Előd Novák ist ein Jobbik-Mann der ersten Stunde. Bereits 2003 gründete er den ersten Jobbik-Bezirksverband im Budaer XI. Bezirk. 2006 trug ihm Vona das Amt des stellvertretenden Parteivorsitzenden an, Novák lehnte damals jedoch ab. Erst 2009 stellte er sich zur Wahl und nahm diese auch an. Doch das einst gute Verhältnis zwischen Vona und ihm scheint nun vorerst der Vergangenheit anzugehören.

Säuberung von Radikalen

Schon im Vorfeld des Kongresses machte Parteichef und erster Mann der Partei, Gábor Vona, klar, dass er auf die Hilfe seines Parteikollegen Novák in Zukunft – zumindest im Vorstand – keinen Wert mehr legt. Mehr noch, dies teilte er ihm persönlich und scheinbar ohne Duldung von Widerspruch mit. Neben Előd Novák schloss der Parteichef auch István Apáti und István Szávay faktisch aus dem Führungsgremium aus. Unumwunden machte er klar, er, Vona, werde gegebenenfalls gar von seinem Vetorecht Gebrauch machen, um eine Mitgliedschaft ihm unliebsamer Kandidaten im Vorstand zu verhindern. Das Nachrichtenportal index.hu zitiert Viktor Szlávik, einen früheren Jobbik-Spitzenpolitiker, der sich auf seiner Facebook-Seite unmissverständlich äußerte: „Vona hat mittels seines Vetorechts Előd Novák, István Apáti und István Szávay befohlen, nicht zur Vorstandswahl anzutreten. (…) Für die Radikalen hat nun der Weg zum Schlachthof begonnen.”

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Előd Novák ist auf ausdrücklichen Wunsch Gábor Vonas nicht länger Teil des Parteivorstandes.

Tatsächlich gehören die drei nunmehr ausgeschlossenen Herren eindeutig dem radikalen Flügel an. Inwiefern dieser Schritt allerdings der neuen Leitlinie, also dem Imageaufbau als Volkspartei zuzuordnen ist, ist nicht klar. Vielmehr gibt es Spekulationen, ob Vona damit nicht viel eher eine Nachricht ins Innere der Partei denn nach außen an die Wählerschaft senden wollte. Gegenüber HírTV begründete Gábor Vona seine Entscheidung damit, dass sich die Jobbik langsam aber sicher auf die Regierungsverantwortung vorbereite. Deswegen sei es erforderlich, auch im Parteivorstand solche Politiker zu haben, die bereits – wenn auch im Kleinen – Regierungserfahrung vorweisen können. So sehe er beispielsweise die Bürgermeister Dávid Janiczak (Ózd) und Erik Fülöp (Tiszavasvár) als Wunschkandidaten für die Posten im Vize-Parteivorstand an. Der Vorsitzende fürchte weder Austritte noch langfristige Schäden für die Partei, denn „sollte Novák sich entscheiden, eine eigene Partei zu gründen, würde dies bedeuten, dass ihm die Jobbik selbst nicht wichtig ist, sondern nur so lange, wie er eine Position innerhalb des Vorstandes innehat.”

Novák, der wohl bekannteste unter den drei Ausgeschlossenen, sprach auf einer Pressekonferenz vorvergangener Woche noch davon, er fühle sich „von hinten in den Rücken gestochen”. Unmittelbar vor dem Parteitag schlug er jedoch mildere Töne an und ließ wissen, er werde „mit Würde ertragen“, dass sein Name nicht einmal mehr auf dem Stimmzettel zu finden sei.

Vona peilt Übernahme der Regierungsverantwortung an

Der Parteitag sorgte dann aber doch noch für eine Überraschung. Weniger, was die Position des Vorsitzenden angeht, denn mangels eines weiteren Kandidaten, konnte Gábor Vona schon im Vorfeld seine Wiederwahl als gesichert ansehen. Was jedoch für Erstaunen sorgte, war seine Bekanntmachung, in Zukunft auf den Fraktionsvorsitz im Parlament verzichten zu wollen. Statt seiner solle nun János Volner im Parlament die Partei auf Linie halten. Er selbst wolle sich lieber dem Aufbau der Partei außerhalb des Hohen Hauses widmen.

Auch diesen Schritt schreibt Vona eindeutig der Vorbereitung auf die Regierungsverantwortung zu, denn innerhalb der Jobbik, so Vona in seiner Rede auf dem Parteitag, herrsche oft „schöpferisches Chaos, in dem jeder für alles verantwortlich ist, aber niemand die Konsequenzen trägt”. Der später wiedergewählte Vorsitzende sprach weiter davon, dass es wichtig sei, dass sich die Partei traue, sich zu verändern, denn nur so könnte man endlich die Regierung übernehmen. Dies stehe keinesfalls im Widerspruch zu den Ursprüngen der Jobbik, schließlich sei dies seit 2003 erklärtes Ziel der von Vona persönlich mitgegründeten Partei. Die Rolle der neuen Jobbik bei der Ablösung der Orbán-Regierung schätzt Vona hoch ein: „Entweder wir lösen den Fidesz ab, oder keiner!”

Partei für alle, aber keine Wohlfühlpartei

Inwiefern das Bild der Volkspartei die Anhänger der ersten Stunde, die einstigen Protestwähler und oftmals dem radikalen rechten Rand Zuzuordnenden abschrecken wird, ist noch ungewiss. Doch auch hier gibt sich Vona seiner Sache sicher. Angestrebtes Ziel sei es, eine „moderne konservative Partei” zu werden, die das Erbe der Vorväter bewahrt, aber auf die Herausforderungen der Zeit reagiert. Der Vorsitzende hatte sich natürlich auch Gedanken darüber gemacht, wie sein neuer Kurs innerhalb der Partei aufgenommen wird. Alle Zweifler lässt er wissen: „Ruhig Blut.” Die Jobbik war nie und ist auch jetzt „kein Wellness-Hotel, in dem wir uns vor den Problemen der Welt verstecken können.”

Seit dem Parteitag kann sich Vona nun eines Vorstands erfreuen, mit dem er gemeinsam an dieser Vision arbeiten kann. Der mit 79 Prozent Zustimmung im Amt bestätigte Vorsitzende wird nunmehr gemeinsam mit János Volner, László Toroczkai, Dániel Z. Kárpát, Tamás Sneider, Erika Fülöp und Dávid Janiczak die Geschicke der Jobbik lenken.

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