Neben der neuen Farbe, frischem Weiß, soll auch die Zuverlässigkeit der Züge gesteigert und vor allem das dauernd Probleme bereitende Bremssystem erneuert worden sein. Die Fahrerkabine wurde mit einer Klimaanlage ausgestattet und auch im Passagierraum sorgt nunmehr ein Ventilationssystem dafür, dass den Passagieren im Sommer nicht zu heiß wird. So weit, so gut, könnte man meinen, dann steht der Erneuerung der längsten Metrostrecke Budapests ja nichts mehr im Wege. Doch weit gefehlt.

Halbgare Lösungen

Das ohnehin als nicht wolkenlos zu bezeichnende Verhältnis zwischen Oberbürgermeister Tarlós und Regierung wird im Rahmen der Metrolinie 3 auf eine erneute Probe gestellt. Denn zwar entschied das Parlament bereits Ende April darüber, der Stadt bei der Erneuerung der Linie 3 unter die Arme zu greifen, aber seitdem sind konkrete Schritte rar. Eine erste Unstimmigkeit entbrannte an der Frage, woher die Busse für den Metroersatzverkehr kommen sollten. Die von Tarlós präferierte Alternative aus Polen wären die Solaris-Busse für 277.000 Euro pro Stück. Doch die Regierung möchte eher heimische Busse kaufen. Die Modulo-Busse wären für 278.000 Euro pro Stück zu haben, müssten aber noch vor Ort montiert werden.

Tarlós forderte von der Regierung daher, eine Übernahmegarantie für die Mehrkosten. Doch das Chaos geht noch weiter, denn zwischenzeitlich war auch davon die Rede, für die Zeit der Renovierung lediglich eine Beförderungsdienstleistung einzukaufen. Kein Wunder, dass der OB in seiner gewohnt scharfen Art gegen die Regierung schießt. Auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz hob er mehrfach die Vorteile der polnischen Busse hervor. Die ungarischen Fahrzeuge würden zu großen Teilen aus den gleichen Elementen zusammengesetzt, nur mit dem Unterschied, „dass Mészáros und die Seinen ihr Angebot falsch eingereicht haben.“ Denn ihr Angebot bezog sich nicht auf fertig montierte Busse. Während also aus Polen binnen 180 Tagen alle 75 geforderten Busse fix und fertig geliefert werden, kann die Baubaufirma MABI lediglich 48 Modulo-Fahrzeuge bereitstellen – die dann noch montiert werden müssten.

Unannehmlichkeiten für alle

Während also noch nicht einmal sicher ist, woher die Busse kommen, ist immerhin schon klar, wo sie für Probleme sorgen werden. Das Nachrichtenportal Origo zitierte das mit den Arbeiten beauftragte Konsortium und lässt wenig Gutes hoffen: Die Ersatzbusse werden die Innenstadt lahmlegen. Ursprünglich sollte der Straßenbahnverkehr auf dem Múzeum körút für die Zeit der Renovierung gestoppt werden und nur Busse auf den Schienen fahren. Dies scheiterte jedoch am Widerstand des Buslinienbetreibers BKK. Nun sieht es ganz so aus, als ob zu Stoßzeiten 80 Busse und zwölf Straßenbahnen pro Stunde die Passagiere zwischen Kálvin und Deák tér befördern werden. Man muss kein Verkehrsexperte sein, um das Chaos vorherzusehen, denn selbst bei sekundengenauer Taktung prognostizierte eine Simulation auf diesem Abschnitt diverse Staus. Die Renovierungsarbeiten sollen im November beginnen. Ob bis dahin auf diese und einige weitere Fragen finanzierbare und praxistaugliche Lösungen gefunden werden, bleibt abzuwarten.

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