Alles umsonst, die Würde der Feier ist unwiederbringlich verloren gegangen. Natürlich nicht erst jetzt, sondern bereits vor zehn Jahren, woran sich seitdem alle Seiten unterschiedlich zurückerinnern. Gestern wurde allerdings erneut klar, wie sehr die schönen Worte von den parallel zu ihnen verlaufenden Taten abweichen.

Wer die offizielle Sendung in den „öffentlichen“ Medien – die wohlgemerkt nur einen Teil der Öffentlichkeit bedienen – verfolgte, hätte glatt glauben können, am Kossuth tér fand eine würdige Gedenkzeremonie statt. Dem war nicht so. Die Zuschauer konnten gar nicht so richtig verstehen, warum der Ministerpräsident während seiner Rede ab und zu ein hämisches Grinsen aufsetzte und inmitten von Ovationen seiner Anhängerschaft auch beiläufig erwähnte, dass die Kommunisten manchmal noch zum Pfeifen zurückkehrten. Es war auffällig, dass der Redner seine Rede diesmal heiser schreiend vortrug. Er versuchte nämlich die Gegendemonstranten zu übertönen. Die übrigens von den Sicherheitskräften nicht zu den „ordentlichen“ Teilnehmern der Feierlichkeiten gelassen wurden. Letztere wurden denjenigen gegenüber, die die gegenwärtige Situation Ungarns nicht so beurteilten, wie sie selbst und ihr großes Vorbild, sogar handgreiflich. Der renommierte Historiker, Krisztián Ungváry, könnte mit blutendem Kopf noch mehr davon erzählen.

Geschlossenheit? Von wegen …

So wurden die Worte Viktor Orbáns also von einer ganz anderen Seite beleuchtet. Zum Beispiel, dass 1956 eine strahlende Erinnerung für uns alle ist. Natürlich ausgenommen jene, die es nur schwer ertragen können, dass heute ein Regime an der Macht ist, das uns nur allzu oft an die verfluchten Zeiten erinnert. Oder beispielsweise daran, dass wir „unsere Heimat von den Komplikationen der Diktatur“ geheilt hätten. Weil an ihre Stelle das System der nationalen Zusammenarbeit trat, deren einziges Ziel es ist, den Willen des neuen Anführers zu bedienen. Wenn wir uns das vor Augen halten, bedeuten die Worte des Redners über die Freiheit, die uns seiner Meinung nach „auch heute zu einer Einheit formt“, etwas gänzlich anderes. Ob zu dieser Einheit auch die mit den Trillerpfeifen im Hintergrund und auch die Teilnehmer der Oppositionsdemos hinzuzählen? Aber Viktor Orbán möchte wohl kaum eine Gemeinschaft mit ihnen bilden. Umso weniger, weil sich diese gerade deshalb versammeln, weil sie in Begriff sind, seiner Macht ein Ende zu setzen.

Ein zentraler Gedanke der diesjährigen Gedenkfeier war, wie geschlossen die Ungarn damals vor sechzig Jahren auftraten. Was natürlich sehr gut klingt, aber eine starke Übertreibung ist. Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts ist das Land aber mit Sicherheit gespalten. Charakteristisch sind nunmehr die nicht nur verbal rivalisierenden Parteien und Menschen.

Die Situation ist unwürdig. Es gibt keinen Grund zum Feiern. Und auch das ist die Verantwortung der gegenwärtigen Macht.

Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 24. Oktober auf dem Online-Portal der linksliberalen Tagesszeitung Népszava.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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