Die Regierung unternimmt große Anstrengungen in diese Richtung. Mit dem Programm „Digitales Ungarn“ und dem „Digitalen Wohlstandsprogramm“ wurde diese Aufgabe zum strategischen Regierungsziel erklärt. Regierungsbeauftragter Tamás Deutsch zeichnet für dessen Erfüllung verantwortlich. Zugleich gibt es heute noch keinerlei statistische Daten darüber, wie viele Start-ups und Jungunternehmen es in Ungarn gibt, heißt es in einer Mitteilung von Infotér. Die Budapester Zeitung hatte im vergangenen Jahr auf Anfrage beim ungarischen Statistikamt (KSH) dieselbe Antwort erhalten: man könne deshalb keine Zahl nennen, da sich anhand der Firmengröße, Umsätze u.ä. nicht feststellen lässt, welches (Klein-)Unternehmen in diese Kategorie gehört. Laut Infotér gestaltet sich die Definition als schwierig, weshalb man bei den Grundlagen beginnen müsse.

So präsentierte Szakolyi mit Zoltán Ács, dem Leiter des Design Terminal-Inkubators und Koordinator der jüngst angenommenen staatlichen Digitalen Start-up-Strategie ebendiese. Hier erreiche man bis September zwei wichtige Meilensteine: es soll eine aktuelle Situationsanalyse über Unternehmen und Unternehmer entstehen, die als Start-up funktionieren. „Zudem soll eine verwaltungstechnische Übersicht erstellt werden, die die besten internationalen Beispiele von Ökosystem-Entwicklungen betrachtet“, so Szakolyi. Danach werden ein eindeutiges Ziel und der Rahmen zur Entwicklung des heimischen Ökosystems festgelegt. Dabei will die Strategie Budapest und Umgebung auf der Landkarte internationaler Start-up-Zentren verankern.

Portugal als Vorbild

„Nicht immer verwenden wir den Begriff ‚Start-up‘ richtig. Im Allgemeinen geht es um junge Unternehmen mit großem Wachstumspotenzial, die von Innovation in Sachen Produkt- oder Geschäftsmodell geprägt sind“, definierte der Infotér-Experte und hob hervor, dass diese Firmen oft den internationalen Markt anvisieren. Die erfolgreichsten ungarischen Beispiele seien Prezi, Ustream, LogMeIn und IND. Trotz globalem Erfolg würden sie in Ungarn Arbeitsplätze schaffen und Steuer zahlen.

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Frachtverkehr als Wirtschaftsfaktor: Weltweit steige laut der Budapest Airport Zrt.

das Interesse an schnellen Frachttransporten.

Ács erklärte: „Unter den Ländern mit ähnlicher Ausgangslage ist das staatliche Engagement in Chile, Estland und Portugal am erfolgreichsten. In Portugal erreichen die Business Angel-Investitionen 60 Prozent derer in Deutschland.“ Das Land verfügt über neunmal so viele Start-ups wie Ungarn, daher wolle der ungarische Staat vor allem die Lust zum Unternehmertum steigern. „Das ist nicht nur eine Frage der Regelung, sondern auch der Kultur. Für das erstere kann der Staat etwas tun, für letzteres ist ein Wissenstransfer nötig, zu dem auch Infotér und Design Terminal einen Beitrag leisten können“, so der Experte. Ferner müssten die 30-40-Jährigen einbezogen werden, da diese über ein großes kreatives Potenzial verfügen.

Visum für IT-Experten

Weiterhin soll ein „Budapest Makers“ genanntes Portal entstehen, das die für angehende Start-ups und auch Investoren wichtigen Informationen und Themen bündelt. Zudem sollen Steuervergünstigungen für Anleger eingeführt und Co-Investment-Schemen entworfen werden, in denen auch der Staat ein möglicher Investor sein kann. Und um dem herrschenden Fachkräftemangel zu begegnen, sollen sämtliche IT-basierte Unternehmen unterstützt werden, die „besondere Wachstumsprognosen“ haben. Eine gewaltige Aufgabe, denn laut Angaben von Infotér fehlen Ungarn 22.000 Programmierer, nicht zuletzt, weil diese in England oder Deutschland zum Teil das Zehnfache verdienen. Daher soll eine Art „Start-up-Visum“ zum Anlocken von Fachleuten aus aller Welt geschaffen werden.
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