Warum engagieren sich die Wirtschaftsjunioren überhaupt sozial in Ungarn?

Die Wirtschaftsjunioren fühlen sich dem Land Ungarn und seinen Bewohnern sehr verpflichtet. Die meisten Mitglieder leben schon seit langem in Ungarn und wissen um die Armut, hauptsächlich auf dem Land. Um zu helfen, wurde zugleich mit der Gründung der Wirtschaftsjunioren vor 17 Jahren ein Spendenausschuss gebildet. Diesem Spendenausschuss stehen die Hälfte der Mitgliedsbeiträge und die Einnahmen aus der jährlichen Tombola der Weihnachtsfeier zur Verfügung.

Wer erhält die Spenden und wie erfolgt die Auswahl der Spendenempfänger?

Empfänger kann jede Organisation sein, die Hilfe benötigt. Wir versuchen über die Jahre hinweg gleichmäßig Kinder, Obdachlose, Fachschulen, Altenheime und Behinderteneinrichtungen zu unterstützen. Dabei wird darauf geachtet, dass die Spendenempfänger nicht nur aus Budapest kommen. Wir haben bisher unter anderem Projekte in Pécs, Szeged, Berettyóújfalu, Zsámbék und natürlich auch im Budapester Umland unterstützt. Ein weiteres Kriterium für die Zuwendung ist, dass der Spendenempfänger nicht bereits durch andere große Spender unterstützt wird.

Wie sehen die Spenden normalerweise aus?

Die Wirtschaftsjunioren haben sich früh dafür entschieden, kein Geld, sondern Sachspenden zu übergeben. Die Abstimmung über die Spenden erfolgt dabei sehr eng mit dem Spendenempfänger. Damit stellen wir sicher, dass kein Geld veruntreut werden kann. Unsere Mitglieder schätzen es, Dinge für die ausgewählte Einrichtung zu kaufen und zu übergeben.

Wie erfolgt die Spendenübergabe?

Uns ist der persönliche Kontakt zu den Spendenempfängern sehr wichtig. Die Übergabe erfolgt daher immer persönlich. Dabei legen wir Wert darauf, dass die Empfänger ihr Projekt vorstellen und unsere Mitglieder über die Spendenverwendung informieren. Die Mitglieder des Spendenausschusses und des Vorstandes kommen so in Kontakt nicht nur zu den Leitern der Einrichtungen, sondern auch zu Mitarbeitern und vor allem zu den betroffenen Menschen vor Ort.

Warum wurde das Borsod-Abaúj-Zempléner Sozial- und Kinderbetreuungszentrum ausgesucht und was wurde in diesem Fall gespendet?

Wir haben konkret dem Kinderheim und der Schule in Girincs gespendet, die dem Sozial- und Kinderbetreuungszentrums unterstellt sind. Dort gehen 110 behinderte Kinder zur Schule, 40 Kinder leben im integrierten Kinderheim. Das sind Kinder ab drei Jahren, die von den Eltern zu Hause nicht mehr ausreichend betreut werden konnten. Die Idee zu einer Spende an diese Einrichtung hatte Matthias Hinsch. Matthias arbeitet in Miskolcs und aus Gesprächen mit den Kollegen erhält er immer wieder Anregungen für Spendenprojekte. Er schaut sich die Einrichtungen persönlich an und baut den Kontakt zu den Verantwortlichen vor Ort auf. Mit unserer Spende an das Kinderheim ist die Ausstattung der Heimküche ergänzt worden, u.a. haben wir einen Mini-Kühlschrank, zwei Mikrowellenherden sowie weitere nützliche Küchengeräte an die Heimleitung übergeben.

Welches Projekt kann beispielhaft genannt werden, das über einen längeren Zeitraum bereits besteht?

Hier fällt mir sofort das Obdachlosenheim (Menedékház) in Budaőrs ein. Dort sammeln wir bereits seit langem mehrmals pro Jahr Sachspenden und bringen diese zum Menedékház. Dabei handelt es sich um Elektrogeräte, Kleidung, Möbel und Spielsachen. Dinge also, die die Mitglieder aussortieren, aber trotzdem für einen guten Zweck verwendet wissen wollen. Als Dank treten die Kinder des Menedékház auf der jährlichen Weihnachtsfeier der Wirtschaftsjunioren mit einem Musik- und Tanzprogramm auf.

Zu den Wirtschaftsjunioren Ungarn:

Die Wirtschaftsjunioren Ungarn (WJU) sind eine Gruppe deutschsprachiger (Wahl-) Ungarn. Die Verbundenheit mit der deutschen Sprache und Kultur steht im Vordergrund, nicht die Nationalität. Dabei steht die Kontaktpflege – beruflich wie privat – zwischen Deutschsprachigen in Ungarn ganz oben. Dies zeigt sich auch in einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm, das neben Firmenbesichtigungen auch zahlreiche Familienprogramme enthält. Die Verbundenheit der WJUler mit der (Wahl-) Heimat Ungarn offenbart sich unter anderem in einer regen Spendentätigkeit.

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