Bevor Varga in seiner Festansprache an diesen wichtigen Punkt gelangte, würdigte er in einer improvisierten, aber dafür umso wirkungsvolleren Rede den Jubilar. Zunächst teilte er mit den etwa 1.200 Zuhörern seine Freude darüber, dass trotz des immensen Alters aus Kühne keinesfalls ein Museum geworden ist, sondern sich die Fabrik voller Vitalität erfreut und noch dazu ihr ursprüngliches Profil, inzwischen ergänzt um die Autobusherstellung, bewahrt hat. „Kühne ist zum Teil von Familientraditionen geworden, Generationen haben hier gearbeitet“, so der Minister mit Blick über das Publikum, in dem auch viele inzwischen berentete ehemalige Kühne-Mitarbeiter zu sehen waren.

„Eine Säule der nationalen Industrie“

„Heute ist die Kravtex-Kühne-Gruppe eine Säule der nationalen Industrie“, kam er nach dem kurzen Exkurs in die Geschichte wieder auf die Gegenwart zu sprechen. Sodann erklärte er den Zuhörern den Grund für seine etwa einstündige Verspätung. „Ich habe mich ausgerechnet wegen einer Regierungssitzung verspätet, die eine Entscheidung über die Zukunft des ungarischen Busbaus gefällt hat. Ich bringe Ihnen die gute Nachricht mit, dass sich die ungarische Regierung dafür entschieden hat, den Busbau wieder in seinem alten Glanz entstehen zu lassen.

#

Wirtschaftsminister Mihály Varga präsentiert das schönste Geburtstagsgeschenk des Tages.

Wir haben entschieden, aufbauend auf den vorhandenen Busbaukapazitäten ein auf drei Jahre angelegtes Programm zu beginnen, das nicht nur die Möglichkeiten schaffen soll, die Binnennachfrage mit Bussen aus einheimischer Produktion zu befriedigen, sondern auch den ungarischen Busexport wieder ankurbeln soll.“ An dieser Stelle brandete aus dem Publikum ein spontaner Applaussturm auf. Getragen war er von Dankbarkeit, aber auch von Erleichterung. Immerhin war den meisten Kühne-Mitarbeitern in den vergangenen Jahren nicht verborgen geblieben, wie sehr insbesondere die Autobussparte der Fabrik zu kämpfen hatte. Auch jetzt standen, verteilt auf dem Fabrikgelände mehr fertige Credo- Busse, als bei einem reibungslosen Absatz eigentlich hätten stehen dürfen. Bescheiden, wie es seine Art ist, bedankte sich Varga sichtlich berührt für diese Zustimmungsbekundung. „Wenn dieser Applaus der Regierungsentscheidung gilt, dann möchte ich mich bedanken.“ Zugleich stimmte er die Kühne-Belegschaft schon einmal auf das ein, was jetzt kommt: „Die richtige Arbeit kommt erst jetzt!“ Dann deutete er an, welche Rolle die Kravtex-Kühne-Gruppe im Rahmen des Regierungsprogramms spielen wird. „Ich befinde mich in der größten ungarischen Busfabrik. Wenn ich mir überlege, wer noch über eine so große Kapazität verfügt, dann sprechen die Fakten für Kravtex-Kühne.“

An die große Ikarus-Ära anknüpfen

Sodann kam er wieder auf die Vergangenheit zu sprechen, speziell auf Ungarns große Vergangenheit als Autobusproduzent. „In Ungarn wurden in den siebziger und achtziger Jahren jährlich bis zu 13.000 Busse produziert.“ Diese Vergangenheit sei nicht spurlos verschwunden, wie der Minister sogleich mit einem weiteren frischen Erlebnis illustrierte. „Gerade gestern habe ich den Präsidenten des kirgisischen Parlaments empfangen“, berichtete er.

#

Inhaber Dr. István Krankovics: „Es erfüllt uns mit Freude, dass die Regierung im Rahmen des nationalen Busprogramms auf die Teilnahme unserer Firmengruppe zählt."

„Unter den drei Dingen, die ihm bezüglich Ungarn in den Sinn kamen, waren auch der Busbau beziehungsweise die Ikarus-Busse.“ An diese Vergangenheit gelte es jetzt anzuknüpfen. „Wenn es nicht einige enthusiastische Eigentümer gegeben hätte, die einige wenige Busbau-Kapazitäten am Leben gehalten haben, dann würde es heute nicht einmal mehr Keime einer zukünftigen Busindustrie mehr geben“, unterstrich er verbunden mit einem Dank an jene Eigentümer: „Danke, dass sie die Glut bewahrt haben, wir hoffen jetzt, daraus wieder ein Feuer zu entfachen.“ Jetzt beginne ein neuer Zeitabschnitt, versprach er. Und schon machte er sich bezüglich dieses Abschnitts erste betriebswirtschaftliche Gedanken. So sei es seiner Meinung nach wichtig, dass eine gewisse Zahl an jährlich produzierten Bussen erreicht werde. Nur so seien wettbewerbsfähige Preise darstellbar und könnten neue Märkte erschlossen werden. Die neue ungarische Busindustrie müsse von Anfang an auch die Exportmöglichkeiten im Blick haben. „Es geht nicht nur darum, dass der ungarische Staat mehr ungarische Busse kauft.“

