Diese kurze Meldung war unlängst auf einem ungarischen Nachrichtenportal zu lesen. Ich würde sie nicht unkommentiert lassen. Ich werde sie nicht unkommentiert lassen; und nachdem ich aus der hilflosen Wut heraus sämtliche mit „Schei-“, „verf-“ und „Schlam-“ beginnenden Schimpfwörter aus mir herausgeschrieen habe, möchte ich Sie an ein paar Dinge erinnern.

Angela Merkel marschierte nach dem Charlie-Hebdo-Anschlag ganz vorne in der ersten Reihe. Sie stellte dabei ihre Pharisäervisage gut sichtbar zur Schau. Und damals wurde gesagt, die allerwichtigsten europäischen Werte wären die Presse- und die Meinungsfreiheit, und zwar auch dann, wenn sie andere beleidigten. Und es wäre wohl das heiligste Recht von Charlie Hebdo, auch auf den heiligsten Gefühlen der Muslime und der Christen herumzutrampeln, denn dadurch wäre Europa europäisch. Selbst die widerlichste Mohammed-, Jesus- oder Gottes-„Karikatur“ wäre in Ordnung, da die Pressefreiheit über der Sensibilität der Gläubigen stünde.

Diese Worte prägten den damaligen Aufmarsch Merkels, dieses letztklassigen, verlogenen und niederträchtigen Weibsstücks, weil das damals gerade dem politischen Interesse entsprach. Heute gestaltet sich das politische Interesse etwas anders.

Ein Satiriker machte sich über Erdogan lustig. Pardon: derb lustig! In einem Gedicht verpackt sagte er über Erdogan, er würde die Minderheiten unterdrücken, die Kurden mit Füßen treten, auf Christen einprügeln und einen kleinen Schwanz haben.

Davon stimmt – mit Ausnahme des Schwanzes – so ziemlich alles. Über seinen Schwanz fehlen uns die Informationen.

Jetzt steht vor allem eines im politischen Interesse: in den Arsch von Erdogan zu kriechen. Man muss ihm so viel Geld geben, wie er nur verlangt, und der Türkei Visafreiheit gewähren, damit die etwa 14 Millionen türkischen Kurden bald nach Europa geschickt werden können.

Aber wozu das Ganze? Damit die verlogene und niederträchtige Kanzlerin mit der türkischen Vereinbarung in der Hand wedeln kann, durch welche die Türken die abgeschobenen Migranten wieder aufnehmen und statt ihrer syrische Flüchtlinge nachschicken werden. Für diese nichtsnutzige und zum Scheitern verurteilte Vereinbarung muss man im Gegenzug darüber hinwegsehen, dass Erdogan die Redaktionen von Zeitungen belagert, Journalisten mit lebenslangen Haftstrafen bedroht und sich im Allgemeinen so benimmt, wie er sich zu benehmen pflegt. Das alles zählt nicht. Denn er führt als Gegenleistung ja auch mit Handkuss die amerikanischen Befehle aus und schoss etwa einen russischen Flieger ab, der sich in den türkischen Luftraum verirrt hatte und gerade auf dem Weg war, IS-Stellungen zu bombardieren. Dem IS, dem übrigens Erdogan Waffen und Sprengstoff liefert, aber das zählt auch nicht mehr wirklich.

Das zählt alles schon so wenig, dass sich die deutsche Staatsanwaltschaft lieber den deutschen Satiriker vorknöpft. Und so erfahren wir auch, dass im deutschen Recht die „Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten“ eigens als Straftat angeführt wird. Verblüffend! Stellen wir uns nur einmal vor, es gäbe in Ungarn einen ähnlichen Paragraphen. Wahrscheinlich würden gleich die Blauhelme einrücken. Nebenbei bemerkt werden Ungarn, der ungarische Ministerpräsident und alle anderen Vertreter des Landes von der servilen deutschen Dreckspresse, die bis auf den letzten Cent gekauft ist, mittlerweile bis ins Mark verdorben ist, sich der Macht bereitwillig angepasst hat und gänzlich in die Ketten der politischen Korrektheit geschlagen wurde, seit sechs Jahren auftragsgemäß diffamiert und beleidigt. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass sich die deutsche Staatsanwaltschaft deshalb jemals eingeschaltet hätte, geschweige denn die augenrollende deutsche Kanzlerin, die sich dabei auf die „nicht schrankenlose Rede- und Meinungsfreiheit“ beruft.

Diese ganze Welt ist unerträglich. Tagtäglich werden uns himmelhoch schreiende, faustdicke Lügen ins Gesicht geklatscht. Mittlerweile achten die schäbigen Jammerlappen und Pferdediebe der EU und der westlichen Staaten nicht einmal mehr darauf, den Schein zu wahren: Sie machen mit uns einfach, was sie wollen. Und wenn ihnen danach ist, sperren sie dann einen deutschen Satiriker sogar für drei Jahre weg, damit wir gefälligst wissen, was Recht und Unrecht ist. Ich sagte es schon einmal und nun wiederhole ich es – und ich darf es sagen, weil ich das Sausen des Schwarzwaldes, die Geheimnisse des Wirtshauses im Spessart, die Hauffschen Märchen und die gesamte deutsche Romantik von meinen abenteuerlichen Vorfahren geerbt habe: Das Unerträglichste an den Deutschen und zugleich das Großartigste an ihnen ist, dass sie nichts halbherzig machen können. Als sie Nazis sein mussten, führten sie das Projekt tadellos aus. Und als sie Kommunisten sein mussten, waren sie einwandfreie Kommunisten. Auf der ganzen Welt gab es nur einen einzigen Ort, an dem der Kommunismus wirklich ernst genommen wurde: in der DDR. Merkel könnte eine ganze Menge davon erzählen. Und seitdem die Deutschen gehirngewaschene, idiotische, sich selbst geißelnde, sabbernde Liberale sein müssen, fahren sie auch dieses Programm perfekt.

Ich vertraue jedoch zuversichtlich darauf, dass auch die Deutschen eines Tages aus diesem Dornröschenschlaf erwachen. Und wenn die Deutschen einmal erwachen, dann werden sie auch wirklich wach sein. Dann werden sie endlich diese vielen verlogenen, niederträchtigen, pharisäerhaften Gauner davonjagen. Aber bis dahin gilt die Einladung, verehrte Deutsche: Gönnen Sie sich doch ’ne Auszeit und fliehen Sie nach Ungarn! Ihre Rentner sind schon unterwegs. Sie möchten nämlich zu Mittag die Kirchenglocken läuten hören und auf den Straßen weißen Menschen begegnen. In Mitteleuropa sind diese Dinge tatsächlich noch gegeben. Wir heißen Sie herzlich bei uns willkommen. Übrigens werden bei uns auch keine Satiriker ins Gefängnis gesteckt, wenn sie jemanden „derb verletzen“…

Der hier erschienene Kommentar erschien am 9. April auf dem Online-Portal der konservativen Tageszeitung Magyar Hírlap.

Aus dem Ungarischen von
Dávid Huszti

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