Damit hatten nicht einmal die Veranstalter gerechnet: Sziget-Gründer und Chef-Organisator Károly Gerendai rieb sich bei Abschluss des Festivals die Hände, denn die Zahlen lagen „weit über den Erwartungen von 450.-460.000 Besuchern“. Knapp einen Monat vor Festivalbeginn waren bereits alle Wochentickets ausverkauft ebenso wie die Tagestickets für den 11. August, an dem die barbadische Popsängerin Rihanna auf der Hauptbühne erwartet wurde. Laut Gerendai konnte das Festival Top-Gewinne von mehreren hundert Millionen Forint generieren.

Flop – Wenn Popstars die Lust verlieren

Wie in jedem Jahr munkelte man auch heuer, dass das diesjährige Line-up eines der stärksten in der Geschichte des nunmehr 24-jährigen Festivals sei. Besonders ein Name prangte fett über jedem Sziget-Plakat: Rihanna. „Es war die größte Enttäuschung des Festivals“, schreibt eine Musikbloggerin aus der Schweiz und stimmt damit in den Reigen der Kritiker ein, der noch während, aber vor allem nach dem Konzert laut wird. Zunächst sei die Popdiva ganze 30 Minuten später als geplant auf der Bühne erschienen, um dann reichlich lustlos die nächsten 60 Minuten Bühnenprogramm zu bestreiten. Obwohl das Konzert mit geschätzten 80.000 Besuchern, von denen viele ausschließlich für Rihanna gekommen waren, rekordverdächtig gut besucht war, schaffte es die Popsängerin nicht so richtig für Atmosphäre zu sorgen: Zu wenig Glamour, zu kurze Songs, viel Playback und Leerlauf, so das Urteil von Origo-Journalistin Kata Tasnádi, deren Enttäuschung in der Aussage gipfelt: „Es wäre für alle besser gewesen, wenn man einfach eine Rihanna-Playlist von YouTube abgespielt hätte.“

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Ein großer Flop war für viele das Rihanna-Konzert: Zu kurz, zu viel Playback und kaum Glamour.Ganz im Gegensatz zum gefloppten Rihanna-Auftritt wurden die isländischen Altrocker von Sigur Rós, die kanadische Punkrockband SUM41 oder etwa die südafrikanische Rap-Rave-Kombo Die Antwoord vom Publikum frenetisch gefeiert. Ihre Auftritte gehörten zu den Höhepunkten des Festivals. Ebenso wie die von Parov Stelar und Muse.

Top - Billigdiscounter auf dem Festivalgelände

Eine große Herausforderung für Festivalbesucher überall ist es, den Bedarf an Essen, Getränken und anderen Produkten des täglichen Lebens zu decken, ohne den finanziellen Ruin zu riskieren. Denn Gastro- und Getränkestände, die es auf dem Festival in Fülle gibt, sind oft für ihre gepfefferten Preise bekannt. Dabei muss man einräumen, dass das Sziget-Festival bereits vor einigen Jahren den unverschämten Auswüchsen ein Ende gesetzt hat, indem es Festpreise für Getränke bestimmte, an die sich Anbieter auf dem gesamten Festivalgelände zu halten haben. Heutzutage ist das Sziget-Festival mit 650 Forint für einen halben Liter gezapftes Bier, 450 Forint für ein Softgetränk derselben Menge oder 1.050 Forint für 4 cl Palinka im europäischen Vergleich noch eines der günstigsten Festivals.

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Top fanden viele Sziget-Besucher das Aldi-Zelt, das den Marsch zum nächsten Supermarkt außerhalb des Festivalgeländes obsolet machte.

Dieses Image dürfte es in diesem Jahr noch getoppt haben, als es den deutschen Discounter Aldi aufs Festivalgelände holte. Das breite Angebot des in Ungarn immer stärker vertretenen Einzelhändlers umfasste fertige Sandwiches, frische Backwaren, Obst und Gemüse sowie auf Festivals heiß begehrte Produkte, wie Sandalen, Badeshorts, Bikinis, WC-Papier und Sonnenmilch. Diese Mischung sowie die relativ günstigen Preise hatten die Sziget-Besucher überzeugt, die tagsüber teils meterlange Schlangen vor dem Aldi-Zelt bildeten. Beliebt machte sich der Discounter auch mit seinem Grillzelt. Dort konnte man sich zuvor erworbene Grillprodukte schnell und kostenlos von freundlichen Aldi-Mitarbeitern zubereiten lassen.

