Denn zu Pferdestunts gehören immer zwei: zum einen der Stuntman oder die Stuntfrau und zum anderen eben das Pferd – denn auch die tierischen Darsteller einer solchen Produktion durchlaufen eine lange Ausbildung. János arbeitet am liebsten mit seinem eigenen Pferd, dem 18-jährigen Huba: „Bereits seine Eltern waren Stuntpferde und dementsprechend gut ist sein Nervenkostüm. Außerdem ist er seit seiner Geburt bei mir. Von klein auf habe ich mit ihm daraufhin gearbeitet, um später mit ihm drehen zu können.“ Das Ergebnis spricht für sich: Die beiden haben in zahllosen Filmen und Produktionen mitgewirkt, vom Western über Mittelalterfilme bis hin zu Liveshows. Großproduktionen verlangen Pferd und Reiter jedoch jede Menge ab.

Durch dick und dünn

Doch zuerst muss ein gutes Pferd gefunden werden. Huba ist ein Glücksfall und schon genetisch quasi vorbestimmt gewesen für eine Laufbahn im Film. Aber nicht immer ist es so einfach für János, gutes „Lehrmaterial“ zu finden: „Ich suche seit Ewigkeiten bereits nach einem zweiten Pferd, aber es ist wirklich schwierig.“ Zum einen sind dabei äußere Faktoren wie etwa die Fellfarbe und Höhe des Pferdes entscheidend. János ist 1,82 Meter groß, für ihn ist ein Pferd mit circa 1,60 Meter Schulterhöhe am besten, „denn es ist nicht egal, in welche Höhe ich mich bei einem Stunt hochziehen muss“.

#

Mann und Pferd sind für János eine Einheit.

Was aber vielleicht noch wichtiger ist, ist die nervliche Belastbarkeit des Tieres: „Bei Dreharbeiten ist es laut, hektisch, wir fechten, es knallen Waffen – einfach wahnsinnig viele Eindrücke prasseln dort auf ein Pferd ein.“ Deswegen ist es enorm wichtig, dass das Tier von Natur aus ruhig ist, aber natürlich muss auch hier trainiert werden: „Wie bei allen Tricks und Stunts muss auch das gelernt werden, dass ein Pferd bei lauten Geräuschen nicht scheut. Deswegen üben wir das im Training.“ Der Schlüssel zum Erfolg ist, dass Reiter und Pferd eine Einheit bilden und das Pferd sich allein auf seinen Reiter konzentriert. Dazu braucht es viel Zeit und noch mehr Geduld.

Anlaufstelle für künftige Talente

Ein „zu früh“ gibt es bei zukünftigen Stuntmännern und -Frauen nicht. János´ kleinste Tochter Luca ist das beste Beispiel, die Grundschülerin sitzt bereits so selbstsicher im Sattel, dass auch erste Tricks kein Problem sind. János unterrichtet gern, sagt er: „Das Wichtigste ist, es darf nie nach harter Arbeit aussehen, was du mit dem Pferd machst, die Show darf keinen Schweißgeruch verströmen, wie man bei uns sagt.“ Dass aber knochenharte Arbeit hinter den Elementen steckt, wird schnell klar. Als János mit breitem Lächeln aus dem Sattel springt, sich im Sattel festhält und neben dem galoppierenden Huba herläuft, nur um sogleich wieder in den Sattel zu springen, sieht so leicht aus, dass man verleitet ist, zu glauben, das alles wäre nur ein Spiel. Doch der erfahrene Stuntman schnaubt und schwitzt, als er nach vollführtem Stunt vor uns steht, dies sieht man ihm während der Show jedoch nie an.

#

„Den Tricks darf nie der Geruch von Schweiß anhängen.“

amit das so ist, trainiert er viel. Dabei muss nicht nur der eigene Schweinehund gelegentlich überwunden werden, denn auch bei Wind und Wetter heißt es, aufsatteln. Sondern auch der Trainingspartner, das Pferd, muss immer wieder zum Lernen und Arbeiten gebracht werden: „Pferde sind von Natur aus faul. Deswegen ist es sehr unterschiedlich, wie lang eine Trainingseinheit dauert, manchmal nur 20 Minuten, manchmal drei Stunden.“ Von Pferd zu Pferd unterscheidet sich die Lerngeschwindigkeit, „aber hat das Tier einmal begriffen, was ich will und setzt das auch um, ist die Arbeit für den Tag getan.“ Wenn es danach zurück auf die Weide geht, versteht das Pferd schnell, was es tun muss, damit es wieder in Ruhe gelassen wird. „Allerdings ist Konsequenz sehr wichtig. Ich höre erst auf mit dem Training, wenn das Pferd seine Aufgabe erfüllt hat.“ Wem es hierzu an Geduld fehlt, wird beim nächsten Anlauf doppelt so lang mit dem Tier ringen müssen, weiß der Experte. Dies gilt aber nicht nur für Stuntpferde. János reitet auch Turnier- und Sportpferde ein. Gerade jetzt beispielsweise reitet er eine junge Stute ein. „Sie gehört einer ungarischen Familie, die in Deutschland lebt. Die Tochter im Teenageralter soll später auf ihr reiten, aber sie ist noch nicht komplett eingeritten. Ein Kollege in Deutschland hat die Arbeit mit ihr zwar begonnen, allerdings fehlte es ihm am Ende an Geduld. Sie war immer die Letzte, mit der er sich im Laufe des Tages beschäftigt hat.“ Jetzt ist die Stute bei János in der Lehre und bleibt bis September. „Mit Pferden ist es wie mit einer Beziehung, am Anfang ist alles eitel Sonnenschein und alles läuft gut. Doch mit der Zeit kommen die Macken und Eigenheiten des jeweils Anderen ans Licht. Hier braucht es dann Geduld, um sich über diese Schwierigkeiten hinwegzusetzen.“

#

Früh übt sich, wer ein Pferdestuntman werden will.

