Die Ortschaft, die im Jahre 2005 zur Stadt ernannt wurde, gilt als kleines Schmuckkästchen im Komitat Fejér. Nicht weit vom Velencer See, zwischen der ungarischen Hauptstadt und Székesfehérvár gelegen erreicht man Martonvásár über die Autobahn M7. Die Wurzeln der kleinen Stadt führen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Damals verhalf eine Adelsfamilie, die Brunswicks (in der ungarischen Schreibweise Brunszvik), diesem Gebiet zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Nach der Mode der damaligen Zeit bauten sie ein Schloss mit englischem Garten, das später mehrmals umgebaut wurde.

Liebe entgegen der Etikette

Die Familie Brunswick war berühmt dafür, dass sie Anfang des 19. Jahrhunderts einige Monate lang den berühmten deutschen Komponisten, Ludwig van Beethoven als Gast empfingen. Beethoven wurde als Klavierlehrer der Baronessen Therese und Josephine von Brunswick engagiert. Böse Zungen behaupten, dass sich darüber die junge Josephine und Beethoven näherkamen und zärtliche Gefühle füreinander hegten. Doch die damalige Etikette und der soziale Status der jungen Leute (Josephine von Brunswick war eine Adelige, Beethoven dagegen „nur“ ein Komponist mit unsicherem finanziellen Status) stand der Liebe der Jugendlichen im Wege. So trennten sich bald darauf ihre Wege, aber die Legende lebt bis heute weiter.

Laut einigen Beethoven-Forschern sei Josephine die „Unsterbliche Geliebte“ von Beethoven geblieben. Ob es wahr ist oder nicht, wird man wohl nie wissen, aber das Schloss und der Park sind seitdem das ungarische Mekka für Beethoven-Fans. Im Schloss befindet sich jetzt ein Museum, das verschiedene Relikte, Dokumente und Gegenstände der Familie Brunswick ausstellt. In einem Zimmer steht ein Klavier, auf dem angeblich Beethoven selbst einst spielte.

Um den Kult um Beethoven aufrechtzuerhalten und den Ansprüchen der Liebhaber der klassischen Musik gerechtet werden zu können, geben die Ungarischen Nationalphilharmoniker seit 1958 jedes Jahr drei Konzerte unter den Bäumen des Parks auf der kleinen Insel, vor der Skulptur von Beethoven (das Programm für 2016 haben wir weiter unten für Sie aufgelistet).

Die Schwester von Josephine, Therese ist als die Gründerin des ersten ungarischen Kindergartens bekannt, damit sie ein neues Kapitel in der Erziehung der Kleinkinder öffnen konnte. Der Gedenkkindergarten befindet sich gegenüber dem Park, und unter seinem Dach ist ebenfalls die Stadtbibliothek zu finden. Im danebenstehenden Kindergartenmuseum sind Relikte aus der Geschichte der ungarischen Kindererziehung zu sehen.

Martonvásár im Wandel der Zeit

Die Familie Brunswick verarmte mit der Zeit und musste das Schloss verkaufen. Der spätere Besitzer des Schlosses war die Familie Teleki, bis das Gebiet von der Familie Dreher, den Besitzern der berühmten Bierfabrik, gekauft wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Park auch für andere Zwecke verwendet. Heutzutage gibt er dem Forschungszentrum für Landwirtschaft der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ein Zuhause. Die Mitarbeiter des Instituts stecken viel Arbeit in die Entwicklung neuer Technologien im Bereich des Pflanzenschutzes und der Maiszucht. Das Zentrum führt nicht nur Experimente durch, sondern bietet jedes Jahr Programme an: Im September wird beispielsweise die „Lange Nacht der Forschung“ organisiert. Anlässlich dieser werden kleinere Experimente durchgeführt, um auf die Wichtigkeit der Landwirtschaft aufmerksam zu machen.

Martonvásár bietet jedes Jahr neue kulturelle Möglichkeiten. Im September wird der Tag des ungarischen Liedes (ungarisch „A magyar dal napja“) organisiert, wo Volksmusiker und Volkstänzer auftreten sowie Kunst-, und Handwerkermärkte veranstaltet werden.

Beethoven-Abende in Martonvásár 2016

(Im Park des Brunswick-Schloßes)

Samstag, 16. Juli 2016. 19 Uhr

Beethoven: Egmont-Schauspielmusik, op. 84
Beethoven: Symphonie Nr. 5 "Schicksal", op. 67

Solistin: Gabriella Fodor (Sopran)
Dirigent: János Kovács

Regentag: Sonntag, 17. Juli

Samstag, 23. Juli 2016. 19 Uhr

Beethoven: Ouvertüre zur Namensfeier, op. 115
Beethoven: Geigekonzert D-major, op. 61
Beethoven: Symphonie Nr. 4, op. 60

Solist: Antal Zalai (Geige)

Dirigent: Zoltán Kocsis

Regentag: Sonntag, 18. Juli

Samstag, 30. Juli 2016. 19 Uhr

Beethoven-Dénes: Begegnung im Mondschein
Beethoven: Symphonie, Nr. 9, op. 125

Dirigent: István Dénes

Solisten: Anikó Bakonyi (Sopran), Andrea Ulbrich (Alt), Szabolcs Brickner (Tenor), András Palerdi (Bass), das Ungarische Nationalchor (Leiter: Csaba Somos)

Regentag: Sonntag, 31. Juli

Weitere Informationen finden Sie unter www.filharmonikusok.hu/

2016

(Im Park des Brunswick-Schloßes)

Samstag, 16. Juli 2016. 19 Uhr

Beethoven: Egmont-Schauspielmusik, op. 84
Beethoven: Symphonie Nr. 5 "Schicksal", op. 67

Solistin: Gabriella Fodor (Sopran)
Dirigent: János Kovács

Regentag: Sonntag, 17. Juli

Samstag, 23. Juli 2016. 19 Uhr

Beethoven: Ouvertüre zur Namensfeier, op. 115
Beethoven: Geigekonzert D-major, op. 61
Beethoven: Symphonie Nr. 4, op. 60

Solist: Antal Zalai (Geige)

Dirigent: Zoltán Kocsis

Regentag: Sonntag, 18. Juli

Samstag, 30. Juli 2016. 19 Uhr

Beethoven-Dénes: Begegnung im Mondschein
Beethoven: Symphonie, Nr. 9, op. 125

Dirigent: István Dénes

Solisten: Anikó Bakonyi (Sopran), Andrea Ulbrich (Alt), Szabolcs Brickner (Tenor), András Palerdi (Bass), das Ungarische Nationalchor (Leiter: Csaba Somos)

Regentag: Sonntag, 31. Juli

Weitere Informationen finden Sie unter www.filharmonikusok.hu

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