„Kunst ist fleischgewordene Wissenschaft”, sagte der französische Schriftsteller, Maler und Regisseur Jean Cocteau (1889-1963) einst. Die Multimedia-Künstlerin Honora Foah aus New York hat sich dieses Zitat zu Herzen genommen und mit „The Birth of Color - A Marriage of Darkness and Light” eine von ihr als Frequenzoper bezeichnete Performance geschaffen, deren Ziel es ist, den Klang der Musik für den Besucher über Vibrationen körperlich spürbar zu machen. Das Publikum sitzt im Budapester Kiscell-Museum, wo Anfang Oktober drei Aufführungen stattfinden, daher auch nicht etwa vor einer gewöhnlichen Bühne, sondern wird vom Chor kreisförmig umringt. So soll es den Sängern und Sängerinnen möglich sein, in die Zuhörer „hineinzusingen” und sie „in ein Frequenzfeld einzutauchen”, erklärt es Foah.

Budapester Chor für Projekt ausgewählt

Den erfahrenen Cantate Chor des Budapester Zoltán-Kodály-Instituts unter der Leitung von Ferenc Jr. Sapszon hat Foah für „The Birth of Color” explizit ausgesucht. Denn das Stück ist aus zwei Gründen extrem schwierig zu singen: Zum einen ist es komplett a cappella, muss also ohne Begleitung durch Instrumente auskommen. Zum anderen wurde die Partitur von Lucio Ivaldi komplett neu geschrieben, sodass es keinerlei Aufnahmen, geschweige denn Konzertmitschnitte gibt, an denen man sich orientieren könnte. Umso schöner ist es für Foah, dass viele der Chorsänger im Nachhinein zu ihr kamen und ihr für die Möglichkeit, an dem Projekt teilnehmen zu können, dankten.

„The Birth of Color” ist nur der erste von sieben Teilen eines Performance-Zykluses mit dem Titel „Recombinant DNA”. Im Zentrum dieser sieben Schöpfungsgeschichten steht jeweils das Thema Liebe. Im ersten Teil, „The Birth of Color”, geht es vor allem um die Erschaffung des Universums, unter Berücksichtigung von uralten Mythen, hinduistischen Schriftstücken und physischen Erkenntnissen wie der Stringtheorie. Während in der ersten Hälfte die Vermählung von Dunkelheit und Licht im Mittelpunkt steht, handelt die zweite Hälfte von der Geburt ihrer Nachfahren, den Farben. Unterstützt wird die einstündige Performance daher auch mit Lichtinstallationen und Projektionen.

Texte stammen von Pulitzer-Preis-Nominierten

Die Liedtexte stammen von David Brendan Hopes, einem amerikanischen Dichter und Dramatiker, der für sein 1999 veröffentlichtes Buch „A Childhood in the Milky Way” für den Pulitzer-Preis sowie den National Book Award nominiert wurde. Nachdem Foah zufällig ein Gedicht von Hopes in die Hände gefallen war, hatte die Kreativdirektorin lange Zeit den Wunsch gehegt, mit Hopes zusammenzuarbeiten. Durch einen gemeinsamen Freund kam schließlich ein Treffen zustande und Stück für Stück wurde „The Birth of Color” entwickelt.

Nach mehrjähriger Arbeit, bei der die Beteiligten laut Foah „in jeder Minute voneinander dazu lernten”, feiert „The Birth of Color - A Marriage of Darkness and Light” nun am 7. Oktober seine Premiere in Budapest. Wer sich für das Wunder und Mysterium der Schöpfung begeistert und mal eine ganz andere Art von Oper erleben will, sollte diese Inszenierung nicht verpassen. Plätze können über create@visioneering.com reserviert werden. Bezahlt wird vor Ort in Form einer Spende, deren Höhe selbst zu bestimmen ist.

Termine: 7., 8. und 9. Oktober, jeweils 19.30 Uhr

Ort: Kiscell-Museum

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