Imre Szigeti ist geborener Ungar, doch in seinen frühen Zwanzigern zog es ihn ins Ausland. „Eigentlich wollte ich nach Amerika, aber ich bin in Deutschland hängen geblieben. Genau genommen in München – dort gab es schon damals viele Ungarn”, berichtet der heute Mittvierziger. „Ich besuchte regelmäßig die ungarischen Tanzhäuser und lernte so auch meine Frau kennen.” Imre Szigeti blieb daher lange in München. Eine Sprachbarriere gab es nicht, denn zu seiner Schulzeit lernte man in Ungarn als erste Fremdsprache noch Deutsch. Studieren wollte er in Deutschland nicht, aber eine Familie gründen. „Mit meiner vierköpfigen Familie war ich glücklich, aber ich wusste damals noch nicht, wie wichtig mir meine Heimat ist und wie sehr, ich sie schon bald vermissen sollte. Mit den Jahren sehnte ich mich mehr und mehr nach Ungarn, doch meine Frau und Söhne wollten leider nicht mitkommen”, erzählt Imre.

Mit Mut wieder in die Heimat

Nachdem seine Kinder erwachsen waren, wagte er alleine den Schritt zurück in seine Heimat. Imre Szigeti war es satt, jeden Tag zu festen Zeiten zur Arbeit zu gehen und dem nächsten Freitag entgegen zu harren. Von seiner Arbeit bekam er eine kleine Abfindung, die er sich mit seiner Frau teilte. Mit nur 8.000 Euro beschloss er, zurück in seine Heimat zu gehen und ein neues Leben zu beginnen. Aus der Metropole wollte er nun aufs Land. Trotzdem war es ihm wichtig, schnell in der Stadt zu sein, um regelmäßig das Theater, Konzerte und Tanzabende besuchen zu können. „Ich reiste für ein paar Tage nach Ungarn und schaute mir in der Baranya-Gegend verschiedene Häuser an. Erstaunlich schnell fand ich dann meinen Hof”, erzählt er.

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Imre hat eigentlich schon immer davon geträumt, sich selber versorgen zu können. Gemüse und Obst anzubauen, ein paar Tiere zu halten und so einen gesunden Lebensstil nach eigenen Maßstäben führen zu können. „Schnell hatte ich mich für diesen Hof entschieden, obwohl ich wusste, dass viel Arbeit getan werden muss, damit in den Ställen wieder Tiere und in den drei Häusern wieder Menschen leben können”, erinnert sich Imre. „Auf meinen kleinen Hof kann ich ein Leben führen, wie es vor ein paar Hundert Jahren üblich war. Von Frühjahr bis Herbst stelle ich das Essen her, mit dem ich über den Winter komme. Heute kann ich sagen, dass es zwar harte körperliche Arbeit ist, aber Spaß macht und funktioniert.”

Im Dorf wäscht eine Hand die andere

Die Dorfgemeinde hat den Neuling mit Wohlwollen aufgenommen. Heute hat Imre das Gehöft fast vollständig restauriert. Nicht alle Arbeit konnte er selber verrichten. Er engagierte einen Gehilfen. Doch neben einem zusätzlichen Paar Hände fehlte Imre manchmal auch das notwendige Hintergrundwissen. In Erdősmecske ist es aber zum Glück noch üblich, sich zu helfen. So unterstützte ihn der Nachbar bei Reparaturen am Dach und dem Verputzen der Lehmmauern des Ziegenstalls.

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Hühner, Hasen, Gänse, Schafe und Ziegen: Aus alle Ecken des Bauernhofes grunzt und quiekt und meckert es in einem fort.

Schnell konnte der frischgebackene Bauer das erste Tier anschaffen, dann ein zweites und ein drittes, bald waren auch die ersten Bäume gepflanzt und Gemüse angebaut. Seine Tiere und Pflanzen hat der Ungar mit viel Bedacht ausgesucht: Neben regulärem Gemüse und Obst, bemüht er sich, historische Sorten fachgerecht anzupflanzen. Zudem gehört ihm in Laufnähe ein kleines Sommerhäuschen mit Weinkeller. Direkt bei den Reben stellt er Jahr für Jahr seinen hauseigenen Biowein für den privaten Genuss her.

„Bei der richtigen Pflege läuft heute alles von selber. Bis auf Brot, Salz und Pfeffer muss ich nichts mehr einkaufen. Trotzdem würde ich sagen, dass mein Hof nach sechs Jahren noch nicht ganz fertig ist”, resümiert der Selbstversorger. Das nächste Projekt wird ein Brotofen und ein weiterer Stall sein. Wenn dieser fertig ist, werden eine Kuh und ein Pferd einziehen. Auf diesem möchte nicht nur Imre, sondern sollen auch seine Gäste reiten.

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Auch Wein baut Bauer Imre an – aber leider nur für den Eigenbedarf.

Urlaub auf dem Hof

Der Gedanke, Gäste auf seinem Anwesen zu beherbergen, kam erst mit der Zeit. „Damit ich alle Ställe nutzen konnte, musste ich auch die zwei anderen Wohnhäuser kaufen. Ich möchte nicht, dass diese beiden schönen Lehmhäuser leer stehen, deshalb vermiete ich sie an Feriengäste”, erklärt Imre Szigeti. „Mein Wohnhaus ist ein bisschen abgelegen, sodass man sich selten über den Weg läuft.” Im rustikalen Landhausstil hat er die Unterkünfte eingerichtet. Zu jedem Möbelstück, jeder Tischdecke und jedem Foto hat Imre Szigeti eine Geschichte zu erzählen. Inzwischen sind die Urlaubshäuser gut besucht, sogar ein paar Stammgäste gibt es schon. In den Lehmhäusern ist es auch an heißen, ungarischen Sommertagen angenehm kühl. Aus den Fenstern schaut man auf endlos erscheinende Natur, kann zu einem See wandern und die nah gelegene Weinhochburg Villány oder die Stadt Pécs besuchen. Einen Bauernhof wie man ihn vom Kinderurlaub aus Deutschland kennt, kann man zwar bei Imre nicht antreffen. Dafür aber eine Oase der Ruhe am letzten Zipfel eines Dorfes bei den Donauschwaben. Imre pflegt seinen Hof mit Leidenschaft, das merkt man nicht nur an der Auswahl des Anbaus und der besonderen Rassen der handzahmen Tiere, sondern auch an der Einrichtung der Häuser und der Nutzung des Geländes.

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Aus der Zeit gefallen: Die Unterkünfte auf dem Bauernhof sind im rustikalen Landhausstil eingerichtet.

Imre Szigetis Ferienbauernhof

7723 Erdősmecske, Petőfi utca 1

Anfragen unter (+36-30) 915-6810 oder info.vendeghaz@gmail.com

Weitere Informationen finden Sie auf www.erdosmecske-vendeghaz.hu

Preise:

Urlaubsunterkunft (ganzes Haus) für zwei Personen: 23 bis 30 Euro pro Nacht, jede zusätzliche Person je 10 Euro mehr

Fahrradverleih: 2 Euro pro Tag (6 bis 8 Erwachsenen- und Kinderfahrräder stehen zur Verfügung)

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