Eine Scheinfassade im neoklassischen Stil. Ein einladender, offener Rundbogen, der von Weitem den Blick auf Statuen von Lenin, Marx und Engels gewährt. Es ist wie eine Zeitreise, eine Reise zu den Autoren des Kommunistischen Manifests. Der Memento Park im Südwesten von Budapest wurde 1993 eröffnet und bietet seinen Besuchern eine von Ákos Eleőd zusammengestellte Ausstellung sämtlicher Denkmäler aus der Zeit des Kommunismus zwischen 1947 und 1987. Eleőd hatte im Jahre 1989 erstmals die Idee geäußert, einen „Leningarten“ zu errichten, welcher alle Leninstatuen und -büsten Ungarns vereint. Dabei sind die wohl bekanntesten Statuen des Parks die Bronzestatue von Lenin, welche 1965 erschaffen wurde und den Rand des Stadtwäldchens zierte. Die kubinistische Granitstatue von Marx und Engels aus dem Jahr 1971 befand sich vor dem Haupteingang der Parteizentrale der Sozialistischen Arbeiterpartei in Budapest.

Ungarische Geschichte nimmt Gestalt an

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Ungarn unter die Fittiche der Sowjets. Zwar hatte Stalin auf der Konferenz von Jalta im Jahre 1945 versprochen, in Mittel- und Osteuropa die Demokratie einzuführen, schlussendlich rutschte Ungarn aber in eine totalitäre Diktatur ab, die abschwächend als sogenannte „Volksdemokratie“ bezeichnet wurde. Nach einer gescheiterten Revolte im Jahre 1956 wurde das Regime zwar gelockert, die tatsächliche Unabhängigkeit kehrte allerdings erst mit dem Sturz des Kommunismus im Jahr 1989 ein. Innerhalb der kommunistischen Jahrzehnte hatten sich vor allem in der ungarischen Hauptstadt eine Vielzahl an Denkmälern zu Ehren des Kommunismus und seiner Führer angesammelt. Diese wurden nach 1989 natürlich zügig entfernt.

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Die ausgestellten Statuen waren früher...

1991, unmittelbar nach Abzug der letzten sowjetischen Truppen aus Ungarn, wurde seitens des Budapester Stadtrats erstmalig die Idee eines Statuenparks ins Leben gerufen. Mit ausgewählten Denkmälern sollte ein Park entstehen, der zum einen als Erinnerung an Ungarns kommunistische Vergangenheit dienen und gleichzeitig den Sturz des Kommunismus feiern sollte. Zunächst wurde der Park „szoborpark“ (Statuenpark) getauft, heutzutage wird er größtenteils als Memento Park bezeichnet. Im Laufe der Jahre erweiterte der Architekt Ákos Eleőd den Park kontinuierlich. Dieser Tage umfasst der Park 42 Statuen sowie eine Ausstellung zum Thema „Leben in Ungarn während des Kalten Krieges“. Der Park gliedert sich also in zwei Teile: den tatsächlichen Statuenpark namens „Ein Urteil über die Tyrannei“ und ein Besucher- und Bildungszentrum, welches als „Zeugenplatz“ bezeichnet wird. Zweiterer Name steht für die ost- und mitteleuropäischen Plätze, an denen einst Aufstände gegen das Sowjetregime ausgebrochen waren. So wird nicht nur an die Aufstände in Budapest, sondern auch an Prag, Warschau und Berlin erinnert. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Ereignisse des Jahres 1956, als die Stalinstatue gestürzt wurde, und die Unruhen 1989-1990, als das gesamte kommunistische System zusammenbrach. Auch die Filmreportage das „Leben eines Agenten“ zeigt, wie die Geheimpolizei aufs Ausspionieren ihrer eigenen Bürger eingeschworen wurde. Für die passende Atmosphäre lässt es sich sogar in einem Trabi Probe sitzen.

Realitätsnahe Nachbildungen

Das bedeutendste Denkmal aus der Ära des Kommunismus in Budapest war eine acht Meter hohe Bronzestatue von Stalin. Die Statue stand auf einem riesigen 9,3 Meter hohen Podium am Felvonulási tér (Paradeplatz) in der Nähe des Városliget (Stadtwäldchen). Vom Podium aus, das mit symbolischen Reliefs verziert war, beaufsichtigten kommunistische Parteikader die Militärparaden. Heute steht auf diesem Platz ein Denkmal an den Volksaufstand, das der antisowjetischen Revolte des Jahres 1956 gedenkt. Im Zuge des Aufstandes wurde die Statue gestürzt, sodass lediglich die Stiefel stehen blieben. So hat Ákos Eleőd im Memento Park eine Nachbildung von Stalins Podium und Stiefeln geschaffen. Ein weiteres interessantes Denkmal stellt die Statue des Befreiungsarmeesoldaten dar: Die sechs Meter hohe Statue stand einst vor der Budapester Freiheitsstatue auf dem Gellértberg und feierte die Befreiung Budapests durch die Rote Armee. Auch sie wurde abgerissen, 1956 allerdings durch eine genaue Nachbildung ersetzt. Ein weiterer Höhepunkt des Parks ist eine Skulptur zweier riesiger Hände, die eine Kugel halten. Diese symbolisiert ein allegorisches Bild für die Arbeiterbewegung und die „Sowjetisch-ungarische Freundschaft“, indem sich zwei Menschen die Hände reichen. Das schließlich größte Denkmal des Parks ist das moderne und unruhig wirkende Béla-Kun-Denkmal aus dem Jahr 1986. Das Denkmal bildet den ungarischen Kommunistenführer Béla Kun ab, wie er eine Gruppe aus Soldaten und Arbeitern anführt. Ein Denkmal, das wohl jedem Besucher im Gedächtnis bleiben wird, ist das Denkmal der Räterepublik von 1969. Die ikonische Statue basiert auf einem berühmten revolutionären Poster eines voranstürmenden Seemanns, der eine Fahne hochhält.

Ein Freiluftmuseum der anderen Art

Der Memento Park ist ein gutes Beispiel für einen realistischen und doch distanzierten Umgang mit den unerfreulichen Zeugnissen der Vergangenheit. Für Besucher, die keine persönlichen Erfahrungen mit einem kommunistischen Regime verbinden, mag der Memento Park ein Kuriosum sein, während vorgeprägte Menschen an eine Ära zurückerinnert werden. Nicht umsonst bezeichnen viele Ungarn den Park als „Friedhof des Kommunismus“. Eine bildliche Assoziation, die bei näherer Betrachtung Sinn ergibt: Die Statuen sind überraschend groß und beeindrucken durch ihre monumentale Erscheinung. Hier im Memento Park haben sie eine Ruhestätte gefunden. Wer sich auf eine Zeitreise begeben und diese Ruhestätte als alternatives Ausflugsziel besichtigen möchte, findet weitere Informationen unter www.mementopark.hu


Memento Park

Budapest, XXII. Bezirk, Szabadkai utca Ecke Balatoni út

Öffnungszeiten: 10 Uhr bis Sonnenuntergang

Eintritt: 1.500 Forint / ermäßigt 1.000 Forint

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