„Entweder ich befinde mich in einem schrecklichen Irrtum, oder Pique Dame ist wirklich die Krönung meines Lebenswerkes!“, soll der russische Komponist Pjotr Iljitsch Tschaikowski einmal über das nur drei Jahre vor seinem Tod entstandene Bühnenwerk gesagt haben. Nach seiner Erfolgsoper „Eugen Onegin“, war „Pique Dame“ bereits das zweite Bühnenwerk, dessen Handlung Tschaikowski einer Erzählung des russischen Nationaldichters Alexander Puschkin entlehnte. Das Libretto zur Oper verfasste Tschaikowskis Bruder, Modest Tschaikowski.

Die Oper in drei Akten und sieben Bildern erzählt die Geschichte des aus einfachen Verhältnissen stammenden Offiziers Hermann. Er ist in Lisa verliebt, um die er aber wegen ihrer reichen Herkunft nicht zu werben wagt. Ihre Großmutter, die Gräfin, war in ihrer Jugend als „Pique Dame“ bekannt, ihr wird nachgesagt, ein Geheimnis zu kennen, mit dem man jedes Kartenspiel gewinnt. Hermann beschließt dieses Rätsel

zu lösen, um so seine Geliebte und noch dazu ein Vermögen für sich zu gewinnen. Doch schon im zweiten Akt zeigt sich, dass dieser Plan zum Scheitern verurteilt ist. Obwohl auch Lisa ihre Liebe zu Hermann offenbart, kann dieser nicht davon ablassen, die Gräfin ob des Geheimnisses ihres erfolgreichen Kartenspiels zu konfrontieren. Denn schon längst hat sich für den von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Außenseiter, der Wunsch nach gesellschaftlichen Aufstieg durch einen magischen Kartentrick zur fixen Idee entwickelt, die sein Leben beherrscht und letztendlich nicht nur für ihn tödlich endet.

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Eine Gesellschaft, die den Einzelnen aus dem Blick verliert

„Pique Dame“ stieg nach ihrer Uraufführung in St. Petersburg 1890 schnell zu einer der populärsten russischen Opern auf. Tschaikowski verstand es in seiner Komposition die Zerrissenheit seines tragischen Helden – der Liebe ersehnt, aber vom Geld korrumpiert wird – anhand von jähen Stimmungswechseln in der Musik umzusetzen. Im Gegensatz zur dicht gewobenen Charakterstudie Hermanns stehen wiederum oberflächlich-heitere Chorszenerien, die die vornehmen Kreise der Gesellschaft persiflieren. Tschaikowski zeichnet hier das Bild einer Gesellschaft, die nicht nur soziale Mobilität zwischen den Schichten verhindert, sondern auch das Schicksal des Einzelnen aus dem Blick verloren hat.

Das von Victor Volsky entworfene pompöse Bühnenbild bietet den passenden Hintergrund, vor dem sich ein dekadentes Schauermärchen, wie es „Pique Dame“ darstellt, erst richtig entfalten kann. Für die Inszenierung der Oper zeichnet der mit internationalen Preisen prämierte russische Opernregisseur Vadim Milkov verantwortlich. Am Pult des Orchestergrabens wird der namhafte

Gastdirigent Vassily Sinaisky dem

Ungarischen Staatsorchester heitere wie schaurige Töne entlocken.

Sinaisky genießt nicht nur in seiner Heimat Russland einen

herausragenden Ruf, sondern hat sich auch im Ausland unter anderem durch

Engagements für die Berliner Komische Oper oder das BBC Philharmonic

Orchestra einen Namen gemacht.

Während der ersten drei Aufführungen in der Ungarischen Staatsoper wird zunächst der Tenor Mikhail Gubsky die Rolle des Hermann ausfüllen. Für die Vorstellungen am 14. und 16. April wartet das Opernhaus jedoch mit einem besonderen Leckerbissen auf: An beiden Tagen schlüpft der russische Startenor Wladimir Galouzine in die Rolle des Titelhelden. Bereits 1993 hatte der heute beinahe 60-jährige Opernsänger sein Debüt als Hermann. Der tragische Held aus Tschaikowskis „Pique Dame“ wurde zu seiner Paraderolle. Bis heute ist der renommierte Tenor Ehrenmitglied im Ensemble des Mariinsky-Theaters in St. Petersburg und war mit diesem auch auf zahlreichen Tourneen weltweit zu erleben.

Die Oper wird auf Russisch aufgeführt, aber sowohl in ungarischer als auch englischer Sprache übertitelt.

Katrin Holtz

„Pique Dame“ in der Ungarischen Staatsoper

Budapest, VI. Bezirk, Andrassy út 22

Vorführungen am 1., 3., 7., 9., 14. und 16. April

Tickets und weitere Informationen unter www.opera.hu und www.jegymester.hu

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