Dabei hatte der Besucher bei 164 Ausstellern und über 140 verschiedenen Rebsorten aus 22 historischen Weinregionen die Qual der Wahl. Um sich nicht in der Vielfalt an Angeboten zu verlieren, sorgten thematische Weinrouten, wie etwa der Tokaji Udvar (Tokajer-Hof) oder Egri Csillag Sétány (Promenade der Sterne von Eger) für mehr Übersichtlichkeit. Wer abseits der berühmten Weinrouten etwas Neues in der Welt des Weines entdecken wollte, der kam auch in dieser Hinsicht auf seine Kosten.

Von „Marilyn Morról“ bis „Depes Mór“

Die Weine der Winzerei „Miklóscsabi pincéje“ aus der Region Mór springen einem nicht nur optisch sofort ins Auge – auch ihre Namen haben hohen Unterhaltungs- und Wiedererkennungswert. So heißt ein Weißwein der Rebsorte „királyleányka“ (dt.: „die Tochter des Königs“) in Anlehnung an Hollywoods berühmteste Blondine „Marilyn Morról“ (dt.: „Marilyn aus Mór“) und ein anderer nur schlicht „Demi“. Das Layout des Flaschenetiketts, das einen Stern vom Walk of fame abbildet, lässt darauf schließen um welche Demi es sich handeln könnte. Auch andere Wortspiele wie etwa der cuvée „Depes Mór“ oder das Ehepaar blanc – er, (dt.: Herr Blanc) – ein Pinot Blanc – und Blancné (dt.: Frau Blanc) – ein Sauvignon Blanc –, zeugen vom Ideenreichtum und der Kreativität des Winzers Miklós Csabi.

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Sein Konzept besteht jedoch nicht nur aus modern gestalteten Etiketts und humorvollen Namensgebungen. Als studierter Önologe fühlt er sich besonders der Qualität seiner Weine wie auch der historischen Weinregion Mór verpflichtet. Den starken regionalen Bezug merkt man besonders in seiner Weinbar in Mór, in welcher er die Gäste dazu einlädt, seine Weine zu verköstigen und die schöne Landschaft Mórs zu entdecken.

Nicht nur die Schönheit, auch das milde Klima Mórs führten in diesem Jahr dazu, dass einer der Weine besonders gut gelang: der Weißwein der Rebsorte ezerjó (dt.: Tausendgut) namens „ezredes“ (dt.: Oberst) – benannt nach Miklós Csabis Vater, der früher Oberst bei der Feuerwehr war. Zum Feuerlöschen wäre dieser gute Tropfen aber nicht nur ungeeignet, sondern auch viel zu schade. Informationen zur Winzerei „miklóscsabi pincéje“ finden Sie in unserem Infokasten.

Bewusstsein für biologische und hochwertig erzeugte Produkte schaffen

Neben modernen Konzepten im Bereich des Weinmarketings konnte man bei Weinfestival auch einen weiteren Trend ausmachen. Am Stand der bekannten Winzerei „Malatinszky Kúria“ macht die Bezeichnung „Organic Wine“, also biologisch angebauter Wein, neugierig. Der Winzer Csaba Malatinszky, der vor 25 Jahren die erste Vinothek in Budapest eröffnet hat, gibt gerne selbst Auskunft darüber, wie er zum Anbau von Bio-Weinen kam.

Nachdem der Winzer mit 500jähriger Familientradition im Weinanbau 1997 sein Anwesen in Villány gekauft hat, begann er zunächst mit dem biologischen Anbau von Obst und Gemüse, was in der Region sehr gute Resonanz fand. Später kamen selbst hergestellte Produkte aus Lavendel und Rosmarin hinzu, die er immer weiter verfeinerte. Außerdem erweiterte er die Produktpalette immer weiter. Bedingt durch die eigene gesunde Lebensweise und seinem Anspruch, in Ungarn ein Bewusstsein für biologische und hochwertig erzeugte Produkte zu schaffen, stellte er 2009 auf biologischen Weinanbau um.

Seither erfreuen sich seine Bio-Weine nicht nur in Ungarn großer Beliebtheit, sie wurden auch schon mehrfach international prämiert. Allein in diesem Jahr erhielten zwei Rotweine der Sorte Cabernet Franc und zwei weiße Chardonnay Gold in der Kategorie „Organic Wineries of the Year 2016”. Und Serena Noblesse, ein ebenfalls ökologisch angebauter Weißwein, wurde 2010 vom britischen Weinmagazin Decanter als „Best old world white” gewürdigt. Wer diesen aromatischen und im Nachgang leicht salzigen Bio-Weißwein selbst probieren möchte, der findet Malatinszkys Weinladen in Budapest unter folgender Adresse: Malatinszky Wine Store, József Attila utca 12, 1051 Budapest. Informationen zur Möglichkeit der Weinverkostung auf seinem Anwesen in Villány finden Sie unter www.malatinszky.hu.

Man darf gespannt sein, welche Trends sich im nächsten Jahr auf dem Weinfestival abzeichnen. Eines ist jedoch schon jetzt sicher: Neben den traditionellen und altbekannten Winzereien werden solche mit innovativen Konzepten und alternativen Anbauformen immer beliebter in Ungarn.

Miklós Pince

Ezerjó utca 3

8060 Mór

www.mikloscsabi.com

facebook/mikloscsabi

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