Einige Leser der Budapester Zeitung kennen vielleicht deren Herausgeber, Jan Mainka und/oder einige der Redakteure beziehungsweise Mitarbeiter persönlich. Dies ist daher nicht so überraschend, als das die deutsche Community in Budapest zum Glück nicht unüberschaubar ist und rege den Austausch sucht. Auch bei den anderen, größeren, ungarischsprachigen Medien Ungarns sind viele Namen bekannt: der von Lajos Simicska als geschäftlich Verantwortlicher hinter Magyar Nemzet, Lánchíd Rádió und Hír TV ist vielen ebenso geläufig wie der von Gábor Széles als Eigentümer von ECHO TV und Magyar Hírlap. Und selbstverständlich kennen viele die Namen von „prominenten“ Moderatoren, Kommentatoren und Journalisten, die auf die eine oder andere Art für ihre Bekanntheit sorgen. Doch wie sieht es mit den weniger bekannten Namen bei oder hinter den Medienakteuren Ungarns aus? Und mit Zahlen zu Auflagen beziehungsweise Reichweite, Werbeeinnahmen und Jahresumsatz und Ähnlichem?

Als Journalist kennt man die mühsame Suche nach solchen Informationen über direkte Anfragen bei den Unternehmen, die unter Umständen erst Wochen später oder gar nicht beantwortet werden, beziehungsweise über die Nutzung bekannter Suchmaschinen. Eine spezielle, die sich als „Suchmaschine des ungarischen Medienmarktes“ sieht, schickt sich nun an, all diese und noch mehr Informationen zu sämtlichen Akteuren in Ungarns Medienlandschaft an einer Stelle zentral zu sammeln und zur Verfügung zu stellen: whitereport.hu.

Nutzer sparen Zeit und Geld

Angaben zu ganzen 11.000 Medien und 6.700 Medienbetreibern will das Team hinter der zweisprachigen – ungarisch und englisch – Suchmaschine bieten; diese lassen in etwa wie folgt aufteilen: fast 700 Fernsehkanäle, 180 Radiosender, über 6.000 Zeitungen, Magazine beziehungsweise sonstigen Publikationen, rund 150 Kinos, rund 4.000 Webseiten, 30 „klassische” Außenmedien (also insgesamt rund 46.000 Plakatplätze) sowie 30 sonstige Medienmarken.

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Medienexperten von Weltrang: Das Team um Kinga Incze sammelt und bietet Informa tionen zu Ungarns Medienmarkt in einer weltweit einzigartigen Form.

Wie es nach eigenen Angaben heißt, schließe Whitereport mit seinem Angebot eine Lücke des Sektors für dessen sämtliche Akteure: Werbende, Medien- und PR-Agenturen, Medieneigentümer, staatliche Akteure, Investoren, die Presse und sämtliche weiteren Personen, die sich für die Medienlandschaft Ungarns interessieren. Der „Medienbrowser“ sammelt Grundinformationen von Medien aus öffentlich einsehbaren Datenquellen (so etwa aus Quartalsberichten) beginnend ab 2010 und bietet diese zur Analyse von Markttrends, Wettbewerbern, zur Entwicklung von Medienprodukten und -portfolios, zur Medienplanung sowie für Marktstudien an. Die Nutzer sollen durch die dort erreichbaren Angaben nicht nur Zeit und Geld sparen, sondern ihre Entscheidungen noch fundierter und objektiver treffen können.

Die Suche kann anhand mehrerer Parameter erfolgen: Eigentümer, Finanzdaten, Sitz oder inhaltliche sowie thematische Ausrichtung der Medien. Die Daten können auch direkt zur Geschäftsanbahnung genutzt werden, sprich: es sind etwa auch die jeweiligen Vertriebsverantwortlichen und auch alle zu einem Betreiber gehörenden Produkte/Marken abrufbar. Das Angebot zur Nutzung der Daten zur Optimierung lokaler Cross-Medien (Geotargeting) heißt „Goldfish“ und wird gemeinsam mit dem bekannten Marktforschungsinstitut Ipsos realisiert.

