Wie sind Sie auf das Stück aufmerksam geworden?

Vor rund acht Jahren hatte ich mit meiner, damals im Entstehen begriffenen Theatergruppe „Die Parasiten“ schon einmal auf die Bühne gebracht. Wir haben das Stück von Marius von Mayenburg in der Übersetzung von Erzsébet Rácz dann etwa ein halbes Jahr lang bis ins kleinste Detail analysiert. Das war eine absolute Liebesproduktion, wir waren totale Anfänger, ohne Budget, aber das war am Ende nicht mehr zu spüren. Aber schon damals war das Ganze nicht wirklich fürs Theater konzipiert, wir haben in sehr kleinen Räumen gespielt, alles fühlte sich da schon wie ein Film an.

Wie würden Sie das Stück beschreiben?

Es gibt Menschen, die das Stück als bedrückend empfinden, ich sehe eher die Absurditäten darin. Ich denke, wir sprechen bei von Mayenburg von einem intelligenten Autor mit Sinn für Humor. Das Stück enthält viele humoristische – nicht witzige! – Elemente, die ziseliert wiedergegeben eine unglaubliche Selbstironie transportieren. Im Stück selbst geht es hart zur Sache. Es geht um einen Mann, der nach einem Unfall im Rollstuhl landet. Der Unfallverursacher zieht daraufhin zu ihm und versucht, ihm zu Hilfe zu sein, so entsteht eine ungesunde Beziehung. Deswegen heißt das Stück auch „Die Parasiten“, weil jeder irgendwie an jedem klebt und jeder aus jedem die Energie saugt. Das Ganze hat aber trotzdem sehr viele humoristische Elemente.

Und wie wurde aus dem Theaterstück letztlich doch eine Filmadaption?

In meinem Kopf war es schon immer ein Film, deswegen haben wir das Stück schon damals nicht in klassischer Theaterform inszeniert. Wobei mich die klassische Form sowieso nie interessiert hat. Das Stück selbst ist für die Bühne geschrieben, es enthält unglaublich viele Dialoge. Daraus haben wir die wichtigsten herausgehoben, die das Rückgrat des Ganzen bilden. Darum herum haben wir unsere Geschichte, die dann im Film vorkommt, gemeinsam mit Erzsébet Rácz geschrieben. Wir sind in der Gestaltung des Ganzen vollkommen frei.

Und Marius von Mayenburg ist damit einverstanden?

Ja. Wir sind absolut frei, die Verhandlungen über die Filmrechte liefen fantastisch. Sie haben uns den Film mit tollen Prämissen überlassen.

Wo werden Sie drehen?

Eigentlich spielt das Stück in einer Neubausiedlung an einem See, aber ich stelle mir das Ganze eher in einer Wohnung mit Blick aufs Meer vor. Ich habe mir das Stück in Gedanken komplett vorbeiziehen lassen, der Film ist etwas ganz Neues, Eigenes. Es werden sehr drastische Szenen zu sehen sein, die Menschen gehen aufeinander los und genau dem möchte ich ein visuelles Gegengewicht geben mit der Ruhe des Meeres. Diese Gegensätze sind sehr wichtig für den Film. Wenn alles gut geht, fangen wir im September an zu drehen.

Wird der Film auch in Deutschland zu sehen sein?

Ganz sicher! Wir möchten das unbedingt. Prinzipiell denke ich, dass jeder Film in der Originalsprache gezeigt werden sollte. Wir werden mit Untertiteln arbeiten, weil sonst oft die Atmosphäre des Films verloren geht oder sich ändert.

Wie wird der Dreh ablaufen?

Wir werden zwei Arten von Szenen drehen. Einmal wird es Szenen geben, die wir im Vorfeld ausprobieren und sezieren werden. Und es wird Szenen geben, in denen die Schauspieler erst vor Ort erfahren, was sie erwartet.

Ich habe zwar ein Bild im Kopf über den Film, aber dieses Bild wird sich fortlaufend entwickeln, und das ist auch gut so. Jeder Tag fügt etwas Neues hinzu, allein Márk Győri, unser Kameramann wird bestimmt viele Ideen einbringen, die wir sicher umsetzen werden.

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