Denn vor 55.000 Zuschauern (darunter ca. 15.-20.000 Fans aus Ungarn) in Lyon waren die Magyaren dreimal (!) in Führung gegangen, mit einer Niederlage aber hätte Portugal die Segel streichen müssen. Da die Mannschaft von Bernd Storck nach zwei Spieltagen (und mit deutscher Schützenhilfe) bereits vorzeitig weitergekommen war, konnten Stammspieler wie Kleinheisler, Nagy und Kádár für das Achtelfinale geschont werden. Ein harmloses 0:0 wie von Deutschland und Polen demonstriert hätte beiden Teams gereicht, doch wollten die Portugiesen endlich ihren ersten Sieg feiern. Stattdessen bekamen sie die erste kalte Dusche durch Gera, der nach 20 Minuten einen nach Eckstoß aus dem Strafraum geköpften Ball volley nahm und unhaltbar zum 1:0 für Ungarn einschoss. Zweifellos eines der schönsten Tore der EM. Zehn Minuten später konnte Király einen gefährlichen Ronaldo-Freistoß abwehren. In der 39. Minute hatte der ungarische Torhüter noch Glück bei einem Abseitstor, drei Minuten später war Nani aber zu schnell und präzise: 1:1 kurz vor der Pause.

Dabei darf man nicht vergessen, dass alleine Ronaldo und Nani in den ersten beiden Spielen mit 29 Torschüssen aktiver als die komplette ungarische Mannschaft (26 Schüsse) waren. Gegen dieses angriffslustige Team startete Ungarn unbeeindruckt in die 2. Halbzeit: Der Freistoß von Dzsudzsák in der 47. Minute wurde unhaltbar abgefälscht, erneut ging der Außenseiter in Führung. Damit begannen die turbulentesten zehn Minuten der EM, denn nur drei Minuten später glich Ronaldo mit einem genialen Treffer per Hacke zum 2:2 aus. Wonach die ungarische „7“, Dzsudzsák, erneut zuschlug: In der 55. Minute wurde sein Freistoß zwar von der Mauer geblockt, der ungarische Kapitän nahm den Ball aber in der Art mit, wie wir es von Robben kennen, und sein Torschuss wurde erneut unhaltbar abgefälscht – 3:2. Ronaldo, der im dritten Spiel überhaupt erst seine Torlosigkeit abschütteln konnte, traf in der 62. Minute noch mit dem Kopf, doch anschließend mühten sich die Portugiesen maximal noch zehn Minuten, ehe sie einsahen, dass sie mit dem Unentschieden gut bedient sind. In der Schlussphase wollte eigentlich nur noch der Schiedsrichter spielen, die Spieler waren sichtlich erschöpft, was bei Lufttemperaturen von über 30°C nicht verwundern muss.

Ungarn holte ungeschlagen (2:0 gegen Österreich, 1:1 gegen Island, 3:3 gegen Portugal) mit 5 Punkten den Gruppensieg vor den punktgleichen Isländern, die Österreich in letzter Sekunde mit 2:1 nach Hause schickten und im Achtelfinale gegen England spielen, während Portugal als Gruppendritter gegen Kroatien ran muss. Ungarn trifft auf den Zweiten der Gruppe E, auf Belgien oder Schweden. Das Spiel findet am Sonntag ab 21 Uhr in Toulouse statt.

Hier sehen Sie alle sechs Tore des sehenswerten Spiels, mit dem Ungarn den Gruppensieg verteidigte.

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