Für ein Leben als Bühnenkünstler war Michu Mészáros prädestiniert. Seine beiden jeweils knapp über einen Meter großen Eltern waren in Budapest an einem Theater für Kleinwüchsige engagiert. Im Jahre 1939 geboren, erreichte auch Michu gerade einmal eine Körpergröße von 83 Zentimetern und war zwischenzeitlich sogar als kleinster Mann der Welt im Guinnessbuch der Rekorde gelistet. In Ungarn besuchte er zunächst eine Schule, die auf Jonglage, Akrobatik und Pantomime spezialisiert war. Als siebtes Kind seiner Eltern tourte die Familie als Zirkus durch Osteuropa. Im Jahre 1973 wurde er vom amerikanischen Ringling-Brothers-Circus entdeckt und reiste mit ihnen durch die USA und Kanada, wo er unter anderem als David, der gegen Goliath kämpft, auftrat.

Anfang der 1980er-Jahre entschied er sich schließlich, das sowjetisch besetzte Ungarn zu verlassen und in die USA auszuwandern. Anfangs sah man ihn in kleineren Statisten- und Nebenrollen, so beispielsweise in der Komödie „Big Top Pee-wee“, dem Horrorfilm „Warlock: The Armageddon“ sowie in der trashigen Komödie „Freaked“. Die Rollen sind in gewisser Weise bezeichnend für die selbst gewählte Form von Schauspiel, die sich wie ein roter Faden durch Mészáros' Werdegang zieht: die Rolle des „Außergewöhnlichen“.

Der Durchbruch als Alf

Ein Millionenpublikum zog Michu Mészáros erst Jahre später an. Als Alien Alf wurde er in der gleichnamigen Sitcom in den 80ern berühmt. Auch in Deutschland war die im ZDF gesendete Serie ein voller Erfolg. Mészáros spielte von 1986 bis 1990 den temperamentvollen Außerirdischen, der eines Tages bei der Familie Tanner samt Raumschiff durch das Dach ihrer Garage fällt und sich bei ihnen im Haus breitmacht. Von den Kindern Lynn und Brian wird er Alf getauft, was kurz für Alien Life Form (deutsch: außerirdische Lebensform) steht.

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Alf gilt als Kultserie der 80er Jahre.

Mit seinen kuriosen Eigenschaften und seinem energischen Charakter stellt er das Familienleben auf den Kopf. Alf stammt vom Planeten Melmac, welcher durch eine atomare Katastrophe vernichtet wurde. Sein richtiger Name ist Gordon Shumway. Nach eigenen Angaben ist er 95 cm groß und besitzt mehrere Mägen sowie vier Finger an jeder Hand. Sein Fell hat eine rötlich braune Färbung. Alf ist rhetorisch begabt, kann Stimmen imitieren und ist stets um eine pointierte Bemerkung bemüht. Das Wohl der Familie ist ihm wichtig, auch, wenn ihm oft der ein oder andere Fehler unterläuft, wie den Weihnachtsbaum der Tanners zu zersägen, weil das auf Melmac so üblich ist. Seine Leibspeise sind Katzen, sodass er regelmäßig Jagd auf die Katze der Tanners, Lucky, macht, was ihm aber nie gelingt.

Michu Mészáros schlüpfte immer dann in das Alf-Kostüm, wenn man den pelzigen Alien in einer Totalen gesehen hat, so zum Beispiel im Vorspann zur Serie, in dem Alf für ein Gruppenfoto auf die Familie Tanner zuläuft. Alf erreichte schnell Kultstatus und war für Mészáros die „Rolle seines Lebens“. Nichtsdestotrotz sagte er einmal gegenüber dem People-Magazin: „Ich will wie eine erwachsene Person, nicht wie ein Kind oder ein Haustier behandelt werden. Ich bin ein Mensch“.

Privatleben weitestgehend unbekannt

Nachdem die Poplegende Michael Jackson Mészáros im Zirkus hatte auftreten sehen, wurden die beiden Freunde und tauchten auch in einem gemeinsamen Pepsi-Werbespot auf, in dem der als Magier verkleidete Mészáros Jackson verschwinden lässt. Auf Jacksons Neverland Ranch war er ein viel und gern gesehener Gast. Eine weitere besondere Begegnung war ein Treffen mit Muhammad Ali. Die Boxlegende nahm den kleinen Mann auf den Arm, woraufhin der taffe Mészáros sagte: „Ich werde dich zerstören.“

Der Zirkus spielte in Mészáros’ Leben immer eine Rolle, auch in den Jahren nach Alf. Er spielte oft einen kleinwüchsigen Zirkusartisten, in „Kuck mal, wer da spricht!“ war er Stuntdouble. Für Promotionszwecke ließ er sich gerne im Beisein extrem hochgewachsener Menschen filmen, um noch zierlicher zu wirken oder kokettierte mit seiner Statur, indem er aus Koffern stieg. Doch abseits der von Mészáros selbst gewählten Bühne ist über sein Privatleben so gut wie nichts bekannt. Der Ungar schien recht zurückgezogen zu leben, trank nach Übermittlungen gerne Scotch und rauchte riesige Zigarren.

Am vergangenen Sonntag, den 12. Juni, verstarb Michu Mészáros im Alter von 76 Jahren in einem Krankenhaus in Los Angeles. Laut Angaben seines langjährigen Managers Dennis Varga war er zehn Tage zuvor ins Koma gefallen. Bereits vor acht Jahren erlitt Mészáros seinen ersten Schlaganfall, von dem er sich nie richtig erholte. Der Schauspieler scheint durch seine Rollen und Auftritte jedoch nicht reich geworden zu sein: Auf der Spendenplattform Gofundme.com wurde kurz nach Mészáros' Tod ein Spendenaufruf geschaltet, um Geld für ausstehende Arztrechnungen und Beerdigungskosten zu sammeln. Unvergessen wird der ehemals kleinste Mensch der Welt allemal bleiben, nicht zuletzt wegen der Rolle, in der man ihn ironischerweise nie selbst gesehen hat: Im laut Mészáros ziemlich unbequemen, kratzigen Kostüm des Zottelmonsters Alf.

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