In Europas erstem Cheesecake-Café – das beschwören zumindest seine Besitzer, der 24-jährige Ascam Essam und der 23-jährige Bar Mesika – gibt es den cremig-fluffigen Kuchen in allen möglichen Varianten. Vom klassischen Blaubeer-, Erdbeer- oder Himbeer-Cheesecake über Banane-Karamell- oder Profiterole-Cheesecakes mit Mini-Eclairs bis hin zu einer der Schwarzwälder Kirschtorte nachempfundenen Frischkäseleckerei. Gerade in beliebten Schokoriegeln finden die beiden leidenschaftlichen Cheesecake-Schlemmer, Essam und Mesika, immer wieder Inspiration für neue Rezepte: So gibt es im Angebot bereits einen Snickers- sowie einen Bounty-Cheesecake und auch der beliebte US-amerikanische Doppelkeks Oreo wurde mit einer eigenen Kuchenkreation gewürdigt. Neben den vorhandenen rund zehn Sorten soll das Angebot regelmäßig um weitere Rezepte und saisonale Variationen erweitert werden.

Ein Cheesecake ist kein Käsekuchen

Auch wenn die Begriffe Cheesecake und Käsekuchen im deutschen Sprachraum weitgehend synonym benutzt werden, so gibt es doch Unterschiede: In den Cheesecake kommt zum Beispiel nur Frischkäse und kein Quark. Das macht die Leckerei allerdings auch wesentlich gehaltvoller, mehr als ein Stück zu nehmen, sollte man sich daher besser verkneifen. Allerdings werden die Cheesecakes im Say Cheese auch gar nicht in Form von Kuchenstücken serviert, sondern ganz unüblich in kleinen Einweggläsern. So bleibt nicht nur alles in Form und sieht schön aus, sondern kann auch einfach transportiert werden.

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as Cheesecake-Café befindet sich an der Nagykörút, Budapests großer Ringstraße, zwischen Dohány und Wesselényi utca, „viele unserer Kunden kommen in ihrer Mittagspause oder auf dem Heimweg von der Arbeit bei uns vorbei und bestellen den Kuchen zum Mitnehmen“, erklärt Essam. Dabei ist so ein Glas unheimlich praktisch, ausgestattet mit einem kleinen Plastiklöffel lässt sich der Kuchen so sogar im Gehen genießen. Doch haben die beiden jungen Geschäftsmänner auch die Nachhaltigkeit ihrer Verpackung im Blick: Sie halten ihre Kunden an, die Gläser in den Laden zurückzubringen: „Wer zehn Gläser abgibt, wird mit einem Cheesecake auf Kosten des Hauses belohnt“, so Mesika.

Auch im Café selbst kann der Dessertkuchen verzehrt werden – und das in einer Umgebung, die ein echter Hingucker ist. Essam und Mesika haben den ganz in weiß gehaltenen Innenraum mit nostalgischen Grafiken verzieren lassen. Ein lokaler Künstler zauberte zweidimensionale Beistelltischchen, Grammofone, elegante Bilderrahmen und Großvateruhren an die Wände. Sogar ein klitzekleiner Kronleuchter erinnert an eine Zeit, als die Grand Cafés noch Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens waren.

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Trotz dieser Hommage haftet dem Say Cheese jedoch nichts von der Muffigkeit der Kaffeehäuser an. Im Gegenteil, Say Cheese ist ganz wie seine Besitzer ein Projekt voller jugendlicher Energie, mit viel Ehrgeiz und einem Hang zu modernen Medien. So wirbt Say Cheese etwa auf seiner Facebookseite mit Gewinnspielen und attraktiven täglich neuen Fotos aus dem Café. Auch Wünsche für neue Cheesecake-Kreationen dürfen eingereicht werden. Selbst den Trend zu neuen Diätanforderungen hat Say Cheese nicht verschlafen und bietet zusätzlich zucker-, gluten- und laktosefreie Cheesecakes an.

Bald in ganz Europa

Sowohl Essam als auch Mesika strotzen vor Geschäftsideen. Obwohl sie außerhalb Ungarns geboren wurden – Essam in Ägypten, Mesika in Israel – sind beide in Budapest aufgewachsen, haben hier auch die Universität besucht und ihren Abschluss in International Business Economics gemacht. Kennengelernt haben sie sich jedoch erst vor knapp einem Jahr über gemeinsame Freunde. Seit September verbindet Essam und Mesika mit der Eröffnung des Say Cheese neben ihrer Freundschaft nun auch eine Geschäftspartnerschaft. Dabei brachte Essam bereits Erfahrung im gastronomischen Bereich mit, seine Familie besitzt ein Restaurant und er hat schon als Jugendlicher ausgeholfen, wo er konnte.

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Der Weg vom Tellerwäscher im Familienrestaurant zum Geschäftsführer seines eigenen Cafés führte Essam auch zurück nach Ägypten: Hier erprobte er bereits 2015 gemeinsam mit Verwandten das Konzept des Cheesecake-Cafés. Was in Kairo funktioniert, dachte sich Essam, kann auch in Budapest ein Erfolg werden und brachte seine Erfahrungen und das Know-how mit auf den europäischen Kontinent. Bisher sieht alles danach aus, als ob Essam und Mesika mit ihrem Café einen Nerv getroffen haben – über mangelnde Nachfrage können sich die beiden jedenfalls nicht beschweren. Sogar das Geschäft mit dem gerade erst angelaufenen Lieferdienst brummt und schon bald wollen die beiden Geschäftsmänner auch die ersten Franchiselizenzen vergeben. Ihr Ziel: Say-Cheese-Fialen in ganz Europa.

Ob das Café wirklich den „besten Cheesecake der Stadt“ anbietet, wie es auf seiner Webseite verspricht, das sollte jeder für sich selbst entscheiden, einen Besuch ist das innovative kleine Kuchencafé mit den großen Zukunftsvisionen auf jeden Fall wert und besonders für Cheesecake-Liebhaber ein absolutes Muss.

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Say Cheese

Budapest, VII. Bezirk, Erzsébet körút 18

Öffnungszeiten: täglich 11 bis 21 Uhr, mittwochs und sonntags ab 15 Uhr

Anfragen unter saycheesebp@gmail.com

Weitere Informationen unter www.saycheese.hu

Preise

Cheesecakes: 790 bis 1.090 Forint

Kaffeespezialitäten: 390 bis 790 Forint

Konversation

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