Geprägt wurde Pápa dann auch vor allem durch die Adelsfamilie Esterházy. Über Jahrhunderte hinweg bis nach 1945 beeinflussten sie Stadt und Umgebung nicht nur mit dem weithin sichtbaren Schloss – auch die Pápa überragende St.-Stephans-Kirche geht auf einen Abkömmling des Adelsgeschlechts zurück. Bischof Karl Eszterházy ließ das spätbarocke Gotteshaus zwischen Schloss und Stadtkern 1776 nach Plänen Jakob Fellners fertigstellen.

Anders als die St.-Stephans-Kirche ist das Barockschloss der Esterházys heute nicht mehr Adelssitz: Nach dem Zweiten Weltkrieg waren zunächst die städtische Musikschule und eine Bibliothek in dem Gebäude untergebracht, bis nach der Renovierung schließlich ein Museum eingerichtet wurde. Neben klassischen Führungen können Besucher Bräuche der Barockzeit nachfühlen oder sich in der Esterházy-Kapelle sogar das Ja-Wort geben. Wechselnde Ausstellungen runden das Angebot ab – aktuell mit dem Thema Glaskunst. Ausgefallen ist das ins Schloss integrierte Theater: Anstatt Darsteller aus Fleisch und Blut können hier Marionetten bei ihrem Spiel bestaunt werden.

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In der Stadtmitte befindet sich neben der St.-Stephans-Kirche ein weiteres geschichtsträchtiges Gebäude. Im Hotel Griff kann erstklassig gegessen und genächtigt werden – und das in guter Gesellschaft. Denn selbst der große ungarische Komponist und Pianist Béla Bartók hielt einst im Spiegelsaal des Hotels ein Konzert ab.

Erinnern gegen das Vergessen

Pápa ist darüber hinaus auch bekannt für seine jüdische Gemeinschaft, die bis zu den Verfolgungen, Tötungen und dem Genozid während des Zweiten Weltkriegs den Kern der städtischen Gesellschaft bildete. Die Synagoge in der Sándor Petőfi utca wurde zwar stark beschädigt und nach dem Weltkrieg aus finanziellen Gründen nicht grundlegend renoviert, ist jedoch immer noch das drittgrößte jüdische Gotteshaus Ungarns. Unter dem Dach finden regelmäßig Konzerte und Ausstellungen statt; auch als wichtiges Symbol gegen die immer noch rückständige geschichtliche Auseinandersetzung mit Deportation und Genozid in Ungarn. Im Jahr 2012 fand unter dem Titel „Unsere vergessenen Nachbarn“ eine von örtlichen Vereinen und Mitgliedern von aus Pápa stammenden jüdischen Familien statt – Kern waren Fotografien des Alltags der jüdischen Gemeinschaft. Zur Eröffnung wurde unter anderem der israelische Botschafter in Ungarn, Ilan Mor, eingeladen.

Farben, Theater und Bier

Ein Kuriosum befindet sich auf der Hauptstraße: Die ehemalige Blaufärberei der in Pápa seit dem 18. Jahrhundert ansässigen Familie Kluge dient heute als Museum. Hier gibt es Hintergrundinformationen zur Geschichte der Blaufärberei in Ungarn sowie zu den verschiedenen Schritten des Arbeitsprozesses und zur Familie Kluge selbst. Fazit: Lohnt sich definitiv!

Pápa ist auch als Schulstadt bekannt. Und das nicht ohne Grund: Schließlich lernten hier Berühmtheiten wie die Dichter und Schriftsteller Sándor Petőfi und Mór Jókai oder der Politiker Ferenc Deák, der mitverantwortlich für den Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn war.

Neben den kulturellen Sehenswürdigkeiten kommt auch das leibliche Wohl nicht zu kurz. Während das Burggartenbad mit seinen Thermalen für äußerliche Entspannung sorgt, können Fleischliebhaber typische ungarische Produkte direkt am Herstellungsort von Pápa Húsgyár ausprobieren.

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Pápa war Ziel vieler berühmter Dichter und Denker.

Die jährlich stattfindenden Programmpunkte kombinieren mitunter beides – Kultur und Gastronomie gehen hier Hand in Hand. Bestes Beispiel dafür sind die im Spielfeste von Pápa. Immer im Juni führen beispielsweise die Künstler des Budapester Operettentheaters Stücke auf, während auf dem Hof des Esterházy-Schlosses ein Bierfest Besucher anlockt

Schwaben und Esterházys

Vielfalt wurde und wird in Pápa bis heute gelebt: Die ehemals große sogenannte donaudeutsche Gemeinschaft rund um die Kleinstadt bewahrt mit einer Grundschule, Handwerksmärkten und den „Tagen der Reigen und Weine“ Bräuche und Traditionen der einst vor allem aus dem heutigen Baden-Württemberg eingewanderten Vorfahren. Bei einem Glas Wein kann sich dann sowohl auf Ungarisch als auch auf Deutsch ausgetauscht werden. Und das über Ländergrenzen hinweg: Das schwäbische Schwetzingen und das ungarische Pápa konnten 2012 ihr 20-jähriges Städtepartnerschaftsjubiläum feiern. Vertreter und Interessierte treffen sich weiterhin Jahr für Jahr, um die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen aufrechtzuerhalten.

Zurück zur Familie Esterházy und zu einem eindrücklichen Schlusspunkt – dem Mausoleum der Familienmitglieder im etwa 12 Kilometer entfernten Dorf Ganna. Der französische Architekt Charles Moreau baute hier für die Adelsfamilie die Miniatur des Pantheons in Rom nach. Das Wandeln in den Gruften ist ein morbid-schöner Abschluss für den Besuch der Stadt in Westungarn, die auf den ersten Blick einiges zu bieten hat, aber auf den zweiten Blick noch schöner wird.
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