zusätzlich dazu gibt es auch Sportmöglichkeiten. Mercedes-Benz Mitarbeiter können in Kecskemét umsonst ins Schwimmzentrum und ins Fitnessstudio gehen. Auch ich gehe dort nach der Arbeit oft hin.


Was bieten Sie den Kindern von Mitarbeitern?

Wir haben auf dem Werksgelände einen Kindergarten und es gibt hier eine deutsch-ungarische Schule. Das sind für Familien wichtige Entscheidungskriterien und nicht selten ein entscheidender Zuzugsgrund. Deswegen werden wir das weiter ausbauen. Gerade denken wir gemeinsam mit der Stadt darüber nach, wie wir die Kapazität unserer Schule erhöhen können. Dieses Jahr im Sommer hatten wir übrigens das erste Ferienlager veranstaltet. Ein Sommerferienlager, bei dem die Kinder den ganzen Tag über beschäftigt waren. Das war ein kostenloses Angebot von Mercedes-Benz. Im nächsten Jahr wird es wegen der Nachfrage noch größer.


Welche Rolle spielt das Arbeitsklima?

Es liegt in meinem Interesse, einen teamorientierten Führungsstil zu haben, bei dem positives Feedback wichtig ist, man den Menschen aber auch sagen kann, wenn etwas schief gelaufen ist. Aber in einer wertschätzenden Art. Ganz nach dem Motto: „Attack the problem, not the person“. Ganz wichtig ist auch die Einbindung der Familien. In diesem Jahr geschah das unter anderem mittels eines gemeinsamen Besuchs der DTM auf dem Hungaroring. Letztes Jahr gab es einen Familientag hier im Werk, mit viel Fun und Unterhaltungsprogrammen. Da konnte man mal der ganzen Familie zeigen, wie der Arbeitsplatz so ist. Ich habe gemerkt, dass die Familie hier in Ungarn einen viel höheren Stellenwert besitzt als in Deutschland.

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Die meisten Ihrer Mitarbeiter werden nie einen Mercedes-Benz fahren…

Daran wollen wir etwas ändern. So besteht etwa seit Kurzem für Mitarbeiter das Angebot, ein Fahrzeug von uns zu sehr günstigen Konditionen zu leasen. Die Resonanz war so riesig, dass gleich am ersten Tag der Fuhrparkmanager sein Büro fast 24 Stunden hätte öffnen können. Wir bieten unseren Mitarbeitern aber auch die Möglichkeit, unsere Produkte zu testen. Damit können wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Autos müssen ja ohnehin gefahren und getestet werden. Weiterhin gibt es verschiedene Incentive-Konzepte. So bieten wir etwa ein Fahrzeug der S-Klasse für Hochzeiten. Das alles sind so kleine Mosaiksteinchen, aber das Gesamtpaket macht‘s. Das zusammen mit der Firmenkultur macht uns zuversichtlich, dass wir auch in Hinsicht auf das neue Pkw-Werk ausreichend Leute finden werden.


In wie weit findet Forschung und Entwicklung in Ihrer Fabrik statt?

Die Produktentwicklung bleibt in Deutschland, es gibt nur in der Anlaufphase sogenannte Verbindungsleute, die wir als Unterstützung hier haben, um zu schauen, wo es möglicherweise Anlaufschwierigkeiten gibt.

Und wie sieht es aus mit dem Werkzeugbau?

Wir haben hier ein Presswerk, und eine Werkstatt, die es uns ermöglicht, große Presswerkzeuge und Anlagen zu reparieren.


Was müsste an den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verbessert werden?

