Das Brautkleid

Im ungarischen Volksglauben kann ein Brautkleid ganz unterschiedliche Bedeutungen haben: Trägt die Braut etwa ein älteres Kleid, ist dies ein Symbol für die Zeit, in der sie noch unverheiratet war; ist das Kleid neu, weist dies auf ein frisches Kapitel im Leben hin. Die Farbe Blau steht für Treue und Reinheit; ein ausgeliehenes Kleid hingegen für Freundschaft und Liebe. Zur ungarischen Brauttracht gehörte früher immer ein Kopfschmuck, der häufig aus Blumen geflochten war und auch Weizen enthielt – dies sollte Fruchtbarkeit in die Ehe bringen.

Die Anzahl der Knöpfe auf dem Brautkleid sagt angeblich die Anzahl an Jahren voraus, die das Brautpaar nach der Hochzeit zusammen glücklich bleiben wird. Perlen sollte die Braut tunlichst vermeiden, den diese, so heißt es, symbolisieren Tränen. Kristalle und Brillanten hingegen sind in Ordnung, sie stehen für Vollkommenheit und Ewigkeit.

Ein Tipp für Hochzeitsgäste: Den Hochzeitsschleier darf während der Hochzeit nur die Braut tragen, denn falls eine Brautjungfer den Schleier anprobiert, wird sie dem Aberglauben zufolge im Laufe der Zeit den Bräutigam verführen.

Geldaufkehren

Vor dem Eingang der Kirche oder des Standesamts werden nach der Hochzeitszeremonie Geldstücke verstreut. Die Aufgabe des Paares ist es diese aufzukehren. Manchmal werden auch gemeinsam Geld und Scherben verstreut, die die Braut aufkehren und auseinander sortieren muss – dies soll ihre Sparsamkeit beweisen und zeigen, dass sie bewusst mit Geld umgehen kann.

Ab Mitternacht in Rot

Bis zum heutigen Tag ist es ein beliebter Brauch, dass sich die Braut um Mitternacht von ihrem Brautkleid trennt und ein rotes (mancherorts auch ein blaues) Kleid anzieht. Früher wurde die regionale Tracht verwendet, heute greift die moderne Braut aber gerne auch zum schicken Cocktailkleid.

„Braut zu verkaufen!“

Dies ist wohl einer der unterhaltsamsten Bräuche bei ungarischen Hochzeiten und eine gute Möglichkeit Geldgeschenke zu übergeben. Am späten Abend tritt der Bräutigam ausgestattet mit Kochtopf und Löffel vor die Hochzeitsgesellschaft und beginnt laut zu rufen: „Braut zu verkaufen!“ Im Angebot ist jedoch nicht gleich die ganze Braut, sondern nur ein Tänzchen mit ihr. Nach und nach muss sie, während ihr Mann die Werbetrommel rührt, mit allen Gästen zumindest einmal tanzen, dafür werfen diese Geld in den Topf des Bräutigams.

Der Brautklau

Diese Tradition organisieren meist der Trauzeuge beziehungsweise enge Freunde des Bräutigams. Wenn es dieser am wenigstens erwartet, wird ihm unter der Nase weg die Braut entführt. Seine Aufgabe besteht nun darin, die Angebetete zurückzuerobern. Meist muss er dazu Aufgaben und Rätsel lösen. Es gibt aber auch Orte, an denen sich die Brautdiebe in die nächste Kneipe retten und der Bräutigam kommen und die Zeche zahlen muss. Falls Sie ungarische Freunde haben, vergessen Sie also nicht, immer schön auf ihre Braut aufzupassen.

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