Wie wichtig die Ausbildung bei einem Stuntpferd ist, zeigt ein Beispiel aus János´ professioneller Vergangenheit: „Bei einer Liveshow hatte man uns vorher nicht Bescheid gegeben, dass am Ende der Vorstellung ein Feuerwerk abgebrannt wird. Darauf müssen die Tiere aber vorbereitet werden.“ Passiert ist zum Glück nichts, aber dies war vor allem der Geistesgegenwart und der Professionalität der Stuntmen geschuldet. Deswegen lehrt er Huba vor allem, ihm als seinen Reiter zu vertrauen, „so kann ich mit ihm durch mannshohe Flammen reiten, es stört ihn nicht, wenn es laut neben ihm knallt und auch andere Pferde bringen ihn nicht aus der Ruhe“. Selbst andere Reiter sind für das ausgebildete Tier kein Problem: „Normalerweise reite ich Huba bei Filmdrehs. Es kommt aber vor, dass beispielsweise ein Schauspieler oder ein anderer Stuntman auf ihm sitzt.“ Dann wird der Kollege in die jeweiligen Bewegungen eingewiesen, die für die Szene notwendig sind und schon wird gedreht. János legt aber auch Wert darauf, selbst immer wieder auf anderen Pferden zu reiten, damit er es nicht verlernt, sich anzupassen: „Manchmal habe ich nur fünf Minuten Zeit, um mich mit einem Pferd bei einem Dreh vertraut zu machen. Wenn ich immer nur Huba reiten würde, wäre das schlicht unmöglich.“

Nicht nur Stuntman, sondern auch Lehrer

Trotz aller Leidenschaft für seinen Beruf denkt János doch langsam an einen Wechsel und möchte sich in Zukunft mehr aufs Unterrichten konzentrieren. Schon jetzt hat er einige Schüler und stolz erzählt er von einem Brüderpaar, dass erst bei ihm lernte und nun mittlerweile in der ungarischen Version der deutschen Erfolgsshow „Passionata“ unter Vertrag ist. „Aber die Zahl derer, die aufgeben, ist hoch, da viele einfach unterschätzen, mit wie viel Arbeit und Anstrengung das Dasein als Pferdestuntman einhergeht.“ Und dabei sind es nicht nur Blessuren und Muskelkater, die den Cascadeur, so die ungarische Berufsbezeichnung, in spe erwarten. János ist strikter Verfechter der Ansicht, dass für Erfolg hart gearbeitet werden muss.

#

Wer bei ihm lernt, lernt nicht nur, wie man effektvoll auf- und absteigt und waghalsige Tricks vollführt, sondern ebenso, dass ein Pferd, insbesondere ein so stark beanspruchtes Tier auch viel Pflege und Zuwendung braucht. Deswegen bürsten, satteln und waschen János´ Schüler selbst. Gelernt wird auf Huba, denn obwohl er bereits 18 Jahre alt ist, ist er in Topform. Und dank seines ruhigen Gemüts bestens für Anfänger geeignet – und das nicht nur für die Stuntmen der Zukunft. Und obwohl normalerweise Hunden und ihren Besitzern nachsagt, sich über die Zeit hinweg immer ähnlicher zu werden, scheint auch János ähnlich wie sein Huba über schier unendliche Ruhe zu verfügen. Einzig, wenn es um Pferde geht, flammen seine leuchtend blauen Augen auf. Wenn man ihn über die richtige Haltung und Erziehung dieser edlen Tiere sprechen hört, wird schnell klar, warum er zwischen Pferdestuntmen und Stuntmen, die mit Pferden arbeiten rigoros unterscheidet. Denn für ihn reicht es nicht, die Tricks zu beherrschen, sondern er sieht in Tier und Mensch eine Einheit. Sein Lebensweg und vielleicht noch mehr sein gesunder vierbeiniger Gefährte zeigen, wie richtig er mit seiner Einstellung liegt.

#

Wer sich von János´ Können als Stuntman einmal selbst überzeugen möchte, sollte nach Shows des Equestrian Stunt Teams Ausschau halten. Doch auch für Reit- und Stuntunterricht steht er gern zur Verfügung. Entweder auf der L-Ranch in Örbottyán, oder andernorts.

www.facebook.com/Equestrian-Stunt-Team

www.facebook.com/lranchhorsemanship

mravik.janos@gmail.com

#

Konversation

ÄHNLICHE BEITRÄGE
Szemrevaló Fesztivál / Sehenswert-Festival 2018

Vergangenheit und Gegenwart auf die Leinwand gebannt

Geschrieben von Katrin Holtz

Kaum geht in Miskolc das internationale Filmfestival Jameson CineFest zu Ende, schon steht das…

Die Letzte Seite: Memes zum Sargentini-Bericht

Die Steilvorlage

Geschrieben von EKG

Seien wir ehrlich, das Ergebnis der Abstimmung am Mittwoch vergangener Woche war trotz allem…

Konferenz über die Bekämpfung von Fluchtursachen

Dramatische Zunahme der Christenverfolgung

Geschrieben von Maximilian Heinz

„Religionsfreiheit und Entwicklungszusammenarbeit zum Abbau von Fluchtursachen“ war das Thema einer…