Herr Volom, was machen ein paar politikbegeisterte Teenager in den Vereinten Nationen?

Das UN-Jugenddelegierten-Programm wurde von den Vereinten Nationen in den 80er-Jahren durch einen UN-Beschluss in Gang gesetzt. Der Beschluss besagt, dass jeder Mitgliedstaat im jährlichen Zyklus einen Jugenddelegierten in etliche Ausschüsse, darunter ins Social, Humanitarian & Cultural – Third Committee, entsenden kann. Seit einem erneuten UN-Beschluss im Jahr 1995 ist die Teilnahme der Weltjugend an den Entscheidungsprozessen zum wichtigsten Ziel der Initiative geworden. Diese Priorität betonte auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der auf die Bedeutung der heutigen Jugend und ihre erhebliche Ideenvielfalt hingewiesen hat. Die jüngere Generation könne durch eine besondere Perspektive neue Lösungswege für aktuelle Herausforderungen aufzeigen, die allzu oft anderen älteren Akteuren aufgrund gesellschaftlicher Konventionen verschlossen bleiben.

Und inwieweit engagiert sich Ungarn derzeit in diesem UN-Programm?

Nach einem fünfjährigen Vorlauf scheint endlich der jetzige Versuch zu klappen, da wir in den letzten Monaten ein notwendiges Begleitsystem beim ungarischen Außenministerium aufbauen konnten, in dessen Rahmen das Programm laufen kann. Im Herbst werde ich Ungarn vertreten, bevor im direkten Anschluss im Januar 2017 das Bewerbungsverfahren startet, um einen Nachfolger und eine Nachfolgerin auszuwählen. Sie werden der ungarischen Jugend nicht nur im „Dritten Komitee“, sondern auch im Ausschuss für „Social Development“ eine globale Stimme sichern.

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Lebendiger Dialog mit der Jugend: Laut Volom ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Jugenddelegierten, im regen Austausch mit den Heranwachsenden zu stehen.

Zur Quintessenz des Programms gehört es auch, dass die jeweilige Jugendvertretung nicht nur das Land repräsentiert, sondern vor Beginn seines Mandats sich mit der Lage der Jugendlichen sowie den Herausforderungen der verschiedenen gesellschaftlichen Milieus auseinandersetzt, indem sie durch das Land reisen und einen intensiven Kontakt zur Generation der Heranwachsenden pflegen. Nach Absprache mit dem Außenministerium werden die wichtigsten Anliegen der Jugend in den UN-Ausschusssitzungen im Oktober und im Februar, aber auch bei anderen relevanten Treffen vorgestellt. Anschließend gibt es noch viele Veranstaltungen wie etwa das EYE in Straßburg, bei denen die Delegierten berichten können.

Welchen Schwierigkeiten begegnet das Programm?

Vor allem die Finanzierung stellt eine Herausforderung dar. Die anfallenden Kosten der Delegierten können nur durch Crowdfunding oder begeisterte Sponsoren finanziert werden. Die professionelle Unterstützung des Auswärtigen Amts, das den Delegierten ein vorbereitendes Praktikum anbietet, ist ein großer Beitrag zum Gelingen des Projekts.

Inwiefern sind die Jungenddelegierten unabhängige Akteure gemäß dem Anspruch auf eine echte Stimme der Jugend?

Die Jugenddelegierten verfügen über eine in vieler Hinsicht sehr bereichernde Perspektive, da sie aus der Sicht der Jugend heraus und im gleichzeitigen Einklang mit der Politik des Staates zu neuen Herangehensweisen auf dem Weg hin zur Verwirklichung der UN-Zielsetzungen führen. Unser Ziel ist es, dass das ungarische Delegiertenprogramm und die dahinterstehende Organisation – der UN-Jugendverein von Ungarn – von der Jugend Ungarns als eine Plattform wahrgenommen wird, hinter der unter anderem der UN-Beauftragte für Jugend steht und die eine erhebliche Einflussnahme auf globale Diskurse durch lokalen Austausch ermöglicht.

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Volom über die „Holnap“-Initiative: „Wir wollen ungarische Jugendliche motivieren, eigene Mikro-Projekte zum Thema Nachhaltigkeit umzusetzen.“

Die von den Jugenddelegierten verfassten Berichte und eine regelmäßige Kontaktaufnahme mit der Jugend zwecks eines lebendigen Dialogs über die sie betreffenden Entscheidungen bilden deshalb die zentralen Aktivitäten der Delegierten. Wir bemühen uns sehr darum, möglichst viele Möglichkeiten für einen inhaltsreichen Austausch zu bieten. Zu diesem Zweck dient auch der Ausbau des UN-Jugendvereins in Ungarn, der die bereits existierenden Strukturen von internationalen Jugendorganisationen in Ungarn bestens ergänzt und sie fördert, um die Jugend auf für Ungarn relevante globale Themen aufmerksam zu machen.

Auf welchem Weg möchten Sie die ungarische Jugend erreichen?

Wir wollen dem Übergewicht der Hauptstadt entgegenwirken und unser Augenmerk auch auf das „Land“ richten. Es ist schade, dass viele talentierte Jugendliche nicht immer Zugang zu bestimmten Diskursen haben, nur weil sie nicht in Budapest wohnen. Deshalb wird der UN-Jugendverein in vielen anderen Städten präsent sein und seine Arbeit durch Webseiten, soziale Medien und Foren sowie MUN-Konferenzen – und zwar auf Ungarisch – vertiefen.

…und nicht zuletzt auch durch die gesellschaftliche Initiative „Holnap“.

Genau! Während eines UNESCO-Jugendforums, an dem ich im Oktober letzten Jahres teilnahm, kam die Anregung, eine eigene Initiative umzusetzen. Das aus mehreren Etappen bestehende Projekt hat in erster Linie zum Ziel, ungarische Jugendliche zur lokalen Verwirklichung von eigenen Mikro-Projekten zum Thema Nachhaltigkeit zu motivieren. Die Jugendgruppen von „Holnap“ organisieren Veranstaltungen sowie Jugendforen zum Thema Nachhaltigkeit vor Ort in den sieben größten Städten Ungarns. Die „Holnap“-Initiative dient auch als eine Plattform fürs Networking. Sie soll weiterhin der inhaltlichen Auseinandersetzungen und Diskussion Raum bieten, aber auch die tatsächliche Umsetzung und Vernetzung von Nachhaltigkeitsprojekten in den ungarischen lokalen Gemeinschaften fördern. Unter Nachhaltigkeit verstehen wir die umweltbedingte, soziale, wirtschaftliche und bildungspolitische Entwicklung einer jeden Gemeinschaft. Der Nachhaltigkeitsplan, der nach den lokalen Holnap-Veranstaltungen auf einem landesweiten Jugendforum von den Jugendvereinen gemeinsam entworfen wird, wird im vorletzten Schritt dem Ausschuss für nachhaltige Entwicklung des ungarischen Parlaments vorgelegt und anschließend diskutiert. Zum Schluss sollen die Projekte mithilfe der lokalen Mentoren in den sieben größten Städten umgesetzt werden. Wie viele Initiativen begegnen auch wir immer wieder Schwierigkeiten im Projektmanagement, weshalb wir uns auch sehr über Interessenten freuen und neue Ideen sowie Anregungen zu jeder Zeit gerne entgegennehmen! Die Nachhaltigkeit zählt!

Das Interview führte Márk Gyöngyösi

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