Von der Stadt erhoffe ich mir auf jeden Fall für das neue Pkw-Werk auch weiterhin Unterstützung. Ich mag es ja sehr, dass die Dinge hier in Ungarn schneller umgesetzt werden als in anderen Ländern. Trotzdem glaube ich, dass es an der einen oder anderen Stelle noch schneller gehen könnte. Aber das sind Kleinigkeiten. Im Vergleich zu anderen Ländern sind wir schon sehr gut dabei. Von der Regierung erhoffe ich mir, dass das, was wir vereinbart haben, auch umgesetzt wird, also vor allem bezüglich der Infrastrukturmaßnahmen. Wichtig wäre etwa, dass auf dem Flughafen Kecskemét auch bald Zivilmaschinen landen dürfen und dass es vielleicht einmal eine Verbindung Stuttgart-Kecskemét geben wird. Ebenso, dass die Straße vor unserem Werkgelände endlich vierspurig wird. Ein Thema sind auch die Spannungsschwankungen im Stromnetz, da muss etwas passieren, damit wir nicht viermal im Jahr einen Stromausfall haben. Das alles sind Dinge, die schon besprochen wurden. Sie müssen nur noch umgesetzt werden. Das ist auch der Grund, warum ich verstärkt mit den anderen Firmen zusammenarbeiten möchte. Denn 95 Prozent der Probleme, die uns betreffen, die betreffen auch die anderen und gemeinsam kann man mehr erreichen.


Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den anderen Firmen vor Ort?

Bisher eher unregelmäßig. Wir werden aber mit der Stadt zusammen einen Zirkel bilden, in dessen Rahmen wir mit den großen Firmen an den wichtigen Themen arbeiten werden. Das wird dann strukturierter und geordneter ablaufen. Ich möchte erreichen, dass wir das alles gemeinsam umsetzen, denn alle profitieren ja davon. Konkurrenzneid soll auf keinen Fall aufkommen.

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Arbeiten Sie auch mit der Investitionsagentur HIPA zusammen?

Ja, bezüglich der Anbahnung für das neue Pkw-Werk hat uns HIPA sehr geholfen. Das ist eine sehr professionelle Agentur, die Know-how anbietet und bei der Entwicklung hilft.


Ich habe gehört, Sie sind leidenschaftlicher Harley-Davidson-Fahrer?

Ja genau, kürzlich habe ich mir hier sogar eine Harley gekauft und sie hier in Kecskemét bei einem Harley Davidson-Customizer umgestalten lassen. Es gibt auch ein paar andere Harley-Fahrer hier im Unternehmen, mit denen teile ich das Hobby.


Haben Sie schon Zeit gehabt, Kecskemét kennenzulernen?

Ja natürlich, schließlich wohne ich hier. Zu meinen Sonntagsritualen gehört es auch, durch die Markthalle zu laufen. Das genieße ich sehr.


Können Sie denn in der „Mercedes-Stadt“ frei herumlaufen?

Es passiert mir gelegentlich schon, dass ich erkannt werde. Im Fitnessstudio treffe ich regelmäßig Kollegen aus dem Werk. Gelegentlich denke ich mir, ich könnte auch gleich meine Betriebsversammlung dort abhalten. Ich gehe auch sehr gerne in unser wunderschönes Hallenbad und ziehe dort meine Bahnen. Ich habe hier auch ein Mountainbike, mit dem ich viel herumfahre.

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Gibt es etwas, dass Sie hier vermissen?

Nein, Deutschland ist ja nur eine Flugstunde entfernt. Außerdem finde ich, dass, wenn man sich fürs Ausland entscheidet und dort als Expat leben möchte, man nicht darüber jammern sollte, dass es keine „deutsche Leberwurst“ gibt. Wenn man ins Ausland geht, dann will man doch das Land entdecken, die Kultur und das Essen und nicht Deutschland wiederfinden. Wenn man das will, dann kann man auch gleich in Deutschland bleiben.


Was haben Sie bisher schon alles von Ungarn gesehen?

Ich habe in meinem ersten dreiviertel Jahr schon viel in diesem schönen Land entdeckt. Ich war schon einmal am Balaton zum Segeln. Demnächst möchte ich Pécs und Debrecen einen Besuch abstatten. Als Ex-Handball-Profi möchte ich, wenn die neue Saison wieder losgeht, auch nach Szeged und Veszprém. Natürlich kenne ich auch Budapest schon recht gut – eine tolle Stadt! Immer wieder zieht es mich dorthin, vielleicht kommt da der Berliner in mir durch.


Sie sind Berliner?

Ja, zumindest ein gebürtiger. Im Alter von acht Jahren bin ich aber zusammen mit meinen Eltern nach Stuttgart gezogen. Ich habe dann dort Maschinenbau studiert.

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