„Ich glaube, das ist die erste Präsentation, in der ich ‚fuck‘ sagen darf und es okay ist“, meinte Jörg Bauer, Chef von General Electrics Ungarn. Tatsächlich lässt der Name des Events aufhorchen: FuckUp Night? Im Corvin Club in Budapest? Klingt eher nach hemmungsloser Party als nach informativen Vorträgen von Business-Insidern. Doch die Veranstalter schafften es, den Abend locker und dennoch ansprechend zu gestalten. Mit Vorträgen von Geschäftsführer Jörg Bauer, Ökonom Tim Harford und den Entrepreneuren Petya Balogh und Jack Hooper war die erste FuckUp Night in Budapest ein voller Erfolg – nicht trotz, sondern auch wegen technischer Patzer und schlechten Wetters, das die Veranstaltung vom Dach in die Clubräume zwang. „Lasst uns dem Regen und allem anderen, was heute Abend schief gehen wird, applaudieren!“, meinten die Moderatoren Danial Vattay und Tomas Studenik gleich zu Beginn des Events.

Alles, was schief gehen kann

FuckUp Nights ist eine Reihe von Veranstaltungen, die 2012 ihren Anfang in Mexiko fand. Mittlerweile finden FuckUp Nights über den ganzen Globus verteilt statt. Die Events werden von New York über Johannesburg bis Tokyo abgehalten.

In lockeren, kurzen Vorträgen erzählen Insider über unternehmerisches und persönliches Scheitern und erklären, wie sie damit umgegangen sind und was sie daraus lernen konnten. Die Regeln sind klar: Es gibt pro Abend drei bis vier Vortragende, jedem davon werden 7 Minuten und 10 Folien für die Präsentation gestattet. Nach den Vorträgen folgt eine kurze Fragerunde und am Ende beginnt der flüssige Teil des Abends – Cocktails trinken und sich miteinander vernetzen.

Die Bewegung der FuckUp Nights ist mittlerweile sehr beliebt, was sich auch daran zeigt, dass bei der ersten Ablegerveranstaltung in Budapest volles Haus herrschte.

Wenn genug Sprit da ist, einfach weiterfliegen

Der Hobbypilot und GE Ungarn-Chef Jörg Bauer erzählte eine Anekdote von einem seiner ersten Soloflüge. Er hatte nach einiger Zeit die Orientierung verloren und wusste nicht mehr, in welche Richtung er fliegen musste. Als ihn Panik überkam, erinnerte er sich an die Worte seines Fluglehrers: „Mach ruhig kleine Fehler, aber werde nicht panisch. Solange du Sprit im Tank hast und die Flügel gerade hältst, kannst du einfach weiterfliegen.“ Das machte Bauer dann auch. Er fand seine Orientierung wieder und landete zum Schluss sicher auf dem Flugfeld; sehr zur Erleichterung seines nervösen Fluglehrers, der dort auf ihn wartete.

Tim Harford schloss seinen Vortrag mit der Erkenntnis, dass Scheitern seinen Zweck in sich selbst trägt. Denn oft genug merkt man gar nicht, dass man auf dem falschen Weg ist. Misserfolge und Reinfälle sollen einem zeigen, dass man die Richtung ändern muss. Im Scheitern liegt die Erkenntnis.

Jegliche Patzer, die der ersten FuckUp Night in Budapest unterlaufen sind, werden also dafür sorgen, dass die zweite noch besser wird. Bis dahin warten wir schon gespannt auf Vol. II

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