Das Sehenswert-Filmfestival oder auch Szemrevaló, wie es sich auf Ungarisch nennt, ist eine Kooperation des Budapester Goethe-Institutes, des Österreichischen Kulturforums und der Schweizer Botschaft und bringt bereits im fünften Jahr in Folge neue Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in die ungarischen Kinosäle. Dabei sind nicht mehr alle Filme klar einem Produktionsland zuzuordnen: Als Symptom einer immer weiter zusammenwachsenden Welt sind auch beim Sehenswert-Festival knapp ein Drittel der gezeigten filmischen Werke Koproduktionen gleich mehrerer deutschsprachiger Länder, in einigen Fällen sogar erweitert um Ungarn oder Frankreich.

Von mutigen Dokumentationen bis hin zu nervenaufreibenden Politthrillern

Ein gutes Beispiel dafür ist etwa der Dokumentarfilm „Der zornige Buddha“ (2016). Die deutsch-österreichische Filmproduktion erzählt eine Geschichte aus Ungarn: János Orsós ist Roma und Buddhist. Inspiriert vom Aufbruch der Unberührbaren in Indien, dem Mutterland der Roma und des Buddhismus gründet er in seinem Dorf in Ostungarn eine buddhistische Schule, die es jungen Roma aus den ärmsten Verhältnissen ermöglichen soll, sich eine Chance auf ein Universitätsstudium zu eröffnen. Am 28. September läuft „Der zornige Buddha“ erstmalig in Ungarn auf dem Sehenswert-Festival in Anwesenheit der Hauptfigur János Orsós und Tibor Derdák, dem derzeitigen Direktor der buddhistischen Schule.

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Ein deutscher Regisseur erzählt eine ungarische Geschichte: Der Dokumentarfilm „Der zornige Buddha“ von Stefan Ludwig zeigt den Alltag in einer buddhistischen Schule für junge Roma in Ostungarn. (Foto: Metafilm, Tellux Film, ZDF)

Doch zunächst wird am 22. September das Festival mit der Vorführung des Filmes „Der Staat gegen Fritz Bauer“ sowie eines anschließenden Empfangs feierlich eingeläutet. Der deutsche Film aus dem Jahre 2015 ist ein Politthriller, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Die Geschichte spielt in der Nachkriegszeit und zeigt den Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der bei seiner Aufgabe die Verbrecher der Nazizeit vor Gericht zu stellen, auf behördliche und gesellschaftliche Widerstände stößt. Der Film von Regisseur Lars Kraume wurde unter anderem bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Filmpreises mit der Goldenen Lola als Bester Film sowie in fünf weiteren Kategorien ausgezeichnet.

Programmhöhepunkt: „Toni Erdmann“

Als größte Sensation des Festivals wird die Vorführung des Films „Toni Erdmann“ gefeiert. Nach einer Durststrecke von acht Jahren war es dieser Film, der es in diesem Jahr als erster deutscher Film wieder in das Wettbewerbsprogramm von Cannes schaffte.

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Maren Ades „Toni Erdmann“ lief noch im Mai im Wettbewerb von Cannes, am kommenden Freitag ist das komödiantische Familiendrama beim Sehenswert-Festival in Budapest zu sehen. (Foto: Komplizen Film)

Er erzählt die Geschichte des Alt-68ers Winfried Conradi, der nach Bukarest reist und sich als Toni Erdmann ausgibt, um die Beziehung zu seiner Tochter Ines, einer erfolgreichen Unternehmensberaterin, wiederherzustellen. Das Leben von Vater und Tochter nimmt dadurch eine unerwartete Wendung. Mit „Toni Erdmann“ schuf die deutsche Drehbuchautorin Maren Ade ein komödiantisches Familiendrama, das für die deutsche Kinolandschaft höchst ungewöhnlich ist. Es zeigt nicht nur die komplizierten Verstrickungen des Familienlebens, sondern auch die feinen Nuancen der Ausbeutungsmechanismen des Raubtierkapitalismus.

Begleitprogramme

Als Bonus für die Budapester Zuschauer wird es im Anschluss an acht der insgesamt 35 geplanten Vorstellungen Diskussionen mit Regisseuren, Darstellern und weiteren Filmschaffenden geben: So wird beispielsweise Maria Schrader erwartet, die Regie für den Film „Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika“ (2016) führte, der Episoden aus dem Leben des Schriftstellers behandelt, unter anderem dessen Verfolgung durch die Nazis, die ihn 1934 zunächst ins Exil und acht Jahre später in den Selbstmord trieb. Am 30. September gibt sich die österreichische Filmregisseurin Mirjam Unger auf dem Sehenswert-Festival die Ehre. Die 46-Jährige stellt ihren Film „Maikäfer flieg!“ (2016) vor, der den Alltag in der von Russland besetzten Zone kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus der Sicht eines neunjährigen Mädchens schildert.

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„Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika“ zeigt Episoden aus den letzten Jahren des berühmten österreichischen Schriftstellers. (Foto: X Verleih)

Wie bereits in den Vorjahren wird das Festival auch heuer wieder parallel in vier ungarischen Großstädten stattfinden: Das sind neben der Hauptstadt Budapest auch Szeged, Debrecen und Pécs. Hier wird jedoch nur eine eingeschränkte Auswahl der Filme laufen.

Weitere Informationen zum Festival finden Sie unter www.szemrevalofesztival.hu und auf der Facebookseite des Events unter www.facebook.com/szemrevalo. Tickets zu den verschiedenen Vorstellungen sind für 1.100 Forint pro Ticket an den Vorverkaufsstellen des Művész mozi sowie online unter www.muveszmozi.hu erhältlich.
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