Es gab eine Zeit, da standen Musikfestivals für Rebellentum und eine alternative Lebensweise. Heute müssen sich vor allem große Festivals immer wieder einen Vorwurf anhören – alles nur Kommerz! Denn für viele sind die Musikveranstaltungen schon lange nicht mehr Keimzelle gesellschaftlichen Umbruchs, wie es vielleicht dereinst Woodstock gewesen ist. Die Veranstalter des Bánkitó Fesztivál wollen das jedoch wieder ändern. „Seit sieben Jahren arbeiten wir nun daran, ein Festival in Ungarn zu etablieren, das den Besuchern eine soziale Botschaft vermittelt“, sagen sie in einem Interview.

Konzerte, Theater und Rundtischgespräche

Das kleine Festival im Norden Ungarns bietet ein Programm, das alle künstlerischen Sparten verbindet, ob nun Musik, Theater oder bildende Künste. Hinzu kommen Rundtischgespräche, Vorträge zu gesellschaftlichen Themen und Workshops. Mehr als 50 zivile Organisationen, mehr als 30 Künstler und Künstlerkollektive sowie sieben Theatergruppen sind auf dem diesjährigen Bánkitó Fesztivál vertreten. Wie auch in den Vorjahren thematisieren die Veranstalter aktualpolitische Herausforderungen: In diesem Jahr wird sich das Thema „Grenzen“ in den über 100 Programmpunkten des Festivals widerspiegeln.

Neben dem Lösen der Menschheitsprobleme geht es aber natürlich auch bei diesem Festival ums Tanzen, Baden und faul in der Sonne liegen. Für musikalische Höchststimmung sorgen vor allem ungarische Acts, wie Fran Palermo, iamyank und die Bohemian Betyars. Ebenso Szabó Benedek, der bereits 2015 dabei war, tritt wieder auf, aber auch Mainstreambands, wie Ivan and the Parazol. Daneben haben sich auch einige internationale DJs für das viertägige Festival angemeldet.

Klein, aber oho!

Dass Bánkitó mit seinem Minimalbudget kaum den Vergleich mit kommerziellen Festivalriesen in Ungarn, wie etwa dem Volt Festival oder dem Balatonsound, standhalten kann, liegt auf der Hand. Mit seinen knapp über 10.000 Besuchern jährlich wäre dies ein Kräftemessen wie David gegen Goliath. Und trotzdem: Wie auch in der biblischen Geschichte, erringt das kleine Festival höchste Ehren – selbst Károly Gerendai, Gründer des Sziget-Festivals, eines der größten Musikfestivals in Europa, äußerte sich bewundernd über den kleinen Konkurrenten im Norden des Landes: „Diese Art von Festivals, bei denen die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl wichtiger sind, als die Bands auf der Bühne, werden in Zukunft immer größere Erfolge feiern.“

Der Name des immer beliebter werdenden Festivals leitet sich von seinem Veranstaltungsort an den Ufern des Bánker Sees ab. Bánk ist eine idyllische kleine Gemeinde im Komitat Nógrád. Über die M2 in Richtung Norden ist die Ortschaft, die zum Einzugsgebiet Rétság gehört, mit dem Auto in weniger als einer Stunde von Budapest zu erreichen. Doch auch mit Bahn und Bus kann man sich auf den Weg machen. Einfach an Budapests Westbahnhof in einen der Züge in Richtung Vác steigen (alle 10 bis 30 Minuten gibt es Verbindungen) und von dort mit dem Busanbieter Volán direkt bis zum Festivalgelände fahren.


Bánkitó Fesztivál

Dauer: 13. bis 16. Juli 2016

Veranstaltungsort: Bánk, am Ufer des Bánker See

Eintritt (bis 1. Juli, danach steigen die Preise): Festivalticket für 22.000 Forint / Tagestickets für 9.000 Forint

Weitere Informationen finden Sie unter: www.bankitofesztival.hu/

Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Interview mit EMMI-Minister Prof. Dr. Miklós Kásler

„Für jede gesunde Nation ist die eigene Identität wichtig“

Geschrieben von Jan Mainka

Kurz nach den Wahlen im letzten April ging die Leitung des Ministeriums für menschliche Ressourcen…

Budapest Airport Zrt.

„Ein Flughafen ohne Baustellen ist ein toter Flughafen“

Geschrieben von Stefanie Ens

Wie wir letzten Mittwoch bereits in BZ heute berichteten, steht dem Budapester Franz-Liszt-Flughafen…

Im Gespräch mit György Szabó, dem Leiter des Kulturzentrums Trafó

Raum für Innovation schaffen

Geschrieben von Sarah Günther

Seit 1998 hat sich das Trafó - House of the Contemporary Arts - im 9. Budapester Stadtbezirk als…