Wie hat sich die Bauwirtschaft seit der Gründung Ihres Unternehmens im Jahr 2007 entwickelt?

Der ungarischen Bauwirtschaft ging es zur Zeit unserer Gründung Anfang des Jahres 2007 noch sehr gut. Zur damaligen Zeit war genug Arbeit am Markt vorhanden. Allerdings hatten wir um diese Zeit mit einer schlechten Zahlungsmoral unserer Kunden zu kämpfen. Das Problem mit der sogenannten Kettenverschuldung der Unternehmen hat sich aber heute dank verschiedener Maßnahmen der Regierung wesentlich verbessert. In unserem umsatzstärksten Jahr 2008 konnten wir über 500.000 Kubikmeter Transportbeton verkaufen. Zwei Jahre später war dieser Wert nur noch halb so groß. Das Bauvolumen hatte sich während der Krise in Ungarn enorm verringert, wobei dies vor allem den Großraum Budapest betraf. Hier hatte die ungarische Bauindustrie Rückgänge von bis zu 60-70 % zu verkraften.

Wie haben Sie das Unternehmen wieder auf eine Erfolgsschiene gebracht?

Eine Umstrukturierung war notwendig, wir mussten sparen und uns auch von einigen Mitarbeitern trennen. Das war das Schwierigste für uns. Auch mit Hilfe unserer Hausbank, der Oberbank, sind wir durch diese schwere Zeit gekommen. Mittlerweile hat die Bauwirtschaft in Ungarn wieder an Dynamik gewonnen. Für uns war und ist es wichtig, unseren Beton pünktlich und in guter Qualität auf die Baustelle zu liefern. Weiterhin ist für uns der Kontakt zum Kunden sehr wichtig, das heißt auch, dass wir jederzeit bei notwendigen Problemlösungen auf den Baustellen mitarbeiten.

Womit konkret beschäftigt sich Ihr Unternehmen?

Die Betonpartner Kft. – als Baustoffproduzent – stellt Transportbeton in stationären Werken her und liefert diesen mit Fahrmischern als Subunternehmer an Baufirmen. Weiterhin stellen wir unseren Kunden Betonpumpen mit den verschiedensten Mastlängen zum fachgerechten Einbau des Betons zur Verfügung. Seit drei Jahren beschäftigen wir uns auch mit dem Zement- und Kieshandel. Mit Beginn des vergangenen Jahres haben wir erstmals eine Mobilanlage gekauft, ein sogenanntes Mobiltransportbetonwerk. Damit können wir nun auch vor Ort an der Baustelle Beton mischen. Mit dieser Anlage konnten wir beispielsweise in Pápa in Westungarn beim Ausbau des NATO-Flugplatzes den Beton bereitstellen.

Wo befinden sich die Standorte Ihrer Werke?

Wir besitzen insgesamt neun Transportbetonwerke. Vier in Budapest und jeweils ein Werk in Győr, Szombathely, Székesfehérvár und Sopron. Mit Beginn dieses Jahres haben wir zusätzlich ein kleines Transportbetonwerk in Szeged erworben.

Wie finanzieren Sie sich?

Anfangs wurden wir zum Großteil fremdfinanziert. Wir nahmen einen Investitionskredit in Höhe von 11 Millionen Euro auf, um den Kauf der bereits vorhandenen Betonwerke zu finanzieren. Jetzt beträgt dieser Kredit noch ca. 3 Millionen Euro. Neben einer weiteren Entschuldung besteht unser Hauptziel derzeit darin, Schritte für eine Expansion unserer Firma einzuleiten.

Bei welchen Projekten sind Sie beteiligt und wie bekommen Sie diese Aufträge?

Ein großes Projekt für uns ist der Bau des Schwimmbades für die Wassersport-WM 2017 in Budapest. Dort sind wir einer der Hauptbetonlieferanten. Generell sind wir beim Bau von Büro- und Industriebauten und im Straßenbau gut vertreten. Der Wohnungsbau spielt für uns momentan vor allem in Sopron eine große Rolle. Neben der Belieferung unserer Stammkunden beteiligen wir uns an allen Ausschreibungen und geben regelmäßig Preisangebote ab.

#

Ein Fahrzeug der Betonpartner-Flotte: „Unsere Produktions volumina pro Betonwerk stellen sicherlich Spitzenwerte in Ungarn dar.“

Wie ist der Wettbewerb in der Branche?

Transportbeton ist ein Massenprodukt und solche Produkte werden häufig über den Preis verkauft. Diesem Konkurrenzkampf müssen wir uns stellen. Dazu müssen wir uns um die Kostenführerschaft bemühen. Nur so sind wir in der Lage zu konkurrenzfähigen Preisen unsere Produkte zu liefern.

Und was haben Sie der Konkurrenz voraus?

