Musiker wird man nicht im Handumdrehen. Meistens jedenfalls nicht. Manche haben schon in ihrer Kindheit angefangen, Instrumente zu spielen und ihre Stimmbänder auf kleinen Bühnen auszutesten. Es gibt aber auch Spätzünder. So wie Dániel Micsoda, der sich unter seinem Künstlernamen Zanzinger in der ungarischen und auch internationalen Musikszene einen Namen machen möchte. „Ich habe echt sehr spät angefangen, Musik zu machen“, gibt er zu. Erst als er vom Süden Ungarns nach Budapest für ein Medienstudium zog, fing er an, Lieder zu schreiben und in die Gitarrensaiten zu hauen. Beigebracht habe er sich das alles selbst. „Mit dem Internet ist das ja heute alles ganz einfach“, sagt er locker, während er einen Schluck Limonade nimmt. Seit vergangenem Jahr arbeitet er nun an seiner noch jungen Karriere. Sein Repertoire hält sich noch in Grenzen. „Ich habe bisher noch nichts produziert, mit dem ich hundertprozentig zufrieden bin“, sagt er selbstkritisch. Doch das, was bisher auf Onlineportalen zu hören ist, ist gut gemachter Folk, gepaart mit Jazz, Indie und Blues.

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Nicht unbedingt radiotauglich: In Zanzingers Text kann es schon mal etwas ungeziemt zugehen. Auch vor politischen Statements schreckt der junge Musiker nicht zurück.

Diesen interessanten Mix der Musikrichtungen habe er sich jedoch gar nicht gezielt ausgesucht. „Als ich angefangen habe, mir das Gitarrespielen beizubringen, war Folkmusik sehr einsteigerfreundlich“, erklärt Micsoda. Mit der Zeit haben dann andere musikalische Elemente in seine Musik Einzug gefunden. Er selbst beschreibt seine künstlerischen Werke als experimentell und nicht als unbedingt die Art von Musik, die im Radio rauf- und runterlaufen würde. Doch das solle so bleiben. Mit manchen Songtiteln gebe es wohl auch Probleme bei den Radioanstalten. Ein Lied von Zanzinger heißt „The Country and the Cunt“, was übersetzt so viel heißt wie „Das Land und die Möse“.

Politische Statements in Songtexten

Wer bei diesem Lied an schlechten amerikanischen Rap denkt, der mehr Schimpfwörter als andere Ausdrücke beinhaltet, liegt falsch. Der Song handelt von einer Welt, in der man es nicht bis ganz nach oben schaffen kann, ohne korrupt zu sein. Die Textzeile „Indeed it’s a good place for ten million slaves”, also „Tatsächlich ist es ein guter Ort für zehn Millionen Sklaven”, lässt erkennen, um welches Land es sich in dem Lied handelt. Nämlich um Ungarn. „Manchmal denke ich, dass gewisse Sachen ausgesprochen werden müssen, mit der Hoffnung, dass andere diese Nachricht in meinen Liedern verstehen“, so Micsoda.

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Kann man davon leben? Zanzinger kann nach eigenen Aussagen zumindest sein Studium von der Musik finanzieren. (Foto: Gábor Jim Bátori)

In seinen anderen Werken geht es ebenfalls nicht gerade fröhlich zu. Wie er selbst sagt, besinge er „die harsche Seite des Lebens“. „Das ist ein bisschen so wie in den Hollywoodfilmen“, sagt der Sänger. In Wirklichkeit gehe es aber um persönliche Erfahrungen, die er im Leben gemacht habe. So erinnert er sich zum Beispiel daran, wie aus einer schweren Niederlage, die er nicht näher erläutern will, innerhalb von kürzester Zeit ein Song entstand. „Für das Texten habe ich mich oft in die Bibliothek gesetzt, dort schreibt es sich wunderbar“, fügt er hinzu. Wenn Dániel Micsoda nicht singt, managt er mit zwei Freunden ein Plattenlabel namens „Lone Waltz Records“. „Ich denke, unser Label schafft es, meiner Musik einen roten Faden und eine bessere Qualität zu geben“, meint der junge Student. Das Label unterstützt neben Zanzinger drei andere Musiker und Bands aus Budapest. Der Fokus: Indie-Musik.

Debütalbum im Herbst

Von seiner Musik kann Micsoda sein Studium nach eigener Aussage „ganz gut“ finanzieren. „Als junger Musiker lebt es sich in Ungarn nicht anders als sonst wo auf der Welt“, meint er. Nebenbei ist er als Fotograf und Filmemacher für die Werbung unterwegs. Doch sein Ziel für die Zukunft ist es, in der Musikbranche Fuß zu fassen und sich von anderen Künstlern abzuheben. „Wir werden bald einen Song in einer Kapelle aufnehmen, das Publikum darf Teil des Lieds werden“, berichtet er stolz. Über diese musikalische Aktion wird es auch eine Videodokumentation geben. Alles, was Zanzinger während der vergangenen Monate produziert hat, soll im kommenden Herbst auf einem Album erscheinen. „Wie das Album genau sein wird, bleibt aber mein Geheimnis“, fügt der Musiker hinzu. Das ist mindestens so geheimnisvoll wie die Geburtsstadt des Künstlers. Die möchte er nämlich nicht verraten. Warum? Auch das verrät er nicht. Doch darum geht es bei Dániel Micsoda, alias Zanzinger, ja auch gar nicht. Bei ihm geht es um die Musik. Und die ist für einen Musiker, der fast im Handumdrehen diese Karriere eingeschlagen hat, überraschend gut. Wie gut, das wird man bald auf dem ersten Album des jungen Künstlers erfahren. Mit Folkmusik auf internationalem Niveau ist Zanzinger auf jeden Fall auf einem guten Weg, Budapest als Künstlerstadt weiter bekannt zu machen.
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