Bei der Akademie wurden nicht nur wie gewohnt neue smarte Geräte und deren Zubehör, sondern auch eine für Ungarn neue Sportart vorgestellt: Drohnenflug-Wettkampf. Je nach Geschmack geht es in die Geschicklichkeits- oder Beschleunigungsrichtung. Bei ersterem werden Gegenstände per Drohne in der Luft transportiert und präzise an einem markierten Punkt abgesetzt; bei letzterem gibt es Zeitrennen vergleichbar jenen beim Radsport (alle Teilnehmer überwinden nacheinander dieselbe Strecke im Alleingang, am Ende gewinnt derjenige mit der schnellsten Streckenzeit).

Wie ein Falke

Die Vortragenden der im Rahmen des Drohnen- und Robotik-Tages abgehaltenen Smartphone-Akademie referierten zu verschiedensten Aspekten rund um das Thema Drohne: Falkner János Bérces etwa verglich die Fähigkeiten eines solchen modernen Fluggerätes mit denen eines Falken. So beschleunigt das Tier schneller, jedoch kann das hauptsächlich aus Metall und Kunststoff bestehende Gerät höher steigen, nämlich bis auf 6.000 Meter (im Vergleich zu immerhin 5.000 Metern beim Falken); doch beim Sturzflug in Richtung Beute ist der Vogel aus Fleisch und Blut (noch) unschlagbar – dort erreicht er Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 320 km/h. Bérces und der ungarische Falknerei-Verband setzen aber selbst auch Drohnen ein, so etwa um Falken-Populationen zu beobachten oder deren Nester zu finden. Andersherum werden dem Experten zufolge in Frankreich Falken zur Jagd auf Spionagedrohnen abgerichtet.

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„Drone Wars“: Auf dem Drone Prix Hungary präsentierte sich eine für Ungarn neue Sportart, die laut Organisatoren über riesiges Potenzial verfügt.

Der Musiker Peti Puskás nahm zuerst am Geschicklichkeits-Wettbewerb teil, bevor er seinen Vortrag für die Akademie („Wie wurde aus mir ein Drohnenpilot?“) aufzeichnete, da er direkt weiter zu einem Konzert musste. Der Herzchirurg Dr. Zsolt Prodán und der junge Universitätsdozent Tamás Haidegger präsentierten Lösungen für die Fernchirurgie („Telesurgery“) und die medizinische Robotik.

Smartphone als Fernsteuerung

Am Telenor-Stand konnte man einen kleinen Roboter auf zwei Rädern durch Hindernisse fernsteuern, 500 Spieler von jung bis alt sollen sich hierbei ausprobiert haben. „Telenor wird in Sachen Internet of Things in Zukunft aktiver werden, mobiles Internet wird in Zeiten von Industrie 4.0 immer wichtiger“, erklärte Gábor Egyed, Kommunikationsmanager bei der Telenor Magyarország Zrt. gegenüber der Budapester Zeitung am Rande der Veranstaltung. Bereits heute seien die Breitband-Möglichkeiten gegeben, um etwa den Drone Prix Hungary live über die Telenor-Applikation „MyTV“ auf Smartphones zu übertragen. „Drohnen werden immer günstiger, zum Teil, indem an der Fernbedienung gespart wird – in solchen Fällen können die Menschen ihr Telefon mit einer entsprechenden App und mobilem Netz benutzen“, so Egyed.

Unter den Ausstellern auf der Akademie waren neben den üblichen Ständen der großen Hersteller wie etwa Samsung, LG und Sony auch Segway Hungary, der Verband Ungarischer Roboter-Hersteller (wo Maschinen per Fernsteuerung auf Xylophonen musizierten), Virtual Reality-Brillen, das von Google ausgezeichnete Raumfahrzeug-Team von Puli Space mit einigen Prototypen und einem Miniatur-Mondgelände sowie die ungarische Tochter des deutschen Robotik-Herstellers KUKA Roboter vertreten. An vielen Ständen gab es Spielmöglichkeiten für Kinder, so dass die Veranstaltung neben den offensichtlichen Hi-Tech-Fans auch von vielen Familien besucht wurde. Ein kleiner Junge meinte am Puli Space-Stand mit einer Fernbedienung in der Hand zu seinem Vater: „Das ist besser als Playstation-Spielen.“

Rennen auf Neon-beleuchteter Strecke

Das Highlight des Tages war das Finale des Drone Prix Hungary, dem ersten landesweiten Drohnenrennen Ungarns. Am geschicktesten transportierte Roland Balaskó mit seiner Drohne den vorgegebenen Gegenstand von A nach B, die schnellste Zeit auf der 2.700 Quadratmeter umfassenden, in Neonfarben leuchtenden Rennstrecke erreichte István Szittya Kovács. Die Strecke, die auch die von Telenor initiierte „Hypernet-Zielgerade“ enthielt, wurde bei verdunkelter Halle zum Leuchten gebracht, die Drohnen mit LEDs hervorgehoben, damit die Zuschauer einen noch intensiveren Eindruck von der Dynamik der Flüge erhalten. Die Piloten steuerten ihre Geräte mithilfe einer virtuellen Brille, durch die sie durch das Auge der Drohne, genauer: der auf dieser installierten Kamera sahen. Das gleiche Bild wurde auch an mehreren Stellen in der Halle auf Monitore übertragen, so dass es ein Leichtes war, die Spannung der Piloten nachzuempfinden und mit zu fiebern. Bei der abschließenden Siegerehrung überreichte der weltberühmte Ehren-Schirmherr des Drone Prix Hungary, Kunstflieger Péter Besenyei den Hauptpreis an Kovács: eine 200.000 Forint kostende Drohne des Modells „Phantom“ vom chinesischen Hersteller DJI Innovations.

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Dass die Sportart Drohnenflug-Wettkampf noch an Bedeutung gewinnen wird, wurde von Gábor Fekete, Mitbegründer des Drone Prix Hungary bereits vor dem Rennen betont: in einem Interview mit dem Fachportal kreativ.hu erinnerte er an das erste Finale der amerikanischen Drone Racing League, das zwar im Stadion des berühmten American Football-Teams der Miami Dolphins, jedoch ohne Zuschauer ausgetragen wurde (was sie zum Ausrichten eines solchen Rennens in Ungarn inspirierte), aber jedoch auch an den ersten World Drone Prix im Frühling in Dubai, bei dem es bereits Zuschauer und ein Preisgeld in Höhe von 1 Mio. Dollar gab. „Die internationale Presse nennt Drohnen-Rennen wegen ihres Spektakel-Charakters und ihrer Popularität bereits die ‚Formel 1 der Zukunft’“, so Fekete. Einen großen Schritt in Richtung globaler Bekanntheit könnte das Team von Fekete selbst bald machen: ihr Ende August erfolgreich verlaufener Versuch, einen Surfer mit einer Drohne auf dem Balaton zu ziehen, wurde zur Aufnahme ins Guinness-Buch der Rekorde angemeldet.
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