„Easy to pay and easy to love!”, heißt es auf der Webseite von CoinPay, das Dienstleistungen zum Bezahlen mit der digitalen Währung Bitcoin (BTC) anbietet. Das Unternehmen war bereits im Februar dieses Jahres in den Medien - so auch in der Budapester Zeitung -, als Budapest Taxi als eines der ersten öffentlichen Dienstleistungsunternehmen im Land angekündigt hatte, das Bezahlen von Fahrten per BTC zu ermöglichen; in einem Beitrag von euronews hatte damals András Lőwy, CEO der CoinPay Zrt., erklärt, dass sein Unternehmen möchte, dass Bitcoin-Besitzer ihr Geld auch in herkömmlichen Geschäften für Dienstleistungen und Produkte ausgeben können. „Das könnte Wachstum für diese Unternehmen bedeuten und zugleich einem Bedarf, nämlich nach mehr Bequemlichkeit, entgegenkommen“, so Lőwy damals, anschließend hatte er die Zusammenarbeit mit Budapest Taxi demonstriert.

Mobil bezahlen über ein CoinPay-Konto

Und die funktioniert so: Der Bezahldienst CoinPay erstellt im Auftrag des Taxifahrers eine „digitale Quittung“ in Form eines QR-Codes. Der Fahrer gibt seinem Fahrgast selbigen, dieser scannt ihn mit seinem Smartphone ein, wahlweise kann der erzeugte Zahlencode aber auch per Hand am Smartphone eingegeben werden. Im nächsten und letzten Schritt bestätigt man die mobile Bezahlung durch sein CoinPay-Konto und wählt die gewünschte Währung (jede ist möglich), in der die anschließende Quittung ausgestellt werden soll. Später sorgt das Start-up dafür, dass die entsprechende Forint-Summe beim Fahrer bzw. der Taxigesellschaft ankommt - laut eigener Aussage übrigens gebührenfrei (leider verriet das Unternehmen auch auf mehrmalige Nachfrage der Budapester Zeitung nicht, wie es dann Einnahmen generiert). Lediglich eine Internetverbindung ist nötig, und CoinPay könne sämtliche Transaktionen innerhalb einer Stunde abschließen.

Auch wenn Bitcoins den meisten noch immer kein Begriff sind und die Zahl der Nutzer sehr gering ist - die Kurve der sich weltweit im Umlauf befindlichen Anzahl an BTC steigt. Ende Oktober 2015 waren es laut dem Fachportal statista.com noch insgesamt rund 14,8 Mio. BTC, Ende August 2016 immerhin schon 15,85 Mio. BTC. Ungarische Bürger sollen Schätzungen von Coinpay zufolge Bitcoins im stolzen Wert von umgerechnet über 25 Mio. Euro in ihren digitalen Brieftaschen haben. Gemeinsam mit der Partnerschaft mit Budapest Taxi ein großes Marktpotenzial für Unternehmen wie CoinPay.

Partner im B2B-Business

Ein im September 2014 bei YouTube hochgeladenes Unternehmensvideo thematisiert ein heute brandaktuelles Thema: Migration. 230 Mio. Personen, also 3 Prozent der gesamten Menschheit sollen damals weltweit außerhalb ihrer jeweiligen Heimat gelebt haben. Diese senden ihren Familien Gelder nach Hause, bis Ende 2015 soll sich dies auf 500 Mrd. US-Dollar summieren, prognostizierte das Video damals - und dabei 8-12 Prozent wegen Transaktionsgebühren verlieren. Eine Senkung dieser auf 2 Prozent könnte weitere 3,2 Mrd. Dollar auf den Zielkonten ankommen lassen. Daran arbeite CoinPay. Für besondere Sicherheit soll bei den Transaktionen sorgen, dass deren Daten nicht an einer Stelle, etwa einem Server von CoinPay gespeichert werden, sondern direkt auf den Geräten, an denen die Zahlungen in Auftrag gegeben werden, also z.B. das eigene Smartphone („Decentralized Bitcoin Exchange“). Man könne das Geld so schnell, einfach, jederzeit und überall überweisen wie bei der populären Chat-Applikation WhatsApp, schließt der Clip.

