Die Veranstaltung eröffnete DUIHK-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Narbeshuber, Geschäftsführer der BASF Kft., der in der Kammer den Arbeitskreis „Innovation“ leitet. Anschließend referierte Zeitler über innovative Kooperationen zwischen Großunternehmen, Universitäten, Forschungsinstituten und Start-ups sowie die von Siemens in diesem Bereich gesammelten Erfahrungen.

Um nachhaltig konkurrenzfähig zu bleiben, setzt das Unternehmen auf ungarische Start-ups und Universitäten, denn diese seien in Sachen Innovation unumgänglich. Siemens gründet nicht nur mit kreativen Köpfen Start-ups, das Unternehmen integriert diese auch oder beteiligt sich als Investor. Die Start-ups selbst profitieren durch den Zugang zu Fachkompetenzen im industriellen, technologischen und Fertigungsbereich sowie den Kontakt mit Siemens-Kunden, so Zeitler.

Doch nicht nur Kooperationen mit Start-ups sondern auch mit Universitäten führen zu Win-win-Situationen. Das deutsche Unternehmen hat weltweit 25 Partneruniversitäten, mit denen es gemeinsam forscht, so etwa das Karlsruher Institut für Technologie, die TU Wien und das Massachusetts Institute of Technology (MIT). In Ungarn bestehen zwischen Universitäten und Unternehmen Kooperationsvereinbarungen, die übrigens – so empfahl Zeitler – auch Geheimhaltungsklauseln zu Forschungsergebnissen regeln sollten. Hier stelle die Forschung für Unternehmen einen wichtigen Nebenerwerb dar, erzählte Zeitler aus der Praxis: „Viele Wissenschaftler suchen Unternehmen, die die Forschung mitfinanzieren, da die eigene Mittelausstattung und die staatliche Förderungen oft unzureichend sind.“

Wissenschaftliches Projektmanagement gefragt

Unternehmen müssen dabei einige Besonderheiten beachten. So kann nicht erwartet werden, dass Universitäten die notwendigen Mittel aufbringen können, diese müsse zuerst meist Siemens bereitstellen, berichtete Zeitler. Außerdem seien Wissenschaftler keine Projektleiter, Lehrstühle können wiederum keine Projektmanager einstellen. Universitäten als Geschäftspartner stellen daher für Unternehmen oft eine kleine Herausforderung dar. Staatliche Programme fördern zurzeit nur einzelne konkrete Projekte und nicht die Entwicklung von Managementkapazitäten. Siemens will daher ein Training anbieten, in dessen Kontext ein einheitlicher Standard für Kooperationen eingeführt, Verhaltenskodexe festgelegt und rechtliche Rahmen abgesteckt werden sollen.

Für Unternehmen sind dem Manager zufolge studentische Projekte spannend, da sie so mit jungen, talentierten Menschen in Kontakt kommen und sich kompetente Mitarbeiter finden lassen, was Assessment-Center erübrigen würde. „Die Zeit, in der man am besten mit jemanden zusammen arbeiten kann, ist am Ende des Studiums. Man hat dann noch keine Grenzen im Kopf“, betonte er. Abschließend hielt Zeitler fest: „Eine Kooperation mit Universitäten und Start-ups stellt immer eine Investition dar. Daran sollte man beim Erwägen von Kürzungen der Zuwendungen an Hochschulen denken – schließlich entstehen durch diese Symbiose neue Arbeitsplätze.“

Zeitler selbst kam bereits als Student mit Siemens in Kontakt. Er hat an einem von Siemens finanzierten Projekt mitgearbeitet, in dessen Rahmen in Budapest ein Solarhaus errichtet wurde, dessen Nachbau in Spanien steht. Vier Mitarbeiter aus seinem aktuellen Team stammen laut Zeitler aus solchen Projekten.

Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Die Oppositionsseite / Kommentar zur Korruption in Ungarn

Der Ungar stiehlt nicht, er ist nur abenteuerlustig

Geschrieben von Árpád W. Tóta

Warum auch nicht, gibt es doch so gut wie keine Strafverfolgung. Die Polizei stellte die…

Limonaden aus Ungarn für Ungarn

Erfrischende Alternativen

Geschrieben von Andrea Ungvari

Mit der Tikkadt-Szöcske-Cola brachten Martin Neumann und seine Frau Edit Neumann-Bódi 2015 die erste…

Empathy Café und Bistro im V. Bezirk

„Wir wollen die Leute an einem Tisch zusammenbringen“

Geschrieben von Katrin Holtz

Nackte Ziegelwände, schickes Holzmobiliar, ein modisches Metallkonstrukt über der Theke und über…