Das Lokal, in dem maritime Bar auf das Flair eines französischen Bistros trifft, befindet sich in einem der wohl kuriosesten Gebäudekomplexe der ungarischen Hauptstadt. Aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes nennen die Budapester dieses gläserne Bauwerk liebevoll „Bálna“, was zu Deutsch „der Wal“ bedeutet. Erst 2013 wurden die Bauarbeiten, die auch vorhandene historische Bausubstanz mit einbezog und nach den Plänen des Architekten Kas Oosterhuis ausgeführt wurden abgeschlossen. Die Idee war, dass sich, einmal eröffnet, hier ein betriebsames Handels-, Kultur-, Unterhaltungs- und Gastronomiezentrum entwickeln würde. Doch richtig erfolgreich war das Konzept nie. Einzig die Gastronomieszene erlebte hier tatsächlich in den vergangenen zwei Jahren einen riesigen Aufschwung mit zahlreichen Neueröffnungen.

„Vielleicht noch was?“

Im November 2014 eröffnete auch das Bar-Bistro Esetleg am Nordeingang des „gläsernen Walfisches“. Esetleg – das heißt auf Ungarisch so viel wie „vielleicht“, etwa in der Frage „Darf es vielleicht noch was sein?“, scherzt Restaurantmanager Dávid Ankli. Das Lokal punktet bei seinen Gästen vor allem durch seine außergewöhnlich große Terrasse, die nicht nur mit normalen Sitzarrangements, sondern auch mit sommerlichen Liegestühlen bestückt ist. Von hier aus hat man einen einmaligen Blick auf die Budapester Technik- und Wirtschaftsuni am gegenüberliegenden Donauufer, den Gellértberg und natürlich die Donau und ihre schon ikonischen Brücken.

#

Doch auch im Inneren überzeugt das Esetleg durch ein sehr entspanntes, in Blautönen gehaltenes Design. „Man soll sich hier fühlen, wie im eigenen Wohnzimmer, wo man sich mit einem Buch hinsetzen und einen Kaffee dazu trinken kann“, erklärt Ankli. Statt elektronischer Musik hört man im Esetleg hauptsächlich Chansons – französische sowie auch ungarische. „Wir wollen damit die Atmosphäre eines echten französischen Bistros erzeugen“, erklärt der Manager. „Mit diesem Konzept lockt das Lokal bisher schon ein breit gefächertes Publikum an“, so Ankli. Ungarn, Expats und Touristen aller Altersgruppen sind im Esetleg willkommen.

Schlichtweg lecker

Auf dem Menü des Esetleg steht laut Chefkoch Balázs Kocsis, alles, was den Leuten schmeckt: „Wir haben für unsere Speisekarte Gerichte ausgewählt, die schlicht, aber lecker sind. Dabei wollten wir für jeden Geschmack etwas anbieten, und so haben wir neben Hühnchen, Schwein und Rind auch Lachs, Ente und natürlich vegetarische Optionen im Programm.“ Besonders wichtig sei ihm, dass die verwendeten Zutaten von regionalen Herstellern beziehungsweise hiesigen Fleischern kommen. Abhängig von der Saison ändert sich das Angebot, ab kommender Woche wird es beispielsweise ein Lachstatar auf der Vorspeisenkarte geben. Die Budapester Zeitung durfte bereits vorab exklusiv verkosten: In Kombination mit dem fruchtigen Salatmix, der Erdbeeren und Heidelbeeren enthält, sind die rohen Lachswürfelchen ein ideales leichtes Essen für heiße Sommertage.

#

Auf dem Menü bleibt aber auch vieles gleich: Beispielsweise das zarte Kalbsgulasch, dass für Ungarn ungewöhnlich, mit italienischen Gnocchi und einem fein säuberlich gestapelten Haufen Gürkchen serviert wird, ist das ganze Jahr über zu erhalten. Denn mit diesem Gericht kann man bei Fleischessern einfach nicht falsch liegen. Im Bereich der Desserts ist die „Vovcsok szelet“ eine Empfehlung. Auch sie ist ebenso simpel wie lecker – ein Stück Quarktorte mit saisonalem Fruchtpüree, benannt nach einem der Köche im Haus, der das Rezept entwickelte.

Fazit

An heißen Sommerabenden gibt es derzeit keine bessere Adresse als die hippe Kneipenmeile an der Donauseite des Bálna. Und unter den Etablissements, die diese zu bieten hat, hat das Esetleg nicht nur eine der besten Küchen, sondern durch seine sich in zwei Richtungen erstreckende Terrasse auch sicherlich den schönsten Ausblick. Allerdings sollte man für einen langen Abend mit Speisen, Wein und raffinierten Cocktails das eine oder andere Scheinchen einpacken, denn das Preisniveau liegt für Budapester Verhältnisse im oberen Mittelfeld.

Den Sparfüchsen unter unseren Lesern sei noch verraten, dass sich ganz am Ende des Bálna-Gebäudekomplexes ein Vorplatz mit zahlreichen Bierbänken befindet. Hier kann man zwar nicht ganz so stylish, aber eben zum schmalen Taler sitzen, Getränke und Snacks am Imbisswagen erwerben und trotzdem die phänomenale Aussicht genießen.

#

Esetleg Bisztró

Budapest, IX. Bezirk, Fővám tér 11-12

Öffnungszeiten: täglich 11 Uhr bis Mitternacht, Freitag und Samstag bis 2 Uhr

Reservierungen unter +36 70 413 8761 oder esetlegbisztro@gmail.com

Weitere Informationen finden Sie unter www.facebook.com/esetlegbar

Preise

Vorspeisen und Suppen: 1.250 bis 2.700 Forint

Hauptgericht: 2.100 bis 3.500 Forint

Desserts: 950 bis 1.200 Forint

Weine: 600 bis 900 Forint pro Deziliter

Cocktails: 1.100 bis 2.500 Forint
Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Taizé in Budapest

Unter dem Schirm des Höchsten

Geschrieben von Lisa Dauth

Singend und betend zur Ruhe kommen und Antworten auf Glaubensfragen finden – dafür steht Taizé seit…

Chuck Norris zu Besuch in Budapest

Orbán, der Straßenkämpfer

Geschrieben von EKG

„Sich stellvertretend für andere, für deren als peinlich empfundenes Auftreten schämen“, so lautet…

Konzentration der konservativen Medien

Großzügig spendende Oligarchen

Geschrieben von Rainer Ackermann

Der 28. November darf im gewissen Sinne als Stunde 0 gewertet werden: An jenem Tag vereinten sich…