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Digitale Währung Bitcoin: Bald in jedermanns Tasche?

Mit den diversen Einsatzmöglichkeiten (z.B. weltweite Überweisungen, Taxifahrten oder Webshop-Zahlungen) präsentiert sich das Start-up als Partner im B2B-Business: Jeder Partner, ob Webshop, Einzelhändler oder Geldwechsel-Unternehmen, finde die für ihn geeignetste Lösung. Zudem könnten sie die jeweilige Lösung über die online erreichbare Programmierschnittstelle von CoinPay sehr einfach in ihr System integrieren, selbst wenn es sich um einen „physikalisch erreichbaren Shop“, sprich: einen Laden handelt, erklärte Lőwy im März in einem Interview mit dem Online-Portal der öffentlichen Stiftung zur Entwicklung Budapester Unternehmen (BVK), die der Hauptstadtverwaltung untersteht. Das Gespräch wurde aus dem Anlass geführt, dass CoinPay den 3. BE SMART-Wettbewerb der BVK im März dieses Jahres gewonnen hatte.

Auf den Sieg in Budapest folgte Präsentation in Tel Aviv

Mit dem Sieg erhielt man die Möglichkeit zur Vorstellung auf der Axis Konferenz in Tel Aviv, das weltweit als Start-up-Mekka gilt. Lőwy zufolge hat er dort sehr positive und wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Es ist wichtig, Beziehungen zu einer so offenen Gesellschaft wie etwa der israelischen aufzubauen, die dortigen Geschäftsleute sind erfolgsorientiert und sehr direkt. Dort herrscht eine andere geschäftliche Kommunikation, wir können viel von ihnen lernen.“ Passenderweise fügte grade der Vorstand eines sich mit innovativen Zahlungsmethoden beschäftigenden Start-ups in Sachen Investoren hinzu: „In der Start-up-Welt ist es nicht leicht, Geld zu akquirieren. Das Projekt muss sehr gut sein, und es ist wichtig, dass das Start-up ein Ergebnis vorweisen kann, das es bereits erreicht hat.“

Bereits ein halbes Jahr zuvor hatte CoinPay eine weitere Branchenauszeichnung eingeheimst: Anfang Oktober 2015 wurde das Team bei den Central European Startup Awards als Ungarns „Best FinTech Startup 2015“ ausgezeichnet. In der Kategorie der besten Start-ups im Bereich Finanztechnologie werden alljährlich diejenigen Jungunternehmen ausgezeichnet, die in ihrem jeweiligen Land helfen, das private und/oder kommerzielle Finanzwesen oder von finanziellen Transaktionen einfacher sowie transparenter zu machen. Maßgebend für die Bewertung bei der Award-Vergabe sind das Wachstum, die Bedeutung, der Umsatz, der Service und natürlich das Produkt des Start-ups. CoinPay erfüllte diese Erfolgsvoraussetzungen.

Team bei Bedarf erweiterbar

Die 2014 gegründete CoinPay Zrt. sitzt in Budapests V. Bezirk in der Nähe des Astoria. Die zahllosen Geschäfte und Gastgewerbe dort bieten viele Möglichkeiten zum Einsatz einer der Lösungen des Unternehmens. In dem BVK-Interview verriet Lőwy auch, dass sein Team aktuell aus drei Personen bestehe, da man jedoch unter der Ägide des Drukka Startup Studio agiere, könne man bei Bedarf auch weitere Mitarbeiter bei Projekten miteinbeziehen.

Nicht zu verwechseln mit dem ungarischen Start-up ist übrigens die gleichnamige App „CoinPay“ der thailändischen Firma Bitcoin Co. Ltd., die seit 2013 im dortigen Bitcoin-Geschäft tätig ist. Das in Bangkok sitzende Unternehmen lässt in einem 18 Teile umfassenden Video-Wettbewerb mal einen jungen Mann rappend das Prinzip bzw. die Vorteile der digitalen Währung erklären, in einem anderen Teil einen thailändischen Nachwuchs-Terminator.

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