„Ungarische Busse schaffen ungarische Arbeitsplätze“

Wobei natürlich auch diese Absicht wichtig sei und volkswirtschaftlich sinnvoll, womit er auf die positiven Arbeitsmarkt- und Steueraspekte anspielte. „Wenn auf ungarischen Straßen ausländische Busse fahren, dann wird es für die ungarische Wirtschaft keine zusätzlichen Arbeitsplätze geben. So einfach ist das“, führte er diesen Gedanken noch deutlicher aus.

#

Viele volkswirtschaftliche Nutzeffekte: „Über den ungarischen Bus kann sich sowohl der Wirtschafts- als auch der Finanzminister in Varga freuen.“

Gegenüber der amtlichen Nachrichtenagentur MTI bemerkte er später noch folgendes dazu: „In Ländern mit bedeutendem Autobusbau wird die einheimische Nachfrage nach Bussen in erster Linie mit Fahrzeugen aus einheimischer Produktion gedeckt. Ziel der Regierung ist, dass bei ungarischen Ausschreibungen genau dieses Bestreben verwirklicht wird.“ Unterstützen werde die Regierung ungarische Busfabriken, die vor Ort produzieren, mit Krediten, Fördergeldern und Märkten.

In drei Jahren sollen jährlich 1.000 bis 1.200 Busse in Ungarn produziert werden

Sodann äußerte sich Varga zum Ziel des Programms: „Die ungarische Regierung hat ihre Hand ausgestreckt und Sie haben zugegriffen. Wenn wir in der Folgezeit zusammenhalten und zielgerichtet die Kapazitäten aufbauen, dann bin ich mir sicher, dass wir in drei Jahren dahin kommen werden, dass in Ungarn jährlich 1.000 bis 1.200 Busse produziert werden.

#

Ungarische Hymne in ungarischer Busfabrik.

Dabei geht es nur um die ersten drei Jahre. Ich hoffe sehr, dass sich diese Entwicklung auch darüber hinaus fortsetzen wird.“ Auf die im Raum stehende Frage, warum sich die nationalkonservative Regierung erst jetzt dazu anschickt, etwas für den ungarischen Busbau zu tun, erklärte der Minister: „Das wurde nur dadurch möglich, da die Lage der ungarischen Volkswirtschaft heute viel besser ist als vor fünf oder sechs Jahren. Damals mussten wir Kredite zurückzahlen. Jetzt können wir über eine nationale Busbaustrategie sprechen. Jetzt können wir davon sprechen, dass es in Ungarn mit Unterstützung der Regierung bald wieder eine nationale Busindustrie mit einer wesentlich größeren Kapazität als heute geben wird.“

„Müssen nicht bei Null anfangen“

Gegen Ende seiner Rede versuchte er noch einmal, letzte Zweifel an den Absichten der Regierung auszuräumen: „Die gute Nachricht für Sie ist, dass die Regierung heute einen Punkt an das Ende eines Satzes gesetzt hat. Beginnen wir die ungarische Busindustrie wieder aufzubauen! Ich bedanke mich bei der Kravtex-Kühne-Gruppe, dass sie sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich entwickelt und produziert hat, sodass wir heute nicht bei Null anfangen müssen. Ich hoffe, dass sich diese Halle und eventuell weitere Hallen bald mit neuen Montagelinien, neuen Bussen und neuen Arbeitsplätzen füllen werden.“

#

Die neue Kühne-Halle.
Konversation

ÄHNLICHE BEITRÄGE
Orbán bei Putin

Ungarn braucht berechenbare Partner

Geschrieben von BZ heute

Ungarn benötigt berechenbare Partner, ich freue mich, dass die Beziehungen zu Russland seit Jahren…

Ramenka im VII. Bezirk

Hier ist Schlürfen Pflicht

Geschrieben von Katrin Holtz

Die Frage, warum nun ausgerechnet eine Nudelsuppe das Potential zum Trendessen hat, wird sich so…

Buchtipp und Interview mit Beatrix Vertel und Csilla Páll

Ungarn in Wien entdecken

Geschrieben von Sarah Günther

„Ungarn in Wien“ ist ein besonders schönes Buch für alle Fans von Geschichte, Kultur und Kunst. Wir…