Die Betonpartner Kft. ist einer der großen Transportbetonhersteller in Ungarn. Ich glaube, dass wir durch unsere „schlanke“ Organisation sehr effizient arbeiten können. Dies bietet uns beispielsweise im Vergleich zu großen internationalen Baustoffkonzernen einige Vorteile. Weiterhin stellen unsere Produktionsvolumina pro Betonwerk sicherlich Spitzenwerte in Ungarn dar.

Ungarn profitiert sehr stark von EU-Förderungen. Inwieweit profitieren Sie davon?

Wir als Betonpartner haben bisher keine direkte Unterstützung bekommen. Wir profitieren jedoch indirekt von den Förderungen, da wir durch die vermehrten EU-geförderten Bauvorhaben auch vermehrt Beton liefern können. Wenn eine Baustelle oder eine Straße unter Einbezug von EU-Geldern gebaut wird, dann können wir diese beliefern. Ohne EU-Gelder würde es einen Teil der Nachfrage gar nicht geben.

Wie ist die Auftragslage derzeit in Ihrer Branche?

In Budapest ist die Auftragslage sehr gut, wir sind zufrieden. In den Standorten in Westungarn müssen wir einen minimalen Rückgang verzeichnen, wir sind aber auch dort zufrieden. Im Osten und in Südungarn sehen wir jedoch eher eine abnehmende Tendenz.

Durch Maßnahmen wie Wohnbauförderungen kann die Bauwirtschaft angekurbelt werden. Wird in diesem Bereich Ihrer Meinung nach genug getan?

Wir begrüßen es natürlich, wenn der Wohnungsbau stärker gefördert wird. Vor allem für junge Leute ist das meines Erachtens sehr wichtig. Ich denke, dass wichtige Maßnahmen gesetzt wurden und in diesem Bereich viel passiert ist. Generell ist es besser, wenn sich die Bauindustrie langsam und vor allem nachhaltig erholt. So lassen sich die Kapazitäten besser anpassen.

Wo sehen Sie Ungarn im europäischen Vergleich?

Es besteht sicherlich noch Nachholbedarf. Das Bauvolumen ist zum Beispiel in Österreich bedeutend höher. Das hat aber auch viel mit der Topografie eines Landes zu tun. Sowohl bei der Infrastruktur als auch beim Ausbau des Autobahnnetzes ist in Ungarn sehr viel geschehen. Was uns aber Sorgen macht, ist der zunehmende Fachkräftemangel in Ungarn.

Wie sehen Sie die Zukunft der Bauwirtschaft und was ist Ihre Strategie?

Für das nächste Jahr sind wir auf alle Fälle optimistisch. Viel weiter können wir die Entwicklung der Bauwirtschaft nicht prognostizieren, das hängt von vielen Faktoren ab. Unser strategisches Ziel ist es, uns komplett zu entschulden und mit Vorsicht zu investieren, aber nicht um jeden Preis. Budapest ist eine sehr schöne und lebenswerte Stadt geworden. Wir wollen auch in Zukunft unseren Beitrag bei der Entwicklung des Landes leisten.

Dr. Uwe Scholz ist geschäftsführender Gesellschafter des ungarischen Unternehmens Betonpartner Kft. Die Firma gehört außerdem der Kostmann AG, einer österreichischen Firma mit Sitz in St. Andrä in Kärnten, und der Wopfinger Transportbeton GmbH. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 54 Mitarbeiter und konnte im vergangenen Jahr einen Nettoumsatz von 7,2 Mrd. Forint verzeichnen. Der aus der ehemaligen DDR stammende Unternehmer hat in Freiberg an der Bergbauuniversität Tagebautechnik und bergbauliche Wasserwirtschaft studiert. Nach seiner Promotion im Jahr 1987 entschloss er sich, gemeinsam mit seiner Familie Ostdeutschland zu verlassen und nach Ungarn zu ziehen. Heute ist er erfolgreicher Unternehmer und spricht fließend Ungarisch.

Konversation

ÄHNLICHE BEITRÄGE
Die konservative Seite / Kommentar zur Medienpolitik der Regierung

Die Magyar Nemzet träumt von Medienkrieg

Geschrieben von János Csontos

Zweieinhalb Jahre sind schon eine gute Zeitspanne, dass ich als Journalist sagen kann: Meine liebe…

Fischmarkt in Budaörs

Fischers frische Fische auf dem Budaörsi Halpiac

Geschrieben von Carmen Cracknell

Fisch schmeckt nicht nur gut, er ist auch vielseitig und gesund. Perfekt für kalorienarme Gerichte,…

Sophie & Ben Garden im II. Bezirk

Gartenoase am Rande der Großstadtwüste

Geschrieben von Katrin Holtz

Bei Temperaturen jenseits der 30er-Grad-Marke verwandelt sich die Budapester Innenstadt in eine…