Die fünf Sektionen der Ausstellung zu den jeweiligen Lebensphasen von Amedeo Modigliani (1884–1920) geben der künstlerischen Vielfalt und den einzigartigen Stilformen des unverwechselbaren Modernisten Gestalt, thematisieren aber auch seine Beziehungen zu zeitgenössischen Künstlern. Seine Kunst der europäischen Moderne blieb durchgehend der Formenwelt klassischer Genres treu. Dies zeigt sich besonders im Vergleich mit den ausgestellten Werken zeitgenössischer Künstler wie Picasso und Laurens.

Eine einmalige Kombination von Meisterwerken

Der aus Italien stammende Modigliani kam 1906 mit 22 Jahren nach Paris, wo die chronologische Ausstellung seinen Anfang hat. Die erste Sektion widmet sich den weniger bekannten Skulpturen, die nach Modiglianis Ankunft in den Pariser Künstlergruppen von Montmartre und Montparnasse bis einschließlich 1914 entstanden. Anschließend kehrte er zur Malerei zurück, wobei er unermüdlich nach seinem eigenen Stil suchte, der jedoch nicht mehr seiner vom Fauvismus geprägten Malerei ähnelte. Seine Porträts zeitgenössischer Künstler zeigen berühmte Pariser Persönlichkeiten wie Max Jacob und Jean Cocteau und lassen Verbindungspunkte sowie Unterschiede zu den gleichzeitig ausgestellten Werken Modigliani nahestehender Künstler erkennen. Die wohl bekanntesten Bilder des Künstlers, die Aktbilder, sind der Förderung des polnischen Künstlers Léopold Zborowski zu verdanken und zeugen von Modiglianis Neuinterpretation der Aktmalerei. Die letzte Sektion führt den Besucher nach Südfrankreich, wo die Begeisterung des Künstlers für Paul Cézanne in den gemalten Porträts seiner letzten Lebensjahre deutlich zum Ausdruck kommt. Mit 35 Jahren verstarb Modigliani.

Modigliani-Bilder weltweit beliebt

„Heute gehört Modigliani zu den begehrtesten Künstlern. Die einmalige Zusammenstellung seiner Werke in der Budapester Nationalgalerie wird derzeit sogar mit der Retroperspektive von Modiglianis Zeitgenossen, Pablo Picasso gekrönt“ – sagt Anna Zsófia Kovács, die Kuratorin der Ausstellung. Sie erwähnt auch, dass eigentlich mehr Werke beantragt wurden, als schließlich an die Wände der Galerie in der Burg gelangten. Die seit Langem bestehenden Partnerschaften der Nationalgalerie mit prestigeträchtigen Museen und Galerien haben dazu beigetragen, dass trotz des großen „Modigliani-Bedarfs“ 61 Werke des Malers gezeigt werden können.

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„Dank seines vielfältigen Repertoires kann die Modigliani-Ausstellung das Interesse jeder Altersgruppe wecken, von Kindern bis zu Erwachsenen.“ – empfiehlt Kovács die derzeit aufregendste Kunstsensation Budapests. Modiglianis Motive sind trotz des Formenreichtums überraschend einheitlich: Der menschliche Körper, das Gesicht und das Porträt faszinierten den italienischen Künstler und er bildete sie häufig in Malereien, Zeichnungen und Skulpturen ab.

Aufräumen mit den Mythen

Bei der Organisation der Ausstellung legte die franco-ungarische Kuratorengruppe großen Wert darauf, die Mythen um Modiglianis Leben kritisch zu beleuchten. Man war lange der Meinung, dass der aus einer sephardisch-jüdischen Familie in Livorno stammende Maler zu seinen Lebzeiten kein erfolgreicher Künstler war und deshalb in existenzieller Not lebte. Kunsthistoriker haben jedoch auf seine Vorliebe für Frauen und den exzessiven Lebensstil des viel geförderten Künstlers als Grund seiner miserablen Lebensumstände hingewiesen. Ebenfalls sein vermeintlicher Wettbewerb mit Picasso verblasst vor dem Hintergrund der freundschaftlichen Beziehung der beiden, die auch durch gemeinsam entstandene Werke belegt wird. „Vincent van Gogh ist ein anderes gutes Beispiel für einen missverstandenen Künstler“, betont die Kuratorin mit einem Schmunzeln. Solche Mythen seien eine janusköpfige Geschichte, da durch sie Modigliani auch sehr berühmt geworden ist.

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Kuratorin Anna Zsófia Kovács: „Dank seines vielfältigen Repertoires kann die Modigliani-Ausstellung das Interesse jeder Altersgruppe wecken.“

Zudem wurde Modigliani immer wieder vorgeworfen, er sei nicht avantgardistisch genug, orientiere sich allzu an klassischen Formen und traditionellen Motiven. Kovács zweifelt jedoch daran: „Die Mischung aus diesen zwei Stilformen ergibt gerade Modiglianis bewunderte Eigenart. Eine Moderne ohnegleichen.“

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