„Wir haben ein großartiges Ergebnis erzielt“, begann Ministerpräsident Viktor Orbán seine Beurteilung des Referendums. Dreizehn Jahre nach dem Volksentscheid zum EU-Beitritt, für den im Jahre 2003 rund 3 Mio. Bürger Ungarns stimmten, hätten nochmals deutlich mehr Bürger Nein zu Zwangsquoten gesagt. Zudem habe die Wahlbeteiligung ungefähr 15 Prozentpunkte höher gelegen, als bei den letzten Europaparlamentswahlen. „Diese Waffe wird stark genug sein in Brüssel“, resümierte Orbán. Neun von zehn Bürgern Ungarns hätten sich für ein eigenständiges Entscheidungsrecht ausgesprochen. Ungarn dürfe stolz darauf sein, dass seine Bürger als erste und einzige in der EU ihre Meinung zur Einwanderungsfrage direkt kundtun konnten. In den nächsten Tagen werde er eine Verfassungsänderung anregen. Als zweiter Schritt müsse dem Votum von 92 % der Ungarn in Brüssel zur Geltung verholfen werden.

Schon wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale um 19 Uhr verkündete der Stellvertretende Ministerpräsident Zsolt Semjén gemeinsam mit Fidesz-Vize Gergely Gulyás, die Regierung habe durch die Wähler die politische Vollmacht erhalten, Ungarn gegen die Zwangsquote zu schützen.

Für die MSZP war dieser Volksentscheid nicht mehr als eine „verdammt teure Meinungserhebung“. Der Chef der Sozialisten, Gyula Molnár, erklärte, jeder Schritt der Regierung unter Berufung auf das ungültige und erfolglose Referendum wäre verfassungswidrig, damit würde die Macht von Orbán illegitim.

Der Jobbik-Vorsitzende Gábor Vona wertete das ungültige Ergebnis des Referendums als persönlichen Misserfolg von Orbán. Der Fidesz solle jetzt nicht versuchen, die Niederlage zu erklären, sondern diese eingestehen. Vona forderte Orbán zum Rücktritt auf, nachdem die Mehrheit der Bürger nicht Brüssel, sondern dem Ministerpräsidenten eine Botschaft mit auf den Weg geben wollte. Die Jobbik drängt auf eine alsbaldige Modifizierung des Grundgesetzes, um Ungarn gegen die Quotenregelung zu schützen.

Der frühere Ministerpräsident und Vorsitzende der DK, Ferenc Gyurcsány, sprach von einem gewaltigen Sieg der demokratischen Opposition über Regierung und Fidesz. Millionen hätten der Hasskampagne widerstanden. Seit zehn Jahren warte die Linke auf einen echten Erfolg – am Sonntag sei dieser gelungen. In einem normalen, demokratischen Land müsste der Ministerpräsident noch am Wahlabend zurücktreten.

Die LMP hält die Migrationsfrage für ein echtes Problem, ein ungültiges Referendum schwäche jedoch die Verhandlungsposition der Regierung im Ausland.

Orbán hatte am Sonntagmorgen, unmittelbar nachdem er seine Stimme beim Referendum abgegeben hatte, gegenüber Journalisten in Budapest erklärt, die wichtigste Frage sei, ob es mehr Nein- als Ja-Stimmen geben wird. Sollten die Nein-Stimmen triumphieren, werde dies selbst im Fall eines ungültigen Volksentscheids Konsequenzen für das öffentliche Recht haben. Würden die Ja-Stimmen gewinnen, sei er zum Rücktritt bereit. Da in den Wahlregistern mit Stand Freitagabend 8.272.625 Wahlberechtigte eingetragen waren, waren für ein gültiges Ergebnis des Referendums 4.136.313 Stimmen erforderlich.

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