Top - So politisch wie nie

Seit Jahren trägt das Sziget-Festival den Beinamen „Island of Freedom“, zu Deutsch „Insel der Freiheit“. Hier werden Werte wie Toleranz, Lebenslust und Vielfalt großgeschrieben. Das Sziget gilt vielen, als Symbol der positiven Seiten einer globalisierten Welt - wie Tamás Kádár, Geschäftsführer des Festivals, versichert, kamen „die meisten Wochenticketbesitzer aus den großen westeuropäischen Ländern wie Deutschland, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden, Frankreich und Italien“, doch eben auch aus Nigeria, Vietnam, Katar, Libanon, China, Brasilien, von den Marshallinseln und der Elfenbeinküste waren Besucher nach Budapest angereist.

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Noch mehr als in den vergangenen Jahren widmete man sich in diesem Jahr auf dem Sziget aktuellen politischen Problemen: Besonders Flüchtlinge und Migration wurde thematisiert.

„Wir machen keine Politik. Wir sind ein Festival, alle Meinungen sind bei uns frei. Doch wir wollten deutlich machen, dass das, was in Ungarn passiert, nicht unbedingt das ist, was wir denken. Deshalb dachten wir, es ist wichtig, dass man drüber spricht und sich mit dem Thema beschäftigt“, erklärt Kádár. So organisierte das Ethnographisches Museum Budapest die Ausstellung „Zelt ohne Grenzen“ in Zusammenarbeit mit dem Museum für Migration in Paris. Dort wurde über die Geschichte von Einwanderungswellen informiert. Weiterhin wurden unter dem Titel „lost objects“ Gegenstände gezeigt, die Flüchtlinge auf ihrem Weg durch Ungarn zurückgelassen haben. Zusätzlich gab es Rundtischgespräche, Filmvorführungen und Theaterstücke, die sich dem Thema widmeten. Umstritten war jedoch, dass auf Ansprachen im Vorfeld der täglichen Party vor der Mainstage dazu aufgerufen wurde, Viktor Orbáns viel kritisierte Volksbefragung am 2. Oktober zu boykottieren.

Am Ende des Festivals hatten Besucher die Möglichkeit, nicht länger benötigte Zelte oder Schlafsäcke an Flüchtlingsorganisationen zu spenden.

Top – Am Ende zählt allein die Stimmung

Auch in diesem Jahr durchlebten Sziget-Besucher erneut extreme Wetterschwankungen: Vom Regen, der das Gelände mit Pfützen überzog, bis zu stechendem Sonnenschein war alles dabei. Doch egal ob 13 oder 30 Grad Celsius Außentemperatur – die Begeisterung der Festivalbesucher vermochte nichts zu dämpfen.

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So viele Besucher wie nie: In diesem Jahr lag die Besucherzahl knapp unter einer halbe Million.

Nach dem Sziget ist vor dem Sziget: Laut Veranstaltern wird das nächste Sziget-Festival, welches das 25. Jubiläum der Großveranstaltung markiert, vom 9. bis zum 16. August 2017 stattfinden. Der Vorverkauf soll bereits am 25. September dieses Jahres beginnen. Hält der Trend der letzten Jahre an, wird Ungarns größtes Festival 2017 die Marke von einer halben Million Besucher wohl weit überschreiten.

Kurioser Inhalt: Sicherheit auf dem Sziget

Am frühen Nachmittag des ersten Festivaltages musste der Eingangsbereich des Sziget Festivals vorübergehend abgesperrt werden. Mitarbeiter waren auf ein verdächtiges Paket aufmerksam geworden, das in der Nähe des Checkpoints zurückgelassen wurde. Über eine Stunde mussten Besucher warten, bevor der Betrieb am Einlass wieder aufgenommen wurde. Nachdem die Polizei das Paket durchsuchte, stellte sich heraus, dass es nicht etwa mit Gefahrenstoffen gefüllt war, sondern mit Bier und Würsten.

Abgesehen von diesem kuriosen Vorfall hat sich das diesjährige neue Eingangssystem des Festivals, welches strengere Kontrollen, eine Personalisierung der Tickets sowie Scans der Ausweisdokumente umfasst, bewährt. Die Zahl der kriminellen Delikte ist in diesem Jahr laut Angaben der Veranstalter um die Hälfte gesunken.

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