Weibliches Team will Richtung Weltmarkt

Für das Portal verantwortlich ist die in Budapests XIII. Bezirk sitzende, seit 2002 operierende Mrs. White Media Consulting Kft.; die von Kinga Incze, der heutigen CEO gegründet wurde. Den weiblichen Vorstand komplettieren Operativ-Vorstand Szilvia Marton und Research-Vorstand Tímea Nagy. Nach dem Herausgeben eines Handbuchs zur Medienplanung habe sie mehrere Anfragen für Beratungsaufträge erhalten, so dass sie sich für die Gründung des eigenen Unternehmens entschied, erklärt Incze gegenüber der Budapester Zeitung. Den Medienbrowser habe sie mit eigenem Kapital entwickelt, seit dessen Launch 2011 sei jedes Jahr ein neues Modul hinzugekommen. Die Nutzungsgebühren reichen von einigen hunderttausend Forint bis zu mehreren Millionen, je nachdem, wie viele man davon mit wie vielen Usern nutzt.

„Ungarns Mediensektor ist unübersichtlich groß, fragmentiert, viele Medien kann man in unabhängigen Quellen gar nicht finden, um etwa ihre Veränderungen verfolgen zu können, die für Werbende, Medieneigentümer, Agenturen und Behörden wichtig sind, um fundierte, schnelle, Zeit und Geld sparende Entscheidungen treffen zu können“, beschreibt die Managerin den Anstoß zur Gründung ihres Tools. Von den 11.000 Medien Ungarns seien nur 20 Prozent bei sektoralen Erhebungen vertreten, Daten zum Rest – etwa von Selbstverwaltungen, Stiftungen, Kirchengemeinden betriebene – seien unmöglich zu finden. Selbst international gebe es kein vergleichbares Datenbankangebot, weshalb man so schnell wie möglich den Weltmarkt, beginnend mit England und den USA betreten wolle.

Ende April hatte sich das Team dann auch der internationalen Öffentlichkeit vorgestellt, als es an einer der am schnellsten wachsenden Start-up-Börsen der Welt, der amerikanischen Technologie-Konferenz Collision in New Orleans teilnahm. Als Aussteller in der Kategorie „Data Track“ präsentierte es nicht nur den Medienbrowser selbst, sondern nahm sogar an einem Rundtisch-Gespräch unter dem Titel „Going Global: Navigating European tax and regulation“ teil. Das Start-up wurde abschließend in der Kategorie „Big Data“ in das ALPHA genannte Programm aufgenommen, das für besonders vielversprechende Jungunternehmen begründet wurde, während man es nur einen Monat später beim Wiener Pioneers Festival unter die 500 vielversprechendsten Jungunternehmen gewählt hatte. 29 Mio. Forint Umsatz in 2015 bei geschätzten 40 Prozent Umsatzwachstum in diesem Jahr sprechen hierbei für sich.

„Medienindustrie revolutionieren“

Für das Anvisieren neuer Märkte sucht man neue Investoren, die sich mit bestimmten Märkten auskennen. „Wir denken, dass unser Programm, das auf unseren mehrere Jahrzehnten Markterfahrungen aus Medienagenturen und Unternehmensberatungen basiert, die Medienindustrie revolutionieren kann, indem es bisher verstreute Daten an einer Stelle erreichbar macht und den Nutzern somit Zeit und Geld erspart“, erklärte die Gründerin kurz vor der USA-Reise zur Collision.

Genau dies scheinen die bisherigen Nutzer zu schätzen. Zu diesen zählen unter anderem Vodafone, die Nationale Medienbehörde, die ungarische Tochter der deutschen Forum Media Group, Porsche Hungaria sowie das ungarische Medienzentrum „Center for Independent Journalism“; ferner das Fachportal kreativ.hu, das im Februar 2015 Incze dazu interviewte, wie viele Medienunternehmen von der damals verkündeten auf fünf Prozent gesenkten Reklamesteuer beziehungsweise deren Ausweitung auf einen größeren Teil des Marktes betroffen sind.

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