Eigentlich habe die Brücke bereits am 10. August wieder ihren normalen Betrieb aufnehmen sollen, berichtet das Nachrichtenportal Index, doch aufgrund von Verzögerungen und der überwältigenden Popularität habe das Verkehrszentrum BKK entschieden, den Termin für die Wiedereröffnung auf Ende August zu verschieben. Doch viele Budapester wollen die kurzfristig erworbene Freiheit gar nicht wieder hergeben: Auf Facebook organisieren sich bereits Gruppen, die fordern, die Szabadság híd jeden Sommer für den Verkehr zu sperren. Und immer wird auch der Wunsch nach einer dauerhaften Fußgängerbrücke laut.

Darüber wo und wie eine solche Brücke entstehen könnte, ist man uneins. Auch von offizieller Seite wurde dieses Bedürfnis der Budapester bereits registriert und auch immer wieder aufgegriffen: In den vergangenen 25 Jahren gab es zahlreiche Pläne, an verschiedenen Stellen der Donau in Budapest Fußgängerbrücken zu errichten, doch keines dieser Projekte wurde auch tatsächlich verwirklicht.

Brücken, die nie gebaut wurden

Hier einige der spektakulärsten Brückenvorhaben der Vergangenheit:

Bereits in Vorbereitung der für 1996 geplanten Weltausstellung gab es Pläne für eine Fußgängerbrücke, die irgendwo zwischen Rákóczi híd und Petőfi híd die Donauufer verbinden sollte. 2005 wurden diese erneut aufgegriffen – vier Budapester Universitäten, die Ungarische Akademie der Wissenschaften und die Zoltán-Bay-Stiftung für angewandte Forschung beauftragten den Architekten József Finta mit der Planung. Fintas Entwurf sah eine Brücke vor, die gleichzeitig auch Raum für Kunstgalerien, Universitätsclubs, Cafés, Restaurants und sogar ein Wissenschaftszentrum bieten sollte. Fußgänger sollten dank schneller Rollsteige, wie man sie auch vom Flughafen kennt, in Windeseile von einem Flussufer zum anderen gelangen. Bis heute ist von diesem ehrgeizigen Projekt in Budapest keine Spur.

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Beliebter Treffpunkt: Kaum war die Szabadság híd für den Verkehr gesperrt, war der Weg frei für Picknicks, Yogastunden und Salsapartys.

Ebenso wenig wie von einer Fußgängerbrücke zwischen den Brücken Petőfi híd und Szabadság híd, die im Gespräch war, als Budapest noch im Rennen um den Titel der Europäische Kulturhauptstadt stand. Den Zuschlag erhielt am Ende die Stadt Pécs und die Pläne für die Brücke wurden auf dem Grund der Donau versenkt. Genauso erging es auch den Plänen des Architekturbüros von Gábor Zoboki, die nicht nur eine Fußgängerbrücke, sondern gleich eine Wohnbrücke vorsahen. Diese sollte weit im Süden der Stadt noch hinter der Rákóczi híd realisiert werden. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass auch der spektakuläre Plan einer Schwebebahn über die Donau hinweg zur Zitadelle auf dem Gellért-Berg ebenso in der Versenkung verschwand.

Am Wochenende für Fußgänger frei

Auch der frühere Oberbürgermeister Gábor Demszky fühlte sich berufen, sich der Herausforderung zu stellen. Statt sich jedoch an die Planung und den Bau einer separaten Fußgängerbrücke zu machen, ließ er während der Sommermonate die Kettenbrücke an Wochenenden für den Verkehr sperren. Eine Praxis, die von den Budapestern gut aufgenommen wurde, aber eben keine permanente Lösung darstellte. Mit dem Amtsantritt des amtierenden Oberbürgermeisters István Tarlós, der ein autofreundlicheres Stadtbild propagiert, geriet sie denn auch in Vergessenheit.

Doch Tarlós ist nicht etwa gegen den Bau einer Fußgängerbrücke: In seinem Wahlprogramm ist sogar von expliziten Plänen für eine Fußgängerbrücke zu lesen, die den Pester Vígadó tér mit dem Burggartenbasar auf der Budaer Seite verbinden soll. Obwohl dieser Plan von der Fidesz-Regierung und sogar Premierminister Viktor Orbán selbst öffentliche Zustimmung erhielt, sieht es nicht danach aus, als würde Budapest in naher Zukunft eine weitere Brücke vor der Burg erhalten.

Aktuelle Pläne

Weitere Pläne für Fußgängerbrücken sind in der aktuellen Diskussion. In den von der Stadtversammlung beschlossenen Entwicklungsprogrammen finden sich in einem Kapitel zur Schaffung von weiteren Infrastrukturen für Fußgänger und Fahrradfahrer vier weitere Pläne für Fußgängerbrücken. Eine soll im Süden Budapests zwischen Molnár-Sziget und Csepel-Sziget errichtet werden, wo heute bereits eine BKK-Fähre verkehrt. Zwei weitere Brücken sind in Óbuda geplant: eine soll die Werfinsel im Norden mit dem Festland und eine die Insel im Süden mit der Árpád-Brücke verbinden. Die Margareteninsel soll wiederum über eine Fußgängerbrücke auf der Höhe der Dráva utca mit dem Pester Ufer verbunden werden.

Falls Budapest den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024 erhält, kämen laut index.hu noch drei bis vier weitere Brückenvorschläge auf den Verhandlungstisch, die vor allem die Austragungsorte der Spiele auf der Csepel-Insel mit Pest, aber auch das Budaer Ufer auf Höhe der Szépvölgyi út mit der Margareteninsel verbinden sollen.

Wie es momentan ausschaut, sollten die Budapester die letzten verkehrsfreien Tage auf der Szabadság híd gründlich genießen, denn abgesehen von weiteren spektakulären 3D-Modellen und Brückenskizzen, werden wir in den nächsten vier bis fünf Jahren wohl keine Fußgängerbrücke in Budapest zu Gesicht bekommen.

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