In der gleichen Angelegenheit waren sämtliche Angeklagten 2013 vom gleichen Gericht freigesprochen worden, doch war dieses Urteil vom Tafelgericht Budapest in zweiter Instanz außer Kraft gesetzt und ein neues Verfahren angeordnet worden. Die Eclipse Zrt. gewann zwischen 2005 und 2009 reihenweise öffentliche Ausschreibungen, in deren Ergebnis die Umsatzerlöse des Unternehmens in den drei Jahren 2007-2009 über 11 Mrd. Forint kletterten. Über fiktive Verträge, Rechnungen und formell einbezogene Subunternehmer wurden die Gelder laufend in bar an die Angeklagten ausgeschüttet. Ende 2009 gewann die Eclipse Zrt. auf dem Verhandlungswege den Auftrag zur Bewirtschaftung eines neuen Systems zur Ausstellung von Ursprungszeugnissen für Pkw. Die damalige Regierung kündigte den Vertrag mit den früheren Systembetreibern vorzeitig und per Verordnung auf, die mit einer Anzeige reagierten. Die Staatsanwaltschaft leitete bereits im Frühling 2010 ein Strafverfahren ein, weil Eclipse mehr als 1 Mrd. Forint an Steuern nicht eingezahlt hatte.

Zu den bemerkenswerten Momenten des Skandals gehört, wie das Internetportal Index.hu schreibt, dass die Tochter des auch heute als Innenminister tätigen Sándor Pintér als Projektmanagerin bei der Eclipse Zrt. tätig war. Hajnalka Pintér wurde aber nicht einmal als Zeugin vernommen, obgleich ihr Mobiltelefon abgehört und die aufgezeichneten Gespräche als Beweismaterial verwendet wurden. Die Eclipse gehörte „starken Männern“ der damals regierenden MSZP, was die Milliardenaufträge aus öffentlichen Geldern erklärt. Ihr Büro mietete sie freilich von einer Pintér-Firma. Ein Pintér-Freund, György Eiselt, musste 2012 als Unterstaatssekretär zurücktreten, nachdem sich herausstellte, dass er als Leiter der Nationalen Verkehrsbehörde einen Mercedes-Sportwagen von der Firma Eclipse erhielt – im Gegenzug für Auftragsvergaben. Eiselt kam mit einer Bewährungsstrafe davon und wurde von Pintér bis zu seiner Pensionierung als Hauptabteilungsleiter im Innenministerium beschäftigt.

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