Der Irinyi-Plan ist eine Strategie der ungarischen Regierung, um ein langfristiges, nachhaltiges Wirtschaftswachstum sicherzustellen. Benannt wurde der Plan nach dem ungarischen Erfinder János Irinyi. Er zielt darauf ab, Ungarn bis zum Jahr 2020 zu einem hoch entwickelten europäischen Industriestaat zu machen. Damit dieser Plan zur Realität wird, müsse nach den Worten von Lepcsényi auch ein Umdenken in der ungarischen Bevölkerung stattfinden.

„Die Industrienationen stehen inmitten eines unglaublichen Umbruchs“, mit diesen Worten leitete Ekkehard Philipp den Abend ein. Industrie 4.0, digitale Industrie, autonomes Fahren und Elektromobilität sind die Zukunftsthemen. Die Unternehmen in Ungarn haben es immer schwerer, hochqualifiziertes Personal zu rekrutieren. Der Konkurrenzdruck der Firmen im Kampf um junge Nachwuchs-Talente steigt also dramatisch. Auf der anderen Seite entwickeln sich die Wirtschaft und die Beschäftigung in diesem Land sehr gut. Die Arbeitslosigkeit liegt derzeit sogar bei unter fünf Prozent, die Reserven an freien Arbeitskräften sind sehr knapp. Die Chancen und Risiken liegen eng beieinander, deswegen brauche es schnell und vor allem nachhaltig neue Impulse und stabile Rahmenbedingungen.

Stabile Entwicklung der ungarischen Wirtschaft

István Lepsényi erklärte in seinem Vortrag ausführlich, wie sich die ungarische Wirtschaftslage entwickelt hat. Ungarn liegt seit 2012 auf einer stabilen Wachstumsbahn und das soll auch so bleiben. Ziel des Irinyi-Plans sei es, genau diese Entwicklung zu unterstützen. „Wir arbeiten an einer komplexen Strategie, damit wir auch künftig ausreichend Arbeitskräfte für die Entwicklung der Wirtschaft haben“, so der Staatssekretär.

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István Lepsényi, Staatssekretär für Wirtschaftsregulierung- und Entwicklung: „Wir arbeiten an einer komplexen Strategie, damit wir auch künftig ausreichend Arbeitskräfte für die Entwicklung der Wirtschaft haben.“

In den vergangenen Jahren habe eine strukturelle Veränderung in Ungarn stattgefunden. In der Industrie gewinnt der Fahrzeugbausektor immer mehr an Bedeutung. Wenn man berücksichtige, wie viele Sektoren in engem Zusammenhang mit diesem Wirtschaftssektor stehen, dann kann man sagen, dass der Fahrzeugbausektor derzeit etwa die Hälfte der verarbeitenden Industrie ausmacht. Auch die EU verfolgt das Ziel, den Industrieanteil von derzeit 16 % auf 20 % zu erhöhen. Ungarns Industrieanteil liegt derzeit bereits bei 23,5 % bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt, nur Deutschlands und Tschechiens Industrieanteile liegen darüber.

Auseinandersetzung mit Industrie 4.0

„In Ungarn laufen wirklich Spitzenforschungen im Bereich der digitalen Wirtschaft und der digitalen Industrie“, so der Staatssekretär. Ziel sei es, diese digitalen Fortschritte in Ungarns Wirtschaft zu verbreiten. Dabei soll die von Großunternehmen benutzte digitale Technologie auch im Bereich der KMU’s und der mittelständischen Unternehmen eingeführt werden. Neben der Beseitigung von regionalen Ungleichgewichten, soll auch die Energie- und Materialeffizienz wichtiger Bestandteil des Plans sein. Wir leben schließlich in der Zeit der 4. Industriellen Revolution und mit dieser müsse sich Ungarn auch auseinandersetzen.

Neu eingebunden in den Plan ist auch das Thema Elektromobilität. Auf die Frage, was denn im Moment wichtiger sei, Ladestationen oder Autos, antwortete Lepsényi, dass in erster Linie eine Ladeinfrastruktur ausgebaut werden müsse. Bis 2020 werden etwa 60.000 E-Fahrzeuge in Ungarn unterwegs sein, 3.000 Ladestationen würden dafür benötigt. Derzeit genießen die Nutzer von E-Fahrzeugen einige Vorteile. Abgesehen von der Nutzungsmöglichkeit der Busspur und teilweise freies Parken in Budapest profitieren die Fahrer auch von Steuervorteilen.

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Gábor Kiss, Verantwortlicher für die Regierungsbeziehungen bei Mercedes-Benz in Ungarn.

Aber was geschieht nach 2020? „Man muss den Tanker in eine neue Richtung bewegen, sodass er sich nicht mehr in die andere Richtung drehen kann.“ Wenn die EU-Förderungen zu Ende gehen, soll die Industrie nicht zum Stillstand kommen, es solle weiter aufwärts gehen. „Eine digitale und effiziente Industrie ist das ausdrücklich Ziel der Regierung“, erklärt Lepsényi.

„Arbeitskraft- und Arbeitsplatzschaffung“

„Technologische, politische und gesellschaftliche Entwicklungen erfordern eine Berufsbildung, die flexibel und auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abgestimmt ist“, unterstrich der Staatssekretär. Bis zum Jahr 2020 werden für mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze höhere Qualifikationen erforderlich sein. Generell werden die Arbeitsplätze – darunter auch die einfachen beruflichen Tätigkeiten – immer kompetenzintensiver.

Um ein echtes Umdenken in der Bevölkerung zu erreichen, müsse immer früher begonnen werden. Es solle neben den wirtschaftlichen Fächern auch verstärkt auf naturwissenschaftliche Fächer gesetzt werden mit dem Ziel, den technischen Bereich attraktiver zu machen. Aber auch in den Köpfen der Eltern müssten Veränderungen herbeigeführt werden. Man müsse bereits im Kindesalter lernen, den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

„Effizienz ist kein Jobkiller, mit den freigesetzten Arbeitskräften können neue Themen belegt und Ideen entwickelt werden“, so auch Philipp zur Problematik des Arbeitskräftemangels. Es sei klar, dass sich die Wirtschaft nur dann innovativ entwickeln kann, wenn Wissen, Forschung und Entwicklung, Hochschul- und Berufsbildung Hand in Hand arbeiten. „Wir leben vom Dialog und vom Erfahrungsaustausch, nicht zuletzt aber auch von einer vor allem auch von einer Fehlerkultur“, fasste der Mercedes Manager den Abend zusammen.
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