Eröffnet wurde das Arbeitstreffen nach einer kurzen Begrüßungsansprache durch Botschafter Heinz-Peter Behr von Dale A. Martin, der zu den Teilnehmern sowohl in seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender der Siemens Zrt. als auch als Präsident der DUIHK sprach. Ohne auf den allgemein bekannten Fakt des Fachkräftemangels einzugehen, kam er gleich zum Punkt und ging der Frage nach, was in der aktuellen Mangel-Situation zu tun sei. Ganz oben in seinem entsprechenden Maßnahmenkatalog stand das Thema Ausbildung, in die die Unternehmen seiner Meinung nach noch mehr investieren müssten. Siemens gehe hier mit gutem Beispiel voran und setze bereits seit Jahren etwa bei der dualen Berufsausbildung Akzente.

Korrektere Löhne und korrekter Umgang

Auf Platz 2 folgte auch schon die Forderung nach der Zahlung von „korrekten Löhnen“, da das derzeitige Niveau insbesondere auf den unteren Ebenen in Unternehmen nicht haltbar sei. Sodann zählte der Top-Manager weitere Maßnahmen auf, teils basierend auf Erfahrungen in seinem Unternehmen, teils von anderen DUIHK-Mitgliedsunternehmen. Darunter war auch die Forderung nach einem besseren Umgang mit den Mitarbeitern, was seiner Meinung nach häufig etwas unterschätzt werde. Diesem Punkte pflichtete in der anschließenden Diskussion übrigens auch ein anderer Firmenvertreter bei. Insbesondere beim Umgang von ungarischen Managern mit ungarischen Untergebenen sehe er Defizite, denen etwa durch Coaching oder mehr Aufmerksamkeit seitens der Top-Manager begegnet werden könne.

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Mit Investitionen in die Ausbildung und damit in die Erhöhung der Arbeitsproduktivität eröffnen sich Firmen einen größeren Spielraum für Lohnerhöhungen.

Anschließend erwähnte Martin noch zahlreiche weitere Maßnahmen, mit denen das Arbeitskräfteproblem angegangen werden kann. Bei einigen Maßnahmen wie etwa der Erhöhung der Mobilität, einer gezielten Migration und der Erleichterung der Rückkehr von Ungarn, die gegenwärtig im Ausland arbeiten, sei auch ein Engagement des Staates notwendig. Mit Blick auf den Staat würdigte Martin im Namen der deutschen Investoren ausdrücklich die Bereitschaft der Regierung, die Lohnnebenkosten weiter zu senken, was den Unternehmen wiederum die Möglichkeit eröffne, ihren Mitarbeitern ohne Mehrkosten mehr Geld zukommen zu lassen. An die Adresse des Staates äußerte er weiterhin die Idee, bei Investitionsförderungsmaßnahmen nicht nur der bloßen Schaffung einer gewissen Zahl an Arbeitsplätzen Beachtung zu zollen, sondern verstärkt auch qualitativen Aspekten, also der Erhöhung von Effizienz und Arbeitsproduktivität.

Als zweiten Redner hätte die Botschaft keinen markanteren finden können als Jenő Grósz, den Geschäftsführer der Lidl Magyarország Bt., die in diesem Sommer mit einer 20-prozentigen Lohnerhöhung in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten war. Zunächst stellte der Lidl-Top-Manager klar, dass sich diese drastische Erhöhung nur auf die physisch tätigen seiner etwa 4.000 ungarischen Mitarbeiter bezog. Führungskräfte wären mit fünf Prozent deutlich bescheidener aus der diesjährigen Lohnrunde gegangen. Befragt nach den ersten Auswirkungen der seit 1. Juli effektiven Lohnerhöhung erklärte Grósz gegenüber der Budapester Zeitung, dass sich die Zahl der Bewerbungen seitdem spürbar erhöht habe. Unter verschiedenen Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität seines Unternehmens gab der Top-Manager ganz klar „korrekten guten Löhnen“ die Spitzenposition.

Löhne mit Augenmaß erhöhen

In der anschließenden Diskussion herrschte ein breiter Konsens in der Frage, dass bezüglich des Lohnniveaus deutlich etwas getan werden müsse. Allerdings mit Bedacht und Augenmaß. Würde nämlich zu sehr an der Lohnschraube gedreht, könnte Ungarns Wettbewerbsfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen werden. „Wo ist der Punkt, an dem es für Unternehmen nicht mehr attraktiv ist, in Ungarn zu investieren?“, stellte ein Teilnehmer die entscheidende Frage. Während bei seiner Argumentation eher die regionale und globale Wettbewerbsfähigkeit Ungarns eine Rolle spielte, dürften auch betriebswirtschaftliche Gründe gegen eine zu dynamische Lohnentwicklung sprechen. „Letztlich kann ich nur das ausgeben, was ich einnehme“, brachte es ein anderer Teilnehmer auf den Punkt.

Im Endeffekt sprachen sich die meisten Teilnehmer für moderate Lohnerhöhungen bei gleichzeitiger Ausreizung von anderen sich bietenden Möglichkeiten aus, die Mitarbeiter zu entlohnen. Das Problem bei solchen eher hybriden Lösungen sei jedoch, dass lohnwerte Zusatzleistungen von den Mitarbeitern nicht im gleichen Maße geschätzt würden wie direkte Geldzahlungen. Qualitative Add-ons würden derzeit noch immer unter Wert verkauft und dadurch für die Unternehmen weniger bewirken, als sie diese kosten. In dieser Situation wäre Aufklärung ganz wichtig. Den Mitarbeitern müsse verdeutlicht werden, dass Zusatzleistungen wie etwa Krankenversicherung oder Kinderbetreuung durchaus geldwert seien und bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitsplatz berücksichtigt werden sollten. Es müsse immer das Gesamtpaket betrachtet werden.

Gemeinsames Vorgehen bei der Popularisierung von geldwerten Zusatzleistungen

Um die Durchschlagskraft von Aufklärungsmaßnahmen in Sachen geldwerten Zusatzleistungen zu erhöhen, sollten die Firmen gemeinsam vorgehen, forderte Marie-Theres Thiell, Vorstandsvorsitzende der ELMŰ/ÉMÁSZ-Gruppe. „Wir brauchen eine auf breiter Front aufgestellte Initiative und eine gute Abstimmung untereinander“, forderte die Top-Managerin. Gegebenenfalls auch unter Beteiligung des Staates und natürlich auch mit Unterstützung der deutschen Botschaft und der DUIHK – wofür die obersten Vertreter beider Institutionen sogleich ihre Bereitschaft bekundeten.

Angetan vom Erfolg der aktuellen Veranstaltung teilte Botschafter Behr den Anwesenden in seinem Schlusswort mit, dass er plane, jetzt häufiger als bisher zu solchen Treffen in die Botschaft einzuladen. Er hatte auch gleich ein Thema und einen Termin für die kommende Wirtschaftsrunde parat: Voraussichtlich in der zweiten Januarhälfte wolle er mit den Wirtschaftsvertretern über das Thema „Modernisierungspartnerschaft Ungarn-Deutschland“ diskutieren.

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