Sie ist die Älteste von Budapests zwölf Donaubrücken und eines der bekanntesten Bauwerke der ungarischen Hauptstadt: In zehn Jahren wurde die Kettenbrücke zwischen 1839 und 1849 erbaut. Im Januar 1945 fiel sie auf dem Rückzug vor der Roten Armee den Sprengkommandos der Deutschen zum Opfer und wurde nach ihrem Wiederaufbau erst 1949 erneut eröffnet. Bald 70 Jahre sind seitdem vergangen und von der stählernen Konstruktion bröckelt der Rost. Es scheint also angemessen, dass Oberbürgermeister István Tarlós plant, der Kettenbrücke mit einer umfassenden Sanierung „ihren alten Glanz zurückzugeben“, wie er auf einem Businessforum der amerikanischen Handelskammer AmCham in diesem Monat erklärte.

Baustellen über Baustellen

Doch dies ist nicht die einzige Baustelle, die Tarlós vorschwebt: Auch der zur selben Zeit wie die Kettenbrücke errichtete Tunnel unter dem Burgberg soll renoviert und die derzeit von Városmajor bis auf den Széchenyi-hegy führende Zahnradbahn erweitert werden. Die als Linie 60 im Budapester Nahverkehr geführte Bahnlinie soll in Zukunft bereits am Széll Kálmán tér starten und bis hoch zum Normafa – einem beliebten Ausflugsziel – führen. Ebenfalls in Planung, so Tarlós, sei die dringend notwendige Erneuerung des Blaha Lujza tér im VIII. Bezirk. Der Platz an der Kreuzung von Ringstraße und Rákóczi út ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt Pests, gilt aber auch als sozialer Brennpunkt, der nicht umsonst als einer der ersten Plätze der Stadt eine Notrufsäule erhielt. Die Stadt hofft, mit der Renovierung das Image des Blaha Lujza tér aufzupolieren. Wo jetzt nur graue Betonflächen und parkende Autos sind, soll in Zukunft ein mit Bäumen und zahlreichen Grünflächen verzierter öffentlicher Raum entstehen.

Auch auf Tarlós' Wunschliste – festgehalten in den Stadtentwicklungsplänen „Budapest 2020“ und „Budapest 2030“ – stehen: Die Modernisierung des Gellért- und Széchenyi-Bades, die Schaffung einer neuen Müllsammelstelle und Verbrennungsanlage und die Verbesserung des Hochwasserschutzes entlang der Donauufer sowie der Margareteninsel.

Teure Unterfangen

Die von Tarlós genannten Bauvorhaben werden den Geldbeutel der ungarischen Hauptstadt empfindlich treffen: Für die Renovierung der Kettenbrücke und des Tunnels unter dem Burgberg sind zusammen 18 Millionen Forint veranschlagt, die Erweiterung der Zahnradbahn soll mit 23 Millionen Forint zu Buche schlagen und weitere 1,5 Millionen fallen für den Blaha Lujza tér an. Laut Tarlós habe Budapest mit Zustimmung der ungarischen Regierung dafür bereits einen Kredit bei der Europäischen Investitionsbank aufgenommen. Nachdem die Stadt bei der Realisierung ähnlicher Großprojekte, zuletzt im Zusammenhang mit der Renovierung des Széll Kálmán tér, in der Kritik stand, Gelder verschwendet oder Ausschreibungen manipuliert zu haben, begegnen einige diesen neuen Großprojekten mit Skepsis. So notwendig manche der Projekte sind, wird sich Tarlós auch die Frage nach der Dringlichkeit der kostspieligen Erweiterung der Zahnradbahn, die im Alltag kaum eine Rolle spielt, gefallen lassen müssen, wo doch andere weit dringlichere Projekte wie etwa die Erneuerung der M3 lange hinausgeschoben wurden.

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