So weit, so vielversprechend. Was anderntags geboten wurde, schien indessen nur wenig im Einklang mit der erwartungsfrohen Ouvertüre zu stehen. Über weite Strecken fehlte eine klare Konzeption. Die Themen der Diskussionspanels waren teilweise ebenso wenig nachvollziehbar wie deren Besetzung. Wie konnte man etwa wenige Tage nach dem umstrittenen und die deutsch-ungarischen Beziehungen durchaus tangierenden Aus der Tageszeitung Népszabadság ein hochkarätig besetztes „Deutsch-Ungarisches Medienforum“ über die „Beziehungen EU-Türkei im Spiegel deutscher und ungarischer Medien“ diskutieren lassen?

Noch dazu, wo sich in dieser Arbeitsgruppe ein namhafter ehemaliger Népszabadság-Redakteur befand, der – so wie zuvor in einem BZ-Interview – sicher auch hier einige interessante Fakten zur Causa Népszabadság hätte beisteuern können. Das Publikum hätte sicher nichts gegen eine Programmänderung gehabt. Ebenso wenig dagegen, wenn es etwa im Wettbewerbspanel nicht nur allgemein um Energiefragen, sondern ganz konkret um die ungarische Energiewirtschaft gegangen wäre. Einen eher suboptimalen Eindruck vermittelte auch das eigentlich interessant klingende Plenum „Quo vadis Europa?“. In Sachen Allgemeinplätzen wurde es höchstens noch von den Abschlussansprachen überboten.

Stellenweise konnte man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass es den Veranstaltern einfach nur darum gegangen war, diesen deutsch-ungarischen Pflichttermin halbwegs über die Runden zu bringen und fertig. Endresultat: uninteressant. Schade, denn diskussionswürdige Themen hätte es en mass gegeben. Und das Forum ist von der Sache her ja kein so verkehrter Ort, um sich vernünftig und kontrovers auszutauschen. Während man bei anderen deutsch-ungarischen Begegnungsmöglichkeiten, so etwa bei den Veranstaltungen der politischen Stiftungen oft „unter sich“ bleibt und diskutiert, bietet das Forum die einzigartige Möglichkeit, dass sich hier Leute argumentativ begegnen und auseinandersetzen können, die sich sonst üblicherweise aus dem Weg gehen. Gerade mit Blick auf die ungarischen Gegebenheiten ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Aber eben nur ein Potenzial.

Auffällig waren bei diesem Forum weiterhin die großen Lücken, sowohl bei den prominenten Gästen und Mitdiskutanten als auch unter den Gästen. War das nur ein Zufall? Hatten plötzlich so viele angekündigte Leute etwas anderes zu tun? Oder besitzt das Forum einfach nicht mehr die Anziehungskraft wie noch vor einigen Jahren? Auffällig war weiterhin, dass sich unter den Gästen so gut wie keine Wirtschaftsvertreter mehr befanden. Auch das war einmal anders. Und in der Zwischenzeit ist das Forum ja nicht etwa zum Polit-Forum mutiert, sondern beansprucht immer noch allgemeinen Charakter. Was sind aber deutsch-ungarische Beziehungen, die ja die Grundlage des Forums bilden, ohne die deutsch-ungarischen Wirtschaftsbeziehungen und deren Akteure?

Deutlich besser in der Gesamtbewertung schnitt in diesem Jahr immerhin das sogenannte Junge Deutsch-Ungarische Forum ab. Dort wurde über durchweg relevante Themen, vermittelt durch kompetente, im Leben stehende Referenten, lebhaft diskutiert. Vielleicht entwickelt sich ja das junge, das neue Forum für das scheinbar in die Jahre gekommene und von einer Sinnkrise befallene „alte Forum“ zu einem ähnlichen Impulsgeber, wie das „neue Europa“ in gewissen Fragen immer mehr mit Blick auf das teilweise erstarrte „alte Europa“. Vielleicht bietet das junge Forum dem alten tatsächlich mehr, als nur eine ebenso erforderliche Verjüngung.

Aber genug der Kritik, freuen wir uns, dass das Forum trotz aller Schwierigkeiten überhaupt wieder stattgefunden hat, und hoffen wir, dass es den Veranstaltern bald wieder gelingt, an die eher besseren Forumsjahre anzuknüpfen. Die weiterhin prosperierenden deutsch-ungarischen Beziehungen hätten durchaus ein ebensolches Forum verdient.

Lesen Sie dazu auch unsere Artikel zum jungen Deutsch-Ungarischen Forum sowie zu den verschiedenen Diskussionspanels.

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